15 Jahre Gefängnis: Erstmals ausländischer pädophiler Sex-Tourist verurteilt
- Herausgegeben von Darcissac, MarionMedienmitteilung
Bern, 19. August 2010
Erfolg in der Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Kolumbien
Erstmals ist in Kolumbien ein Ausländer wegen Kinderpornografie, sexueller Handlungen mit Minderjährigen und Anstiftung zur Prostitution verurteilt worden – das Strafmass wurde gestern eröffnet: 15 Jahre Gefängnis und über 30 000 US-Dollar Busse. Das Urteil sollte Sextouristen an der Nordküste Kolumbiens davon abschrecken, Kinder wie bisher ungestraft sexuell zu missbrauchen.
Nach elf Verurteilungen von Kolumbianern, die in die Kinderprostitution verwickelt waren, ist der Fall des erstmals verurteilten Ausländers, eines italienischen Staatsangehörigen, ein weiterer Erfolg für das Kinderhilfswerk Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh), welches Opfern Rechtsbeistand bietet. Zwei Komplizen des Italieners wurden zu je zehn Jahren Gefängnis und je 14 000 Dollar Busse verurteilt.
Der 15-jährige Yesid Torres musste dem 72-jährigen pädophilen Italiener in einem Appartement, das dieser in einem vornehmen Quartier Cartagenas gemietet hatte, unter dem Deckmantel der Hausarbeit sexuell zu Diensten sein. Involviert waren junge Erwachsene und Minderjährige, auch der kleine Bruder von Yesids bestem Freund, der zum Tatzeitpunkt 13 Jahre alt war. Yesid ist auf der Fahrt ins Spital an einer Überdosis Kokain gestorben, die er beim Italiener zu sich genommen hatte. In der Wohnung wurden eine Fotokamera mit vielen kinderpornografischen Aufnahmen sowie Whisky, Drogen und der Täter selbst vorgefunden – betrunken und halbnackt. Die sexuellen Dienste wurden mit Geschenken abgegolten, so mit einem nagelneuen Motorrad.
Die Kinderschutzorganisation Terre des hommes kämpfte für ein hartes Urteil, entsprechend zufrieden ist Antoine Lissorgues, Tdh-Delegierter in Kolumbien. « Das Urteil ist exemplarisch augesfallen und hat abschreckende Wirkung auf gewisse Sextouristen; das ist den jungen Opfern sexueller Ausbeutung dienlich, deren Leid lange Zeit ungestraft blieb. »
Sextourismus ist in Cartagena eine eigentliche Industrie. Bereits am Flughafen präsentieren Taxifahrer Kunden eine Auswahl von Jungen und Mädchen jeden Alters und jeder Hautfarbe. In Nachtclubs treten leicht bekleidete Mädchen auf, die „auf älter“ geschminkt sind. Viele sind erst 13 oder 14 Jahre alt und haben gefälschte Papiere. Die Transaktionen werden vor Ort abgewickelt, europäische und nordamerikanische Kunden meist reiferen Alters nehmen die ausgewählten Kinder dann in eines der billigen Hotels der Umgebung mit, die rund um die Uhr geöffnet sind. Ob Stundenhotel oder Fünf-Sterne-Haus, man kann ohne weiteres mit Minderjährigen verkehren, selbst wenn ein Anschlag darauf hinweist, dass diesen der Zugang untersagt ist. Portiers und Nachtwächter lassen sich für wenig Geld bestechen. Mehr als 500 000 Personen leben in Cartagena in oft extremer Armut. Vielen mussten wegen des bewaffneten Konflikts zwischen Rebellen und paramilitärischen Gruppierungen aus ländlichen Gebieten fliehen. Die sexuelle Ausbeutung von Kindern ist auch auf die schwierigen Lebensumstände ihrer Familien zurückzuführen.
Auskünfte:
Auskünfte: Antoine Lissorgues, Delegierter in Kolumbien (französisch/spanisch), +57 314 594 44 03; Rudolf Gafner, Mediensprecher Deutsche Schweiz, 079 742 98 73.
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Terre des hommes (Tdh) setzt sich für den Schutz der Kinder vor Ausbeutung, Missbrauch, Handel und Gewalt ein.


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