Guinea: Sozialpädagoge, ein Beruf im Werden
15 Jun 2012 JugendstrafrechtGuinea
Anschluss an die letzte, vom Team von Terre des hommes durchgeführte Schulung ein Interview. Ziel dieser Ausbildung ist es, die Arbeit von Sozialpädagogen zu perfektionieren. In ganz Guinea gibt es nur deren 36, um die Begleitung und den korrekten Ablauf von Strafverfahren für mehrere Hundert Kinder sicherzustellen.
Welche Stellung nimmt der Beruf des Sozialpädagogen in Guinea im Strafvollzug ein? Warum braucht es eine Schulung?
Die Berufskategorie des Sozialpädagogen ist in Guinea relativ neu. Im ganzen Land gibt es nur 36 von ihnen, in Conakry sind es allein 23.
In der Arbeit dieser Sozialpädagogen wurden Lücken festgestellt. Um diese zu schliessen, werden nun regelmässig Ausbildungskurse organisiert, die es erlauben, die Aufgaben und Pflichten künftiger Sozialpädagogen besser zu definieren. Das Hauptziel ist, für die Einhaltung der Rechte von minderjährigen Häftlingen zu sorgen und einen Beitrag an ihre gesellschaftliche Wiedereingliederung zu leisten. Andererseits ermöglicht uns diese Schulung auch, potenzielle Ausbildner zu finden, die ihrerseits die Ausbildung neuer Sozialpädagogen innerhalb des Strafvollzugs sicherstellen können.
Du hast diese Schulung ebenfalls besucht. Was hat sie dir gebracht?
Ich habe Zuhörtechniken gelernt, vor allem aber auch, wie man sich Minderjährigen gegenüber verhalten sollte. Man darf Kindern gegenüber keine urteilende Haltung einnehmen. Wenn ich zum Beispiel vor einem Kind stehe, das ein Verbrechen begangen hat, kann in mir Abneigung aufkommen. Es ist deshalb wichtig, Vorurteile zu erkennen und sie zu überwinden, um das Kind und seine allfällige Übeltat separat betrachten zu können. Diese Schulung war für mich sehr nützlich, um Gespräche mit minderjährigen Häftlingen zu führen.
Ein weiterer Vorteil dieser Schulung war, dass sie mir ermöglichte, Sozialpädagogen kennenzulernen, mit denen ich innerhalb der Haftanstalt zusammenarbeiten werde.
Welche Herausforderungen bleiben bestehen?
Die Sozialpädagogen haben nun zum ersten Mal tägliche Pflichten. Es wird also in meiner Verantwortung liegen, sie davon zu überzeugen, regelmässig arbeiten zu kommen, sei es auch nur dreimal pro Woche. Es wird eine gewisse Präsenz am Arbeitsplatz erwartet, um sie bei der Durchführung ihrer Aufgaben betreuen zu können. Diese Regelmässigkeit bei der Arbeit ist hingegen noch keine Selbstverständlichkeit.
Um sie zu zwingen, arbeiten zu kommen, habe ich regelmässige Begegnungen zweimal pro Woche eingeführt, damit sie korrekt umsetzen können, was sie während der Ausbildung gelernt haben. Sie werden ihre Arbeit so noch ernster nehmen.
Ein Schlusswort?
Ich hoffe, dass wir alle gut zusammenarbeiten werden, um minderjährige Häftlinge zu unterstützen, um für ihre Rechte zu kämpfen und zu erreichen, dass weniger junge Guineer ins Gefängnis kommen. Mit Mut, Durchhaltevermögen und Scharfsinn wird uns dies eines Tages gelingen.

