17.07.2018 - Nachrichten

Irak: Bildung als erster Schritt in die Zukunft

Nachdem Hunderttausende Familien drei Jahre lang vor der Gewalt des Krieges gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) fliehen mussten, erklärte der Irak Ende 2017 diesen nach der Befreiung der letzten besetzten Gebiete für beendet. Doch wie ergeht es den Kindern und ihrer Ausbildung in der Nachkriegszeit?

Obwohl für über 3,6 Millionen Menschen, die an ihre Herkunftsorte im Irak zurückgekehrt sind, ein neues Kapitel begonnen hat, sind Familien mit Zerstörung und Verwüstung konfrontiert. «Kulturell gesehen ist für das irakische Volk das Zuhause nicht nur ein Haus mit vier Wänden. Es ist ein Ort voller Erinnerungen», erklärt Intisar Rashid, eine unserer Liaison Officers im Irak. Für Kinder, die aus ihrem Erinnerungsort herausgerissen wurden und drei traumatische Jahre erlebt haben, bleibt die Situation schwierig.

Gebiete wie Al Anbar und Tal Afar waren drei ganze Jahre lang vom IS besetzt. Kinder erfuhren Gewalt, wurden in IS-Schulen einer Gehirnwäsche unterzogen oder von ihren Eltern versteckt, um sie vor der Indoktrination durch den IS zu bewahren. Diese kriegsbetroffenen Kinder haben traumatische Erlebnisse hinter sich, sei es weil sie vertrieben wurden oder Gewalt ausgesetzt waren. Vor allem fehlt es ihnen an Schulbildung.

Die Kinderbildung bildet den Anfang, um sich von einem Konflikt zu erholen. Obwohl dieser stets in den Köpfen der Bevölkerung ist und Traumata noch nicht überwunden sind, bedeuten die Sicherstellung des Bildungszugangs und die Verhinderung von Schulabbrüchen einen ersten Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft im Heimatland.

Traumatische Erlebnisse verarbeiten

Neben der Verteilung von Material an Familien für ihre Rückkehr konzentriert sich Terre des hommes (Tdh) auf den Zugang zu Bildung, in einem Kontext, in dem Klassen überfüllt sind und von Kindern unterschiedlicher Lernstufen besucht werden. In den Schulen, in denen wir arbeiten, analysieren wir zunächst, wie stark die Lehrpersonen vom Konflikt betroffen sind. «Eine unter dem Schulpersonal verbreitete Angst ist die mögliche Rückkehr des IS, der sich in der Bevölkerung versteckt hält», meint Cynthia Winkelmann, unsere Spezialistin für humanitäre Hilfe. Da Lehrer im Leben von Kindern und in der Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen, erhalten sie psychosoziale Hilfe, um die Situation zu bewältigen. Sie werden zudem für eine angemessene Betreuung von Kindern, die traumatische Erlebnisse hinter sich haben, an sicheren Orten geschult. «Wir fördern die Widerstandsfähigkeit, um Kindern die Heimkehr zu erleichtern, und wir fördern Lebenskompetenzen, die sie anwenden können, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten», erläutert Marta Alberici, unsere Koordinatorin für Kinderschutz und Bildung im Irak.

Um eine nachhaltige Wirkung sicherzustellen, lernen Lehrpersonen auch, wie sie in Notsituationen Bildung wirksam vermitteln, wo es vielen Kindern an Grundlagen wie Kommunikationsfähigkeiten fehlt oder sie nicht wissen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollen. Das Hauptziel ist die Bereitstellung eines kinderfreundlichen und integrativen Umfeldes, das Kinder davor bewahrt, die Schule abzubrechen. Die angebotenen Nachhilfestunden stellen sicher, dass Kinder, die nicht zur Schule gehen konnten oder in IS-Schulen waren, ein Niveau erreichen, mit dem sie ihre schulische Ausbildung fortsetzen können.

Bildernachweis: ©Tdh