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2 Dez 2011 Jugendstrafrecht Nicaragua

Nicaragua: Die Rechtsmedizin im Dienste einer besseren Justiz

- Herausgegeben von Darcissac, Marion

2815_aficheiicongresoforense_embed «Je besser sich ein Akteur der Justiz in der Rechtsmedizin auskennt, desto objektiver sind seine Arbeit und desto offener seine Einstellung im Laufe des restaurativen Strafvollzugs», erklärte John Orlando, Delegierter von Terre des hommes in Nicaragua am 2. Internationalen Kongress für Rechtsmedizin und Forensik.

Justiz und Wissenschaft verbinden

Dieser Kongress bot allen Interessierten die Möglichkeit, sich auf dem Gebiet der Rechtsmedizin zu informieren und ihre Kenntnisse zu vertiefen. An den beiden Kongresstagen, die als Weiterbildung galten, wurden Problematiken wie sexuelle Gewalt, Psychotraumatologie und Kriminologie behandelt.

Laut John Orlando hat diese Weiterbildung grossen Einfluss auf Akteure der Justiz, denn «sie öffnet ihnen das Bewusstsein für eine ganzheitliche Betreuung von Minderjährigen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind». 66 Strafvollzugsbeamte, Strafrichter, Psychologen, Sozialarbeiter und Jugendrichter wurden in Rechtsmedizin geschult.

Die Teilnehmenden erfuhren zum Beispiel von der Bedeutung des «Gessel-Raumes», welches am Kongress von Atilio Álvarez, Jugendstrafverteidiger in Argentinien und ständiger Konsulent für Tdh, vorgestellt wurde. Diese Technik erlaubt, dass nur ein enziges Gespräch mit dem Opfer geführt werden muss. Sie gilt als fortschrittlichste Prävention, um zu verhindern, dass eine Person, die Gewalt oder Missbrauch erlitten hat, erneut in die Opferrolle zurückfällt. Das Gespräch wird aufgezeichnet, damit das Opfer nicht von verschiedenen Personen interviewt werden muss und vor Gericht eine Gegenüberstellung mit dem Täter vermieden werden kann, was umso wichtiger ist, wenn es sich beim Opfer um ein Kind handelt.

Der rechtsmedizinische Aspekt ist für eine gute Umsetzung der Justiz entscheidend, weil dieser es ermöglicht, aus einem rein juristischen Ansatz auszubrechen. Er bringt eine psychosoziale und medizinische Herangehensweise an das Opfer mit sich. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn das Strafurteil gefällt ist und das Opfer beginnen kann, sein Selbstwertgefühl wiederaufzubauen. «Ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem zum Beispiel die Psychotraumatologie Anwendung findet, stellt eine konkrete Unterstützung für Opfer dar. Diese müssen von Spezialisten betreut werden, damit sie ihr Leben fortführen können und die durch den Täter verursachten Schäden behoben werden», fügte John Orlando an.

Das Engagement von Terre des hommes in der Prävention von Jugendgewalt

Für Terre des hommes war dieser Kongress Teil der juristischen Fortbildung, die Fachleute der Justiz seit 2008 erhalten. Das Ziel von Tdh ist es, eine auf die Bedürfnisse von straffälligen Kindern und Jugendlichen abgestimmte restaurative Justiz zu fördern und umzusetzen.

Laut John Orlando «war die Teilnahme dieser Berufsleute an jeder dieser Konferenzen ein grosser Erfolg. Es ist wichtig, dass Fachleute der Strafjustiz an diesen vielfältigen Workshops zu vorrangigen Themen teilnehmen und ihre Reaktionen und konkreten Praktiken einbringen können.»

Dieser 2. Internationale Kongress für Rechtsmedizin und Forensik wurde vom Institut für Rechtsmedizin und dem Obersten Gerichtshof in Zusammenarbeit mit Tdh und mit der Unterstützung der TUTATOR-Stiftung Schweiz organisiert.