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Afghanistan: Verwechslung von Flucht und Ehebruch

22 Mai 2012 JugendstrafrechtAfghanistan

01P1191361.JPG Letztes Jahr veröffentlichte das Time Magazine eine Reportage mit dem Foto einer jungen afghanischen Frau namens Aisha, deren Mann ihr als Strafe für einen Fluchtversuch Nase und Ohren abgeschnitten hatte. Die 18-Jährige war von ihrer Familie als Kind verstossen worden, um eine “Blutschuld” zu begleichen, und wurde später mit einem Talibankämpfer verheiratet. Die Familie ihres Mannes missbrauchte sie, was in die Flucht trieb. Sie wurde aber aufgegriffen und vom eigenen Mann verstümmelt. Die amerikanische Stiftung, die Aisha eine kostenlose plastische Chirurgie in Kalifornien ermöglichte, führte eine Kampagne zur Problematik der Gewalt an Frauen durch.

Das afghanische Strafgesetzbuch definiert das Verlassen der Familie nicht als Verbrechen, sieht aber für die zina – eine aussereheliche sexuelle Beziehung – eine bis zu 15-jährige Gefängnisstrafe vor. Dennoch schreiten die für die Ausführung der Gesetze zuständigen Behörden oft zur Festnahme, Inhaftierung und Verfolgung von Minderjährigen, insbesondere Mädchen, weil sie von zu Hause weggelaufen sind, und qualifizieren dieses “Delikt” als “Absicht” zur zina. Im März 2012 publizierte Human Rights Watch einen Bericht, der auf in drei Gefängnissen und drei Rehabilitationszentren für Jugendliche in Afghanistan geführten Gesprächen mit Mädchen basiert, die solcher “moralischen Vergehen” beschuldigt werden. Der Bericht zeigt auf, dass fast alle Mädchen dieser Art von Verbrechen wegen festgehalten wurden, während dies bei den erwachsenen Frauen auf etwa die Hälfte zutraf. Einige der befragten Frauen und Mädchen wurden der zina bezichtigt, nachdem sie vergewaltigt oder zur Prostitution gezwungen worden waren.

Die Aktion der Stiftung Terre des hommes in Afghanistan umfasst seit Dezember 2008 Aktivitäten für von zu Hause weggelaufene Kinder, die durch das Konsortium für Kinderrechte III (CRC) unter Mitwirkung der beiden afghanischen NGO Ashiana und LKRO umgesetzt werden. Von April 2011 bis April 2012 wurden insgesamt 41 Kinder von den Partnern des CRC unterstützt, 23 minderjährige Jungen und 18 Mädchen. 17 dieser Mädchen waren wegen Weglaufens, Unzucht oder Ehebruch verhaftet worden. Die Projektverantwortlichen arbeiten in Jalalabad, Mazar-e-Sharif, Herat und Kandahar mit vier Akteuren zusammen: dem Aktionsnetz für Kinderschutz, der Unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission, Staatsanwälten und dem Justizpersonal sowie den Familien der Kinder, um den Begünstigten während ihrer Haft angemessene Sozial- und Rechtshilfe zu bieten. Darüber hinaus stellen die Partner des CRC sicher, dass die Minderjährigen eine geeignete Unterstützung bekommen, das Gericht die richtigen Informationen erhält und sich wenn immer möglich um eine Versöhnung zwischen Familie und Kind bemüht.

Das Büro des Generalstaatsanwaltes erhielt vor kurzem von der afghanischen Regierung die Anweisung, von zu Hause weggelaufene Kinder nicht mehr zu verfolgen.

Weitere Informationen zu den Aktionen von Terre des hommes in Afghanistan

Kinderschutz

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Kinderschutz
Terre des hommes (Tdh) setzt sich für den Schutz der Kinder vor Ausbeutung, Missbrauch, Handel und Gewalt ein.
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