15.05.2014 - Nachrichten

Interview mit Sandra Boner

Sandra Boner, von der Wettersendung des Schweizer Fernsehens zum grössten Schweizer Kinderhilfswerk – wie kam es dazu?

Bereits als Solothurner Pfadi-Mädchen habe ich vor 30 Jahren für ein Terre des hommes (Tdh) Projekt in Burkina Faso Spenden gesammelt. Später unterstützte ich während drei Jahren die Freiwilligengruppe in Zürich, bis ich mich später auf Anfrage von Tdh dazu entschied, mich als Botschafterin in der Deutschschweiz für das Kinderhilfswerk zu engagieren. Als Mutter von zwei gesunden Kindern ist es mir ein Anliegen, dass möglichst viele Kinder dieser Welt eine sorgenfreie Zukunft haben.

Mit der Reise nach Marokko besuchten Sie im März dieses Jahres für das erste Mal ein Projekt von Terre des hommes vor Ort. Was hat Sie dort erwartet?

Wir besuchten in Marokko ein Projekt, mit dem Terre des hommes (Tdh) seit Mitte der 60er Jahre für schwer erkrankte – meist herzkranke – Kinder Spezialbehandlungen anbietet, um sie wenn möglich in Marokko, andernfalls in Europa, behandeln zu können. Bereits beim Hinflug nach Casablanca erlebten wir das Projekt hautnah mit: Yousra, ein fünfjähriges Mädchen, das dank Tdh in der Schweiz am Herzen operiert wurde, kehrte mit uns nach drei Monaten wieder zu ihrer Familie zurück. Das Lachen des kleinen Mädchens und der Moment, als sie ihre Familie wieder in die Arme schliessen konnte, waren sehr bewegend. Besonders beeindruckt hat mich Amina Smimine, die stellvertretende Leiterin von Tdh Marokko. Bei der ehemaligen Krankenschwester, die seit 30 Jahren für das Kinderhilfswerk arbeitet, scheint der Einsatzwille und die Ausdauer schlicht unendlich. Amina nimmt sich jedem noch so schwierigen Schicksal an, hört den Eltern geduldig zu und versucht eine Lösung zu finden – dieses hohe Engagement hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Dank den medizinischen Spezialbehandlungen von Terre des hommes können schwer kranke Kinder, denen in ihrer Heimat nicht geholfen werden kann, in Europa behandelt werden. Für die Kinder eine lebensrettende Massnahme, doch auch eine Reise in ein unbekanntes Land, in dem sie mehrere Monate ohne Familie verbringen. Welche Gefühle löst das bei Ihnen als Mutter aus?

Natürlich ist die Vorstellung, sein Kind ganz alleine in ein fremdes Land zu schicken, für mich als Mutter schmerzhaft und ehrlich gesagt, ich weiss nicht, ob ich es könnte. Es ist eine sehr schwierige Entscheidung, bei der man sich auch über Gefahren und Risiken im Klaren sein muss. Aber für viele Familien in diesen Ländern stellt dies oftmals die letzte, wenn nicht einzige Chance dar, um ihrem Kind das Leben zu retten. Auch Terre des hommes muss eine Entscheidung treffen, denn die Mittel reichen schlichtweg nicht aus, um jedem bedürftigen Kind einen Transfer nach Europa zu ermöglichen. Amina Smimine und ihr Team berücksichtigen dabei nicht nur die medizinischen, sondern auch die sozialen Umstände. Es ist sehr wichtig, dass das Kind nach dem Eingriff in ein intaktes, stabiles Umfeld zurückkehren kann, wo die Nachbetreuung sichergestellt ist und die Wiedereingliederung, wie zum Beispiel die Rückkehr in die Schule, gelingt.

Was haben Sie für sich persönlich von der Reise mitgenommen?

Die Reise hat mir gezeigt, wie glücklich ich mich schätzen darf, dass ich und auch meine Kinder hier in der Schweiz aufwachsen und leben können. Ich habe aber auch gesehen, welch unglaubliches Engagement hinter Terre des hommes steckt und wie viel Einsatz es für ein solches Projekt braucht. Ich habe eine seriöse Organisation kennengelernt, die das Geld effizient dort einsetzt, wo es benötigt wird. Der Besuch hat mich darin bestärkt, mich weiterhin für notleidende Kinder dieser Welt einzusetzen und ich bin stolz, mit meinem Engagement bei Terre des hommes einen kleinen Beitrag leisten zu können.