Ricardo, der kleine Kokosnussverkäufer
Ricardo lebt in einem Armenviertel im brasilianischen Fortaleza. Als er acht Jahre alt war, schlug ein Nachbar seiner Mutter vor, Ricardo könne ihm beim Verkauf von Kokosnüssen am Strand helfen und so einen kleinen Lohn verdienen. „Er hat mir Arbeit angeboten, weil er gesehen hat, dass die Situation zu Hause sehr schwierig war. Meine Mutter musste sich alleine um meine drei jüngeren Schwestern kümmern.“Trotz seines jungen Alters wusste der Junge, dass er keine Wahl hatte: Entweder arbeitete er oder seine Familie hatte nichts zu essen. „Ich arbeitete also von Montag bis Samstag von 5 bis 17 Uhr. Ich erinnere mich daran, dass mein Nachbar mir sagte, dass ich keinerlei Rechte habe, da ich noch so klein sei. Ich musste die Schule abbrechen, weil ich keine Zeit mehr hatte“, erzählt Ricardo.
Eines Tages, als Ricardo bei der Arbeit war, fragte ihn ein Streetworker, ob er einen Tag frei bekäme. Mit dem Einverständnis seiner Mutter trat Ricardo dem Programm zur Bekämpfung von Kinderarbeit bei. Neben der Teilnahme an Aktivitäten wie Theater, Tanz, Skateboard und Radio erhielt Ricardo eine Unterstützung, damit er wieder zur Schule gehen konnte. Seine Familie bekam finanzielle Hilfe. Er ist auch einer Rap-Gruppe beigetreten, mit der er probt und am Samstagnachmittag seine Instrumente bastelt.
Heute ist Ricardo 15 Jahre alt und stolz auf das, was aus ihm geworden ist. „Ich habe noch immer Schwierigkeiten, weiss aber, dass mein Leben bei weitem nicht das wäre, was es heute ist, wenn ich weiter gearbeitet hätte.“
- Ricardo, Begünstigter in Brasilien

