15.03.2019 - Nachrichten

Syrienkrise: Für Flüchtlingsfamilien ist die Zeit der Rückkehr noch nicht gekommen

Mehr als 2,6 Millionen syrische Kinder und Jugendliche leben weiterhin als Flüchtlinge in Grenzländern Syriens. Selbst wenn der Krieg nach acht Jahren dem Ende zugehen mag, herrscht im Alltag nicht ab sofort Normalität. Die Aussicht auf eine Rückkehr kann zwar als Möglichkeit in Betracht gezogen werden, die Bedingungen für eine freiwillige Rückkehr in Sicherheit und Würde sind jedoch noch nicht gegeben. Bis geeignete Schutzmassnahmen eingeführt worden sind, raten Terre des hommes (Tdh) und andere internationale NGOs davon ab, Aktivitäten zu finanzieren, die eine Rückkehr von Flüchtlingen organisieren.

2018 konnten mit dem Ende der grossflächigen Kämpfe in vielen Teilen Syriens über eine Million Binnenflüchtlinge in ihre Herkunftsgebiete zurückkehren. Das UNHCR registrierte im selben Jahr rund 42’700 spontane RückkehrerInnen aus Nachbarländern. Für 2019 hat die UN-Flüchtlingsagentur bereits die Heimkehr von 250’000 Personen prognostiziert.

Dem Tdh-Personal zufolge, das sich in Libanon und Jordanien um syrische Flüchtlinge kümmert, schätzen viele Familien, obwohl sie in die Heimat zurück möchten, die Risiken derzeit als zu hoch ein. Die Sicherheitslage innerhalb Syriens ist immer noch instabil. Zu den wichtigsten Aspekten, die ihren Entscheid zur Rückkehr beeinflussen, gehören physische Risiken, die Verfügbarkeit der Grundversorgung wie der Zugang zu Bildung, Gesundheitsleistungen und Erwerbsmöglichkeiten, die Einberufung in die Armee und die Angst vor Bestrafung, weil sie geflohen sind oder sich geweigert haben, an der Seite des Regimes zu kämpfen. Rechtliche Hindernisse und Schwierigkeiten, Eigentumsansprüche geltend zu machen oder Zivilstandsdokumente zu erhalten, wurden ebenfalls als Hauptgründe genannt.

Weiterhin enorme Schwierigkeiten

Einige Familien haben in Libanon und Jordanien auch Erwerbsmöglichkeiten gefunden. «Sie arbeiten hier und verdienen Geld. Für sie besteht keine Notwendigkeit, nach Syrien zurückzukehren», meint ein Mitglied des Tdh-Teams. Dennoch stellen sich syrischen Flüchtlingen in Nachbarländern immer noch enorme Schwierigkeiten und die Situation verschlechtert sich zusehends: 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge, die in Jordanien ausserhalb von Lagern leben, befinden sich unter der Armutsgrenze. In Ägypten können 85 Prozent nicht für ihre Grundbedürfnisse aufkommen. Gefährdungen des Kindeswohls wie Frühehen, geschlechtsspezifische Gewalt und Kinderarbeit einschliesslich der schlimmsten Formen nehmen zu. In der gesamten Region geht mehr als jedes dritte Kind im Alter von 5 bis 17 Jahren nicht zur Schule. Die Armut unter Flüchtlingen hat schlimme Auswirkungen für Kinder und Jugendliche und gefährdet deren Zukunft.

In Jordanien, Libanon und Ägypten setzten sich Tdh und Partnerorganisationen das ganze Jahr 2018 für den Schutz von über 130’000 äusserst verletzlichen Kindern, Jugendlichen und ihren Angehörigen ein, die unter der Syrienkrise litten. In diesen drei Ländern unterstützte Tdh in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Kinder in den Bereichen der informellen Bildung, der psychischen Gesundheit und der psychosozialen Hilfe.

 

Bildnachweis: © Tdh