27.03.2017 - Nachrichten

Gaza: Elf Kinder erhalten eine Alternative zum Freiheitsentzug

Monatelanges Lobbying und Plädoyer führten dazu, dass Terre des hommes (Tdh) die Freilassung von elf Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren erwirken konnte, die wegen geringfügiger Delikte inhaftiert waren. Zum ersten Mal wurde vom Justizsystem und letztlich von einem Richter ein offizielles Dokument unterzeichnet, demzufolge Kinder anstelle von Freiheitsentzug eine Berufsausbildung absolvieren können.

„Das Verfahren und die Freilassung der Kinder waren kompliziert, denn diese Massnahme ohne Freiheitsentzug ist eine Neuheit für Gaza“, meint Marta Gil, Jugendstrafrecht-Koordinatorin bei Tdh Palästina. „Mit dem Engagement von Terre des hommes und des Sozialministeriums gelang es uns, alle bürokratischen Hürden zu überwinden. Heute kann ich sagen, dass es in Gaza einen Mechanismus für die Umsetzung alternativer Massnahmen gibt.“

Es erforderte viel Arbeit mit den Sozial- und Justizbehörden, damit Kinder Zugang zu einer betreuten Berufsausbildung erhalten. „Es war ein sehr komplexer Prozess, da Kinder zum ersten Mal in Gaza offiziell von einem Gericht aus der Haft entlassen wurden und eine Alternative zum Freiheitsentzug erhielten“, berichtet ein Tdh-Mitarbeiter in Gaza. Gemeinsam mit dem Sozialministerium bildeten wir ein Komitee, um die Dossiers aller im Al-Rabee Zentrum festgehaltener Kinder zu überprüfen. Eine Gruppe zum Voraus bestimmter Kinder wurde interviewt und elf von ihnen wurden – auf der Basis spezifischer Kriterien – für eine Berufsausbildung ausgewählt.

Khaled*, 16, ist einer der elf Jungen, die anstelle einer Haftstrafe eine Berufsausbildung beginnen konnten. „Ich war fünf Monate im Gefängnis. Ich weiss, dass ich etwas Unrechtes getan habe, denn ich hätte nichts stehlen dürfen. Es war aber sehr lang und hart, dort zu sein“, erzählte er Lubna, der Psychologin von Tdh. „Ich möchte arbeiten und Fahrzeuglackierer werden. Mit der Berufsausbildung bereite ich mich darauf vor.“

Khaled, der von der Polizei wegen des Diebstahls zweier leerer Wasserkanister verhaftet wurde, konnte anstelle einer Haftstrafe eine Berufsausbildung beginnen. Eine Premiere in Gaza.

Khaled, Begünstigter von Tdh in Gaza

Zum vollständigen Erfahrungsbericht

Lubna, die mit diesen Kindern arbeitet, bietet auch Familientherapien an. „Die Arbeit mit den Familien ist sehr wichtig. Diese Kinder haben geringfügige Delikte begangen, wurden aber zusammen mit Schwerverbrechern untergebracht. Die Verarbeitung des in der Haftanstalt Erlebten erfordert Zeit. Ich helfe ihnen, es zu verstehen, es zu bewältigen und sich wiedereinzugliedern“, erzählt sie.

Mit der finanziellen Unterstützung von UNDP und UNICEF versucht unser Jugendstrafrecht-Programm in Palästina, die Zahl der Kinder, die in Polizeigewahrsam und/oder geschlossene Rehabilitationszentren kommen, zu verringern und Kindern und Jugendlichen Alternativen zum Freiheitsentzug zu bieten.

Ein zentrales Element dieser Erfolgsgeschichte ist die Einbeziehung des Palestinian Centre for Democracy and Conflict Resolution (PCDCR), des Hohen Justizrats, der zuständigen Gerichte, von Staatsanwälten, Rechtsanwälten, Kinderschutzberatern und Bewährungshelfern, der Sozialarbeiter- und Psychologenteams, aber auch der Familien der Kinder.

*Vorname geändert

Bildnachweis: ©Tdh

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