13.02.2013 - Nachrichten

Bangladesch: Den Teufelskreis der Mangelernährung durchbrechen

Naturkatastrophen und Armut

Neben den schwierigen klimatischen Bedingungen und der in der Region herrschenden Armut trugen zwei weitere Faktoren dazu bei, dass Tdh im Bezirk Barguna aktiv wurde. Erstens war es die Tatsache, dass Familien in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dazu neigen, bei der Ernährung zu sparen, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Dies führt namentlich zu frühzeitigem Abstillen, was das Kind in den Teufelskreis der Mangelernährung bringt. Ein zweiter wichtiger Faktor, um das Ausmass des Phänomens zu erfassen, ist das Fehlen spezialisierter Gesundheitsdienste. In der Region gibt es keine eigentlichen «Geburtskliniken» und das Spitalpersonal ist oft schlecht ausgebildet. Zudem sind die Räumlichkeiten und auch die Grundausstattung (Blutreserven, Medikamente) unangemessen. Diese bedeutenden Mängel führen zu sehr schwierigen Situationen, die den Tod von Mutter oder Kind verursachen können.

Vorbeugen ist besser als heilen

Das im April 2012 begonnene und bis Dezember 2014 geplante Projekt wird von der Glückskette mitfinanziert und vor Ort in Zusammenarbeit mit der lokalen NGO Multi-task umgesetzt. Das Projekt umfasst drei komplementäre Aktionsbereiche.

Als Erstes ist da die Prävention, die nicht nur die Frauen, sondern die Familien als Ganzes erreichen soll. Tdh möchte, dass Mitglieder der Gemeinschaft, die besonders sensibilisiert werden, ihre in der Mutterschaft gemachten Erfahrungen teilen. Um die Mangelernährung an der Wurzel zu bekämpfen, empfiehlt Tdh, die Familien über die Risiken des frühzeitigen Abstillens aufzuklären. Denn es gibt keine bessere Waffe, um die Gesundheit eines Kindes sicherzustellen, als das ausschliessliche Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten.

Der zweite Aktionsbereich betrifft ein Programm in Zusammenarbeit mit Greendots für den Bau von hochwassersicheren Gemüsegärten, Brunnen und Latrinen. Die bedürftigsten Familien erhalten damit erleichterten Zugang zu nahrhaftem Gemüse, zu Trinkwasser und besser geeigneten Latrinen. In diesem zweiten Bereich liegt der Schwerpunkt auf der Bereitstellung von alternativen Nahrungsressourcen im Falle von Naturkatastrophen, aber auch auf den günstigen Auswirkungen der Hygiene auf die Vorbeugung gegen vielerlei Krankheiten, namentlich um die Anstrengungen der Mütter in ihrem Kampf gegen die Mangelernährung zu unterstützen.

Ein letzter Schwerpunktbereich von Tdh zur Durchbrechung dieses Teufelskreises betrifft die Verbesserung der Gesundheitssysteme in der Region, insbesondere von Geburtskliniken. Sogenannte gemeinschaftliche Kliniken, die sich an entlegenen Orten ohne öffentliche Gesundheitseinrichtungen befinden, operieren ein- bis zweimal pro Woche, manchmal sogar direkt beim Patienten zu Hause. Sie werden von örtlichen Ärzten geführt, die Diagnosen stellen, Behandlungen durchführen und schwerere Fälle an die Hauptspitäler der Region überweisen. Wenn nötig wird eine Transporthilfe organisiert, Tdh stellt die Betreuung während der gesamten Behandlung und auch weit darüber hinaus sicher.

Die Bekämpfung von Mangelernährung erfordert neben Beharrlichkeit den Aufbau miteinander verflochtener Aktionen wie die Vorbeugung gegen das Abstillen, die Entwicklung von Hygienemassnahmen und alternativer Nahrungsressourcen sowie die Einrichtung von Kliniken, um die Betreuung von Mutter und Kind zu gewährleisten. Dieser dreifache Ansatz beruht auf den Erfahrungen von Tdh in den Bereichen Gesundheit und Ernährung und beweist, dass einfache Massnahmen äusserst wirksam sein können.

Das kollektive Bewusstsein fördern

Während das Lobbying bei den Lokal- und Regierungsbehörden fortgeführt wird, übergibt Tdh zur Stärkung der Prävention und der individuellen Kenntnisse das Zepter an die Bevölkerung, aber auch an lokale Ärzte, damit diese die aufgebauten Kliniken selbst führen. Bei Projektabschluss hofft Tdh, 1000 Frauen und mehr als 3000 Kindern geholfen zu haben. Doch ganz abgesehen von diesen Zahlen möchte Tdh konkrete Antworten zur Bekämpfung der Mangelernährung entwickeln und das kollektive Bewusstsein fördern, damit die Berechtigung von Praktiken wie Familienplanung, Geburtenregistrierung und eine für Mütter und Kinder geeignete Ernährung allgemeine Anerkennung findet.

Jedes Jahr verbessert Terre des hommes die Lebensbedingungen im Alltag für mehr als zwei Millionen Kinder und ihre Angehörigen. “Erfahren Sie mehr über unsere Projekte in Bangladesch”:“Bangladesch”:http://www.tdh.ch/de/countries/bangladesch.

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