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Haiti: Die EPFL macht im Kampf gegen die Cholera gemeinsame Sache mit Tdh

25 Okt 2011 Humanitäre KrisenHaiti

Von der Website der ETH Lausanne (EPFL)

lobal-handwashing-day_0047.jpg Zwei Laboratorien der EPFL mobilisieren sich für Terre des hommes. Sie haben eine Arbeitsgruppe gebildet, um Instrumente zu entwickeln, mit denen die Verbreitung der Bakterie vorausgesagt und die Gesundheitshilfe effizient organisiert werden kann.

Im Januar 2010 verwüstet ein Erdbeben der Stärke 7,0 Haiti, zerstört die Hauptstadt Port-au-Prince und fordert 230’000 Tote beziehungsweise 300’000 Verletzte. Der Notstand wird ausgerufen. Mehr als 10’000 NGO werden vor Ort aktiv, ebenso die UNO-Blauhelme. Humanitäre Organisationen und Friedenstruppen leisten Nothilfe: Verteilung von Trinkwasser, medizinische Versorgung, Räumungsarbeiten. Die Krankheit wird durch verunreinigtes Wasser, kontaminierte Früchte und Gemüse oder schmutzige Hände übertragen. Fliessgewässer sind in Haiti strategische Orte: Man wäscht sich im Wasser, spielt darin und trinkt es. Anderthalb Jahre nach der Katastrophe lebt die Bevölkerung noch immer in Trümmern und inmitten von Abfallhäufen.

Ein in Südamerika unbekannter Bakterienstamm

Seit 100 Jahren war in diesem Land kein Cholerafall mehr verzeichnet worden. Die Bevölkerung ist auf diesen neuen Schicksalsschlag nicht vorbereitet. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bakterie denjenigen entspricht, die man in Asien findet und mit denen sich nepalesische UN-Soldaten infiziert haben könnten. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass vor deren Ankunft genügend Zeit vorhanden war, um Tests durchzuführen. Da der Bakterienstamm nach deren Niederlassung unterhalb eines Lagers aufgetaucht ist, kann es sein, dass er über das Abwasser übertragen worden ist.
«Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann man sie für einen schlimmen Durchfall halten», erklärt Melanie Blokesch, Professorin am Laboratorium für molekulare Mikrobiologie der EPFL und Spezialistin der Entwicklung des Cholerabakteriums. «Bei schweren Fällen verliert man bis zu 20 Liter Wasser pro Tag, Kinder sterben in nur wenigen Stunden.» Durch die Verabreichung einer Salzlösung kann der tödliche Flüssigkeitsmangel verhindert werden. Es ist deshalb unbedingt notwendig, die Ausbreitung der Bakterie kurzfristig voraussagen zu können, um Gesundheitseinrichtungen zu warnen und die Bevölkerung zu schützen.

Wenn Umwelt- und Lebenswissenschaften zusammenspannen

s_hygiene-enhancement_0094.jpg Andrea Rinaldo macht in seinem Laboratorium für Ökohydrologie an der EPFL Untersuchungen zur Rolle von Flussnetzen – eigentlichen ökologischen Korridoren – bei der Ausbreitung von durch Wasser übertragenen Krankheiten. Kurz nach Ausbruch der Cholera Ende 2010 veröffentlicht er ein Raummodell, mit dem sich die Verbreitung des Krankheitserregers örtlich, zeitlich und in Bezug auf die menschliche Mobilität in Haiti voraussagen lässt. «Wir mussten das Modell verbessern und verstehen, warum es nicht immer der Realität entsprach und es zu unerklärlichen epidemischen Spitzen kam. Aus diesem Grund beschlossen wir, vor Ort zu reisen und uns mit dem Terrain zu konfrontieren.» Die Forschergruppe setzte sich aus der Mikrobiologin Melanie Blokesch, dem Hydrologen Andrea Rinaldo und dem Epidemiologen Silvan Vesenbeckh von der Harvard Medical School zusammen.

Andere Parameter vor Ort

Nach ihrer Ankunft erleben die Forscher eine Überraschung nach der anderen. Sie entdecken, dass im grossen Stil, ja sogar zur Prophylaxe Antibiotika abgegeben werden. Da es an klaren Richtlinien fehlt, tun gewisse NGO, was ihnen richtig erscheint, manchmal auch im Widerspruch zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), was die räumliche Wahrnehmung des Problems verfälscht.

Sie stellen fest, dass die meisten Menschen keinen Zugang zu Toiletten haben und ihre Notdurft in der Natur verrichten. In der Regenzeit transportiert das Wasser Fäkalbakterien bis in die Flüsse und verschmutzt diese, was die Anzahl der Personen erhöht, die verseuchtem Wasser ausgesetzt sind. Der Regen hat noch weitere unerwartete Folgen: «Präventionsplakate aus Papier lösen sich auf, wenn sie nass werden. Weil sie die Plakate nicht mehr sehen, glauben die Leute, die Epidemie sei unter Kontrolle und vergessen die Vorsichtsmassnahmen», beklagt Melanie Blokesch. Dies erklärt auch den Anstieg der Epidemie in dieser Jahreszeit.

Aufgabe der EPFL war es, mit den unterschiedlichen humanitären Akteuren wie Ärzte ohne Grenzen, Terre des hommes und auch der WHO zusammenzutreffen, um alle Elemente des Terrains zu erfassen. Das ist jetzt der Fall. Bald kann den Organisationen ein neues Instrument zur Verfügung gestellt werden, damit sie schnell die entsprechende Gesundheitslogistik aufbauen können. Denn Andrea Rinaldo ist der Überzeugung, dass die Epidemiologie der Zukunft auf der Modellierung basiert.

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Die Aktivitäten von Terre des hommes in Haiti

Seit mehr als 20 Jahren entwickelt Terre des hommes in Haiti Gesundheits- und Ernährungshilfe für Kinder und Mütter. Nach dem Erdbeben von Januar 2010 setzt sich Tdh für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung, den Bau von Latrinen und Duschen ein, aber auch für die Sanierung der am stärksten betroffenen Zonen. Um die Nachhaltigkeit dieser Aktionen sicherzustellen, wurden die Gemeinschaften miteinbezogen und ausgebildet, damit sie Brunnen und Handpumpen wiederherstellen, einrichten und unterhalten können. Seit Anfang der Cholera-Epidemie hat Tdh die Veranstaltungen zur Hygieneerziehung intensiviert und auch Präventionsbotschaften und strenge Hygienemassnahmen zur Bekämpfung der Epidemie eingeführt. Die Teams von Tdh sind in der Kinderabteilung des Spitals von Les Cayes aktiv, in Cholerabehandlungszentren und 44 Kinderbetreuungsstätten (Krippen, Waisenhäuser), um der Epidemie vorzubeugen. Sechs mobile Tdh-Teams mit Gesundheits- und Hygienespezialisten besuchen Kranke, stellen eine umfassende Sensibilisierung der Gemeinschaften sicher, chlorieren Wasserstellen und desinfizieren Keimherde (Toiletten, Duschen, Betten, Küchen, Böden).


Weitere Informationen zu den Aktivitäten von Terre des hommes in Haiti

Gesundheit

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Kinder haben das Recht auf Gesundheit
Terre des hommes (Tdh) ermöglicht hunderttausenden Kindern und Müttern, ihr Recht auf Betreuung, Ernährung und Hygiene nachhaltig wahrzunehmen.
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