Kein Gefängnis für Kinder!
28 Okt 2009 JugendstrafrechtPeruDas grösste Schweizer Kinderhilfswerk organisiert just zum 50-Jahr-Jubiläum erstmals einen Weltkongress: Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh) lädt nach Lima (Peru) zu einer Tagung über restauratives Jugendstrafrecht – Motto: Kinder sollen erzogen und integriert, nicht weggesperrt und kriminalisiert werden. Der vom 4. bis 7. November dauernde Kongress ist gefragt: Mehr als 700 Experten aus 60 Ländern sind dabei.
Landen Kinder im Knast, nützt dies niemandem, zumal sie in Gefängnissen erst recht kriminell zu werden drohen. Erziehen statt absitzen lautet deshalb die Parole, gerade Minderjährige sollen mit sozialpädagogischen Massnahmen begleitet, betreut und integriert werden. Für solch alternatives, so genannt restauratives Jugendstrafrecht setzt sich Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh) seit 12 Jahren in vielen Ländern ein. Eben erst, im Oktober, hielt das grösste Kinderhilfswerk der Schweiz in Afghanistan einen ersten nationalen Workshop ab: 65 Richter und Ankläger berieten in Kabul Alternativen zur Inhaftierung von Kindern, wie sie in Afghanistan an der Tagesordnung ist.
Nicht nur dort: Schätzungsweise eine Million Kinder sitzt in mehr als 40 Ländern der Erde heute hinter Gittern. In Burundi, Guinea, Mauretanien, Kosovo, Rumänien und Peru führt Tdh Projekte für restaurative Jugendgerichtsbarkeit – Hunderte von Richtern und Staatsanwälten, Polizisten, Gefängniswärtern und Sozialarbeitern genossen Trainings, viele Kinder erhielten Unterstützung. In Nicaragua, wo Tdh neu Zugang zu allen Gefängnissen des Landes hat und nun modellhaft Arbeit leisten kann, fand diesen September eine erste zentralamerikanische Konferenz für restauratives Jugendstrafrecht statt. Und nun also die Tagung für Jugendstrafrecht in Lima (Peru), womit Terre des hommes erstmals in 50 Jahren einen veritablen Weltkongress initiiert. Über 700 Experten aus 60 Ländern nehmen daran teil, fast 30 000mal ist www.congresomundialjjrperu2009.org, die Website des Kongresses, angewählt worden.
“Wir sehen uns mit einer Rückkehr zu repressiven, ausschliessenden Modellen konfrontiert, und diesem Trend – mithin dem Trend, Kinder wegzuschliessen – wollen wir mit dem Weltkongress klar entgegentreten”, sagt Jean Schmitz, Initiator und Exekutivdirektor des Kongresses in Lima und Terre-des-hommes-Delegierter in Peru. Er verweist auf die UNO-Kinderrechtskonvention, deren 20-Jahr-Jubiläum am 20. November weltweit gefeiert wird; darin sind Freiheitsstrafen für Minderjährige nur als allerletzte Mittel zugelassen (Art. 37 und 40). Und wie Bernard Boëton, Tdh-Kinderrechtsexperte seit 30 Jahren, seinerseits unterstreicht, geht es beim restaurativen Modell im Übrigen keineswegs etwa nur um täterorientierte Arbeit, sondern ebenso um Dialog mit den Opfern und um Wiedergutmachung des Schadens. “Lima” ist die erste globale Tagung, an der nur das alternative, restaurative Justizmodell behandelt wird, “Lima” soll die guten Erfahrungen damit in alle Welt verbreiten. An der Konferenz in Lima nehmen Persönlichkeiten aus der Schweiz teil.
