Tsunami in Indonesien
Tausende von Familien sind betroffen Mehr lesen
15.06.2018 - Nachrichten

Ägypten: Flüchtlingskindern durch Fussball Perspektiven geben

Fussball ist mehr als die Weltmeisterschaft: Dieser Sport ist ein gutes Mittel, um Integration zu fördern. In Ägypten, wo mehrere Millionen Flüchtlinge und Migranten leben, unterstützt Terre des hommes (Tdh) Kinder mit Fussballaktivitäten, um ihnen wieder auf die Beine zu helfen.

Frauenstimmen hallen aus einem der sieben Tdh-Familienzentren in Kairo. Mütter singen ein syrisches Lied und klatschen dazu in die Hände. Positive Energie verbreitet sich: Es ist ein Stück Heimat, das sie nach Ägypten mitgenommen haben. Doha, die hier seit fünf Jahren mit ihrer Familie lebt, macht syrische Tanzbewegungen dazu. Die Realität war nicht immer so unbeschwert: „Wir waren ein Jahr lang auf der Flucht und hatten viel gelitten“, erzählt sie. „Als wir in Ägypten ankamen, waren die Kinder verstört.“

„Fussball hilft den Kindern und Jugendlichen wieder auf die Beine“

Mit Fussball helfen wir Kindern, eine Brücke zu ihrer persönlichen Situation zu bilden: „Wenn sie verlieren, fühlen sich Flüchtlingskinder, als könnten sie sich nicht wieder aufrichten, da sie im Krieg schon alles verloren haben. Durch Fussball zeigen wir ihnen, wie sie wieder auf die Beine kommen und etwas erreichen können, auch im richtigen Leben”, erklärt Pasant Aly Mokhtar, Teamleiterin der Animatoren.

Lebenskompetenzen vermitteln

Draussen spielen die Kinder mit Fussbällen: trippeln, rennen in der Gruppe rückwärts und schiessen Goals. Doch es geht um viel mehr als das. Khozayma Mohamed Mando, einer unserer Fussballcoachs erklärt: “Ich möchte nicht, dass die Kinder einfach nur spielen. Ich möchte, dass sie sich jeden Tag verbessern, ihre Lebenskompetenzen erweitern und sich sozial integrieren.“

Viele Kinder kommen aus sozial benachteiligten Verhältnissen und geben ihrer Frustration manchmal mit aggressivem Verhalten Ausdruck. „Wir haben zusammen mit den Kindern einen Verhaltenskodex erstellt und an die Wand gehängt. Einige Wochen später habe ich das Blatt entfernt. Sie respektieren die Regeln nun automatisch“, meint Khozayma lächelnd, der den Glauben an die Kinder nie verliert.

Integration fördern

In Ägypten stellen rassistische Diskriminierung und Belästigung von sudanesischen Flüchtlingen ein Problem für ihre Integration dar. Die Sudanesin Noor sitzt im Schatten eines Baumes, um ihren Sohn Mohammed spielen zu sehen. Vor fünf Jahren ist die Mutter alleine mit ihren zwei Kindern in Kairo angekommen. Sie fürchtet sich, mit Unbekannten zu sein. Um Kindern in diesen Situationen zu helfen werden die Teams als Hausaufgabe zusammengestellt, es dürfen aber keine nationalen Teams sein. Dies fördert ihre Integration: Mohammed konnte sich so mit den anderen Kindern austauschen und fühlt sich nun wohler. „Ich kann die Veränderung in seinem Verhalten sehen, seit er an den Aktivitäten teilnimmt“, lächelt seine Mutter.

Selbstsicherheit aufbauen

Einige Kinder leiden noch immer unter dem Gewicht des Krieges oder eines Verlustes in der Familie. Manche können sich nicht mehr an Zuhause erinnern, haben jedoch trotzdem Schwierigkeiten, Fuss in der neuen Kultur zu fassen. Wenn sie das erste Mal an den Aktivitäten teilnehmen sind sie scheu. Der Animator hat während des Spiels die Aufgabe, den Kindern Selbstvertrauen zu vermitteln: „Es geht nicht um den Besten. Ich gebe den Kindern mit wenig Kompetenzen Aufmerksamkeit und Unterstützung. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und verbessert ihre Haltung. Denn die Mentalität ist: ‚Du kannst das!‘

Dies ist ein Ausschnitt aus unserer Magazin-Reportage.

 

Bildernachweis: ©Tdh/Jean-Luc Marchina

„Ja, ihr könnt!“

Sara Aly Elzanaty, Tdh Fussballcoach für Mädchen

Zum vollständigen Erfahrungsbericht