31.10.2017 - Nachrichten

Für die Flüchtlinge im Balkan ist die Krise nicht vorbei

Südosteuropa nimmt weiterhin Flüchtlinge auf, wobei Serbien ihnen als Haupttransitland zur EU dient. Unter grossen Anstrengungen und Risiken versuchen viele eine Weiterreise, werden aber an den Grenzen heftig zurückgestossen. Sie sind verzweifelt und schutzlos, blockiert in einem Land, wo die entsprechenden Sozialdienste fehlen. Seit einem Jahr hat Terre des hommes (Tdh) in Zusammenarbeit mit dem Novi Sad Humanitarian Center (NSHC) mit einen Raum für Mütter und Kinder (MBC) in Belgrad geholfen, diese Lücke zu füllen.

Mehr als 2900 Kinder und 1600 Betreuungspersonen haben von diesem geschützten Ort und seinen Dienstleistungen profitiert: von der psychologischen Unterstützung und Beratung, sowie von Freizeitaktivitäten und sanitären Anlagen. Der Raum für Mütter und Kinder war oft der erste Halt für Flüchtlingsfamilien, welche gerade in Belgrad angekommen sind, nachdem sie tage- und nächtelang zu Fuss unterwegs waren. Es ist ein Zufluchtsort geworden für diejenigen, welche die Auffanglager verlassen haben, um zu den EU Grenzen zu gelangen und von dort zurückgewiesen wurden. Unser Team ist zahlreichen völlig erschöpften Kindern und Eltern begegnet, die nach vielen Tagen im Freien hier ihr erstes Essen und frische Kleider erhalten haben.

Vor Gefahren flüchtend

Unter ihnen war auch Safia*, ein 3 Jahre altes Mädchen aus Afghanistan und ihre Mutter, die vor vier Monaten angekommen waren. Sie sind vor den Gefahren ihres Heimatlandes geflüchtet, wo Safia einen Bombenanschlag auf ihren Kindergarten überlebt hat. Safia war völlig verängstigt danach. Ihre psychologische Verfassung wurde schlimmer nach dem traumatisierenden Versuch, die serbisch-ungarische Grenze zu überqueren. Da sie dringend Hilfe brauchten, hat Safias Mutter beim Raum für Mütter und Kinder Unterstützung gesucht.

“Als sie das erste Mal hier eintrafen, waren sie verzweifelt. Safia hat geschrien und in die Arme ihrer Mutter gekickt, so dass sie sich selbst verletzte. Der Arzt stellte fest, dass sie körperlich gesund ist, jedoch psychosoziale Hilfe benötigt. Wir haben die Mutter beraten und ihr empfohlen, dass sie den Raum für Mütter und Kinder regelmässig besucht,” erzählt Mina Cavic, eine Sozialarbeiterin beim MBC. In den folgenden Wochen haben Safia und ihre Mutter die freundliche Umgebung genossen und wurden von Sozialarbeitern und Psychologen des MBCs betreut.

Wie Safia ihre Ruhe wieder fand

Schritt für Schritt hat das junge Mädchen bei verschiedenen Freizeitaktivitäten mitgemacht und die Möglichkeit benutzt, mit anderen Kindern zu spielen. Safia hat ihre Ruhe wieder gefunden: ihre Angstattacken haben aufgehört. Sie hat wieder angefangen normal zu essen und zu schlafen und spielt wieder. “Ich war so glücklich zu sehen, dass meine Tochter wieder lachen kann,” sagte uns Safias Mutter. Die Familie hat jetzt eine Unterkunft in einem kleinen Auffangzentrum in Südserbien gefunden. Sie haben sich dort für eine Weile eingerichtet, um eine stabile Umgebung für Safia zu gewährleisten und zusätzliche Betreuung zu erhalten.

Die sogenannte Sperrung der Balkan Migrationsroute hat es in vieler Hinsicht schwieriger gemacht, Flüchtlingskinder zu schützen. Wenn der Winter eintritt und noch mehr Flüchtlinge in Serbien ankommen, wird der Raum für Mütter und Kinder als einzige Einrichtung dieser Art, die sich speziell um Babys, Kleinkinder, Mütter und schwangere Frauen kümmert, eine wichtige Dienstleistung für die am stärksten Gefährdeten in Belgrad sein.

Um mehr über dieses Thema zu erfahren, sehen Sie sich unser Video von Mazedonien an, einem Land das auch einen grossen Zustrom an Flüchtlingen erlebt hat:

Mazedonien: Flüchtlingskinder auf ihrem Weg schützen

*Um das Privatleben des Kindes zu schützen, wurde das Bild und der Name geändert.

Bildnachweis: ©Tdh