15.05.2019 - Nachrichten

Afghanistan: Klimavertriebenen helfen

Neben dem nicht enden wollenden Konflikt erlebte Afghanistan 2018 auch noch eine Dürre, die die Bevölkerung in die Flucht trieb. Wie wirkt sich diese doppelte Krise auf Kinder und Familien aus?

Im Jahr 2018 herrschte eine Dürre in zwei Dritteln des afghanischen Staatsgebiets. Sie zwang mehr als 260’000 Kinder und ihre Angehörigen, zu migrieren, um sich anderswo eine Lebensgrundlage zu sichern. Sie sind zu der Million Binnenflüchtlinge hinzugekommen, die vor dem Konflikt geflohen sind, sowie zu den Flüchtlingen, die aus Pakistan und dem Iran nach Afghanistan zurückkehren mussten.

Die kultivierbaren Flächen, die durch Regen bewässert werden, sind vergangenes Jahr im ganzen Land um die Hälfte zurückgegangen. Ein Grossteil der Ernte wurde zerstört. Auch Viehherden waren betroffen, da die Tiere verdursteten. «In einigen wüstenähnlichen Provinzen ohne Grundwasser und Flüsse, wo Niederschläge die einzige Wasserquelle sind, hat diese Knappheit dramatische Folgen», erklärt Mohammad Daud, Projektleiter bei Terre des hommes (Tdh) in Afghanistan. Laut dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UNOCHA) benötigen vier Millionen AfghanInnen Unterstützung und 13,5 Millionen droht Ernährungsunsicherheit.

Vertriebenen Kindern helfen

Angesichts dieser Situation leisten Tdh und ihre Partner im Westen des Landes humanitäre Hilfe. Gemeinsam liefern wir Nahrungsmittel, stellen sanitäre Unterstützung, Notunterkünfte für Familien und Schutzleistungen für Kinder und Frauen bereit.

Die durch die Dürre verursachten Bevölkerungsbewegungen haben schwerwiegende soziale Folgen. Aus ihren Gemeinschaften herausgerissene Familien sind gezwungen, in informellen Lagern am Rand von Grossstädten zu leben.

Ohne Existenzgrundlage mussten einige vertriebene Familien ihre Kinder frühzeitig verheiraten, um die Haushaltskosten zu senken. In einer stark betroffenen Provinz liegt die Kinderheiratsquote 13 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Auch eine Zunahme der Kinderarbeit wurde beobachtet. Ende 2018 räumte die Regierung in Kabul ein, dass etwa ein Dutzend Kinder von ihren Familien verkauft worden waren, weil diese sich in extremer Armut befanden.

Um Vertriebene zu unterstützen, die vor der Dürre oder den bewaffneten Konflikten geflohen sind, bietet Tdh 23’000 Frauen und Kindern psychologische und soziale Unterstützung, aber auch zertifizierte Berufsausbildungen und Alphabetisierungskurse. «Wir haben auch geschützte Räume eingerichtet», ergänzt Mohammad Daud. «Einheiten mobiler Hebammen erlauben zudem, die medizinische Versorgung der an den stärksten ausgegrenzten Frauen und Kinder sicherzustellen.»