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14.05.2018 - Nachrichten

Albanien: Die Belastung zurückgekehrter Migrantenfamilien erleichtern

In Albanien führt die sozioökonomische Situation dazu, dass die Bevölkerung abwandert. In den vergangenen Jahren nahm aber auch die Zahl der Rückkehrer bedeutend zu. Dies hängt damit zusammen, dass Zehntausende von Albanern in EU-Ländern kein Asyl erhalten. Da viele zurückgekehrte Kinder und ihre Familien vor grossen Herausforderungen stehen, wenn sie in der Heimat wieder Fuss fassen wollen, hilft ihnen Terre des hommes (Tdh) bei der Wiedereingliederung.

In Lezha, einer Kleinstadt in der gleichnamigen Region im Norden Albaniens, gibt es einen kleinen Secondhandmarkt. Alma und ihr Mann Agim, die zur Minderheit der Balkan-Ägypter gehören, grüssen ihre Kunden freundlich. An diesem sonnigen, aber kühlen Tag verkaufen sie an ihrem Stand Socken und Hüte. Hinter ihrem Lächeln verbergen sich die Erfahrungen einer harten Reise, als sie versuchten, in Westeuropa ein neues Leben zu beginnen, aber nach Albanien zurückkommen mussten.

Die Familie startete dieses Kleingewerbe mit der Unterstützung von Tdh. Die Organisation bietet heimgekehrten Migranten bis zu 500 Euro Starthilfe. 2017 profitierten 80 Familien in Albanien von solchen Zuschüssen, weitere werden dieses Jahr hinzukommen. Diese Art von Unterstützung gibt heimgekehrten Migranten die Möglichkeit, ihr Leben wiederaufzubauen, ohne mit leeren Händen dazustehen. Neben der Verbesserung der Lebensbedingungen trägt dies auch zu ihrem Selbstvertrauen und zu ihrer sozialen Wiedereingliederung bei. „Diese Tätigkeit bringt uns etwas Geld für Essen und das Schulmaterial unserer Töchter. Wir können auch etwas beiseitelegen, vielleicht werden wir eines Tages in der Lage sein, ein eigenes Haus zu haben“, meint Agim.

Albania, helping returned migrants rebuild thier life, Tdh

Der Familie gefällt es in der Heimat seit ihrer Rückkehr vor zwei Jahren. An ihre Migrationserfahrung erinnern sie sich mit Schrecken: In Deutschland lebten sie in einem Lager unter sehr schlechten Bedingungen. Die beiden Töchter konnten nicht zur Schule gehen, während sie auf den Asylentscheid warteten. Als ihr Antrag abgelehnt wurde, erlitt Alma einen Herzinfarkt. Sie fürchteten sich vor dem Kanun, einem alten Gewohnheitsrecht der Albaner, das auch die Blutrache vorsieht. Sie zögerten deshalb zunächst heimzukehren und entschieden, in die Niederlande zu gehen. Obwohl man sie dort gut behandelte und die Kinder die Schule besuchen durften, konnte ihnen das Land kein Asyl gewähren. Sie wurden nach Deutschland zurückgeführt, wo Agim drei Wochen lang in Haft war. „Eine sehr traumatisierende Erfahrung für meine Töchter, die sahen, wie ich in Handschellen wie ein Verbrecher behandelt wurde“, berichtet Agim.

Nach ihrer Rückkehr in Albanien erhielten die beiden Töchter von Tdh psychosoziale Unterstützung und Eingliederungshilfe. 2017 profitierten in unseren vier albanischen Gemeinschaftszentren 2700 Kinder und 375 Eltern von Aktivitäten, die ihre Fähigkeiten entwickelten, eine reibungslose Wiedereingliederung sicherstellten und einer unsicheren Migration vorbeugten. „Es ist ein Ort, an dem sich heimgekehrte Familien und solche, die eine Migration planen, über ihre Erfahrungen und Bedenken austauschen können“, erklärt Lindita Marku, die Verantwortliche eines der Zentren. Heute blicken Alma und Agim lieber in die Zukunft und hoffen, dass ihre Teenager-Töchter in der Heimat gute Jobs finden werden.

Ihre Geschichte ist kein Einzelfall in Albanien. Obwohl unvorbereitete Migrationen Risiken bergen und Verletzungen der Kinderrechte mit sich bringen können, werden sie wohl nicht aufhören, solange im Heimatland keine ausreichenden Möglichkeiten bestehen. Der Zuwachs von albanischen Asylsuchenden in den letzten Jahren fiel mit der Flüchtlingskrise in der EU zusammen. Die überwiegende Mehrheit der Gesuche von Albanern wird abgelehnt, da diese als Wirtschaftsflüchtlinge eingestuft werden. Vincent Tournecuillert, Leiter des Migrationsprogramms von Tdh in Europa, erklärt: „Wir fechten nicht die Legitimität von EU-Mitgliedstaaten an, Migranten, deren Asylgesuch abgelehnt wurde, in die Heimat zurückzuführen. Was wir verlangen, ist eine Reihe geeigneter Leistungen, um würdige Rückkehrbedingungen sicherzustellen. Die besonderen Rechte von Kindern müssen berücksichtigt werden, um eine sichere, angemessene Heimkehr zu gewährleisten.“

Tdh ist entschlossen, diese Arbeit fortzusetzen, um Rückkehrern den Neuanfang zu erleichtern. Dennoch müssen mehr lokale und internationale Ressourcen mobilisiert werden, um einen adäquaten Schutz für Kinder sicherzustellen, die von der Migration betroffen sind.

 

Bildernachweis : © Tdh - Kinder im Aussenbereich eines unserer Gemeinschaftszentren bei einem Spiel, durch das sie zusammenarbeiten lernen.