Zaman braucht mehr als Proteine und Vitamine
4 Okt 2010 Gesundheit und ErnährungBangladesch, VerschiedenesAuch wenn Bangladesch aktuell ein rapides Wachstum erfährt – Not und Leid der Kinder bleiben sehr weit verbreitet. Sorgen bereitet vorab die grassierende Unterernährung, in deren Folge viele Kinder im Kleinkindalter oder sogar schon vorgeburtlich von Krankheiten betroffen sind, die zu verhindern wären, Durchfall und verschiedene Infektionen etwa.
Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh) leistet Hilfe in drei Regionen von Bangladesch, die besonders hohe Mangelernährungsraten aufweisen : Barguna und Kurigram. Der fast drei Jahre alte Zaman ist eines der Kinder, um das sich Tdh kümmert. Als Sathia, Zamans Mutter, das kleine Kind in eines der von Tdh unterstützten Gesundheitszentren brachte, befand sich Zaman im Zustand akuter schwerer Mangelernährung – bei einer Körpergrösse von 79 Zentimetern wog der Kleine gerade mal noch fünf Kilogramm. Zaman wurde intensiv betreut und wog nach 36 Tagen immerhin schon 8,1 Kilogramm.
Doch bei medizinischer Hilfe für die Kinder bleibt es nicht, Terre des hommes leistet einiges mehr. Vor allem einmal kümmert sich Tdh um Prävention und Aufklärung. Gerade auch in sehr entlegene Dörfer schwärmen die Tdh-Sozialarbeitenden aus, um einerseits dafür zu sorgen, dass die dortigen Kinder auch wirklich in Kontakt mit dem nächstgelegenen Gesundheitszentrum kommen, und andrerseits, um in der Bevölkerung, vor allem aber unter Schwangeren und Müttern, das Wissen um die Gesunderhaltung und –werdung, um Hygiene, Ernährung und richtiges Stillen zu stärken. Dabei geht es insbesondere auch darum, aufzuzeigen, wie mit lokalen Ressourcen wie Eier, Milch und Fisch nahrhafte Eiweisslieferanten genutzt werden können. “Gerade die Kinder brauchen qualitativ gute Nahrung, und nicht immer kommt genug davon seitens der internationalen humanitären Hilfe”, sagt Michel Roulet, Arzt und Ernährungsspezialist von Terre des hommes. Tdh-Mitarbeitende geben denn auch Kochkurse in den Dörfern (siehe dazu den Artikel Lokale Küche rettet Kinder).
Bei den Dorf – und Hausbesuchen werden die Kinder gewogen und ihr Körperumfang wird gemessen, um Mangelernährung erkennen und Massnahmen einleiten zu können. Sathia, Zamans Mutter, war eigentlich gut informiert darüber, wie zu sich und ihrem Sohn zu schauen wäre. Doch leider ist das Leben nicht immer einfach genug, damit Wissen auch angewendet werden kann. Sathia, geschieden, allein und selber an einer Augenkrankheit leidend, muss, um die kleine Familie durchzubringen, jeden Tag von früh bis spät arbeiten und deshalb ihr Kind beim Grossvater lassen, einem alten Mann, der sich nicht genügend um die Gesundheit von Zaman kümmern kann.
Die 22-jährige Mutter traf daher einen weisen Entscheid, als sie Zaman in eines der Tdh-unterstützten Gesundheitszentren brachte. Und Terre des hommes sorgte sich umfassend um das Kind. Wie Jean-Pierre Papart, Arzt von Terre des hommes und Spezialist für Mutter-und-Kind-Gesundheit, erklärt, “genügt reine Ernährungshilfe nicht, um ein unterernährtes Kind zu behandeln, es braucht neben medizinischer Pflege auch menschliche, mentale Zuwendung – und: auch die Mutter muss behandelt werden”. Zaman erhält denn auch nicht nur Proteine und Vitamine, sondern findet bei Tdh Erwachsene und andere Kinder vor, die mit ihm sprechen, lachen und spielen – und Mutter Sathia erhält Termine bei Sozialarbeitenden, um zu ermitteln, wie ihre spezifische Lage, aber auch ihre allgemeine Lebenssituation verbessert werden können.
