Zusammenfassung der Tagung - "Entwurzelte Kindermigranten besser schützen"
- Herausgegeben von Darcissac, MarionHier können Sie die Vorträge der Redner herunterladen
Kurz vor dem Weltmigrationsforum in Genf den migrationspolitischen Fokus gezielt auf dringend nötige Verbesserung des Kinderschutzes lenken: Mit diesem Ziel hat Terre des hommes (Tdh), das grösste Schweizer Kinderhilfswerk, am Freitag in Bern eine Tagung veranstaltet. „Nie zuvor haben die Staaten bewusstseinsbildend und gesetzgeberisch so viel für den Kinderschutz getan – doch noch kaum je war eine Kategorie Minderjähriger so diskriminiert wie unbegleitete jugendliche Migranten es heute sind“, erklärte Jean Zermatten, Präsident des UNO-Komitees für die Rechte der Kinder, im Schlusswort.
Eröffnet wurde die Tagung von Eduard Gnesa, Sonderbotschafter des Bundesrates für Internationale Migrationszusammenarbeit, gleichsam Leiter der Schweizer Delegation am Weltforum für Migration und Entwicklung, das am 1. und 2. Dezember unter Schweizer Vorsitz in Genf stattfindet. „Das Migrationsland Schweiz leistet einen Beitrag zum gemeinsamen Verständnis von Migration“, und dazu gehöre unter anderem der Aufruf zum Schutz unbegleiteter minderjähriger Migranten, sagte Gnesa.
Alexander Ott, Leiter Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei der Stadt Bern, seinerseits stellte das Berner Konzept gegen organisierte Bettelei vor, welches kinderschutzspezifische Aspekte mit in den Vordergrund stellt; im Rahmen des Pilotprojekts „Agora“ wurden in Bern seit 2009 gegen 700 Bettelnde angehalten, unter ihnen 75 Kinder, viele aus Rumänien. Gerade in Bezug auf die Kinder geht es beim neuen Konzept indes nicht nur um Repression, sondern auch um Schutz und Betreuung.
Terre des hommes führt in Rumänien Projekte für vulnerable Kinder, insbesondere für Roma. Der Rumänien-Delegierte des führenden Schweizer Kinderhilfswerks, Joseph Aguettant, schilderte in Bern, wie in Zusammenarbeit mit 30 Gemeinden die soziale Integration namentlich der Roma-Kinder nachhaltig verbessert werden kann. „Kinderhandel und die unbegleitete Migration entwurzelter Kinder muss vorab im Herkunftsland selber bekämpft werden, durch Integration und mit besseren Chancen.“
Wie aber können unbegleitete jugendliche Migranten, in der Schweiz angekommen, hier unterstützt werden? „Schutz ist Vertrauen“, so dazu Simea Merz Deme, Leiterin der Fachstelle für unbegleitete Minderjährige des Zentralbereichs Kinder- und Jugendhilfe des Kantons Zürich. Es gelte zunächst, Vertrauen zu schaffen und über Rechte, aber auch Pflichten zu informieren, sodann den Aufenthalt zu sichern, je nach Sachlage Integration und Einschulung zu ermöglichen, letztlich ein soziales Umfeld zu schaffen, etwa mit Hilfe einer Pflegefamilie. Tausende unbegleiteter Migrantenkinder verschwinden jedes Jahr in Europa aus Asyl- und Unterbringungsinstitutionen, so auch in der Schweiz, wie eine Tdh-Studie 2010 gezeigt hat. Bernard Boëton, Kinderrechtsexperte von Terre des hommes und Verantwortlicher für die Studie, rief Behörden und interessierte Kreise auf, dem beunruhigenden Phänomen des Verschwindens und Untertauchens von Kindermigranten mehr Beachtung zu geben.
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Terre des hommes (Tdh) setzt sich für den Schutz der Kinder vor Ausbeutung, Missbrauch, Handel und Gewalt ein.

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