01.11.2019 - Nachrichten

30 Jahre Kinderrechte: Eine verhaltene Bilanz

Die UNO-Kinderrechts-Konvention feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Im Vergleich zu 1989 wurde die Sterblichkeitsrate bei Kleinkindern um die Hälfte gesenkt. Doch jedes Jahr sterben mehr als 5 Millionen von ihnen an vermeidbaren Ursachen. Terre des hommes zieht Bilanz über die Rechte des Kindes in einem Bericht, der in Zusammenarbeit mit fünf internationalen Organisationen veröffentlicht wird.

Seit fast 60 Jahren verteidigen die Teams von Terre des hommes die Rechte von Millionen von Kindern und ihren Familien weltweit. Vor 30 Jahren, am 20. November 1989, unterstützten die Vereinten Nationen unsere Arbeit mit einem wichtigen Instrument: dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, das inzwischen von 196 Ländern ratifiziert wurde. Anlässlich des 30. Jubiläums dieser Konvention veröffentlicht Tdh zusammen mit fünf weiteren internationalen Organisationen einen Bericht über die Situation der Kinderrechte auf der Welt.

Beeindruckende Fortschritte

Immer mehr Kinder leben heute unter besseren Bedingungen als vor 30 Jahren. Die Kindersterblichkeitsrate wurde halbiert, was konkret 17’000 geretteten Leben pro Tag entspricht. Und die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, ist von 120 Millionen auf 64 Millionen gesunken. Siege, zu denen auch Tdh beigetragen hat:

"Die Kindersterblichkeit nimmt ab, insbesondere dank neuer Ansätze, die wir mitentwickelt haben. Wir nutzen künstliche Intelligenz und neue Technologien im medizinischen Bereich, um Leben zu retten. Wir gewinnen die Unterstützung von Regierungen und Gemeinschaften, um die Rechte von Kindern langfristig zu verteidigen. All dies ermutigt und motiviert uns", erklärt Claudio Rini, Leiter der Operationen bei Tdh.

Die Herausforderungen bleiben enorm

Trotz dieser positiven Erfolge werden immer noch die Rechte von Millionen von Kindern und Jugendlichen verletzt. Jedes Jahr sterben mehr als 5 Millionen Kinder an vermeidbaren Ursachen. 815 Millionen Menschen sind hungrig, und chronische Unterernährung behindert die körperliche und geistige Entwicklung von 150 Millionen kleinen Kindern. Unzählige Kinder und Jugendliche in reichen und ärmeren Ländern sind mit Armut und Ausbeutung konfrontiert.

Der Bericht "Child rights now! "unterstreicht den Weg, der vor uns liegt, um die Bedürftigsten besser vor Gewalt zu schützen, insbesondere in Konfliktgebieten. Weil die Beobachtung auffallend ist: Humanitäre Krisen verschärfen die Verletzungen der Konvention.

Probleme der Belästigung, Ausbeutung oder des Menschenhandels sind heute eines unserer Hauptanliegen. Schwierigkeiten beim Zugang zur Pflege, Zwangsmigration und die Prekarität der Eltern verstärken Phänomene wie frühe Heirat und Ausbeutung. Die Kinderarbeit in den von bewaffneten Konflikten betroffenen Ländern ist 77% höher als in anderen Ländern.

Regierungen, übernimmt eure Verantwortung!

Dreissig Jahre nach seiner Annahme hat die Konvention nichts von ihrer Dringlichkeit noch von ihrer Relevanz verloren. Es ist an der Zeit, dass die Weltgemeinschaft ihre Versprechen hält. Heute fordern wir die Regierungen dazu auf:

  • wirksame Gesetze, Richtlinien, Haushalte und Programme umzusetzen, die alle Kinder einbeziehen;
  • die Rechte aller ausgegrenzten Kinder zu fördern und die Gleichstellung der Geschlechter zu verteidigen;
  • die Teilnahme von Kindern zu unterstützen und ihr Recht auf freie Meinungsäusserung und Meinungsfreiheit zu verteidigen. Geben Sie Kindern eine echte Stimme, hören Sie ihnen zu und berücksichtigen Sie ihre Ansichten.

 

Damit jedes Kind auf der Welt Zugang zu seinen Grundrechten hat.

 

Der Bericht « Child rights now ! 30 years of child rights, and the unfinished agenda » wurde von einer Allianz der sechs führenden internationalen Organisationen, die sich für Kinder einsetzen, publiziert: Terre des Hommes, ChildFund International, Plan International, Save the Children, SOS Children’s Village und World Vision.

 

 

 

Bildnachweis: ©Tdh/Sebastian Delgado