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17.12.2019 - Nachrichten

Irak: Die Schule nach dem IS

Blutige Gefechte haben im Irak viele Familien in die Flucht getrieben, während andere unter der Besatzung des Islamischen Staates in der Falle sassen. Zwei Jahre nach der Befreiung von Tal Afar behandelt die Stadt ihre Wunden. Tausende Kinder sind traumatisiert und mussten ihre Schulausbildung abbrechen: Sie stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Terre des hommes bietet den Kindern psychologische und schulische Unterstützung, um sie bei ihrer Wiedereinschulung zu begleiten.

Tal Afar, August 2017. Heftige Gefechte wüten. Die irakische Armee und paramilitärische Streitkräfte sind dabei, die letzte irakische Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückzuerobern, die sich hinter den Stadtmauern verschanzt hat. Auf halbem Weg zwischen Mosul und der syrischen Grenze hatte der IS hier 2014 die Macht ergriffen. 5000 Zivilisten sitzen in der Falle, die anderen sind geflohen. Einige Tage später wird die Stadt befreit.

Tal Afar, September 2019. Die Streitkräfte haben die Stadt verlassen, die Gefechte sind verstummt. Die Wunden des Krieges sind aber noch überall auf der Strasse sichtbar: Gebäude in Trümmern und Wände mit Schusslöchern lassen schmerzhafte Erinnerungen wiederaufleben.

Auf dem Pausenplatz der Primarschule von Abu Maria ertönen das Geschrei und das Gelächter von Kindern. Die darum herum angeordneten Klassenzimmer des kleinen Gebäudes sehen alle gleich aus: eine abgenutzte Wandtafel und abgewetzte Bänke zwischen vier Wänden, deren Farbe abblättert. Mit einem zusammengebastelten Schalter lassen sich zwei alte Ventilatoren in Betrieb nehmen, die in der drückenden Hitze dieses Spätsommertages für einen Luftzug sorgen. Während einige Kinder draussen spielen, machen andere sorgfältig ihre Schreibübungen. Eine Szene, die noch vor zwei Jahren unmöglich gewesen wäre.


Ein Klassenzimmer in Tal Afar.

«Unter der Besatzung des IS war das Leben sehr schwierig. Es gab kein Trinkwasser und auch keinen Zucker für den Tee. Es gab gar nichts. Wir waren wie Tote», berichtet scheu die 12-jährige Dalia*. «Ich konnte das Haus nicht verlassen, weil das wegen des IS und der Minen zu gefährlich war.» Wie die meisten Familien der Region lebten Dalia, ihre Eltern und ihre vier Geschwister mehrere Jahre unter dem Joch des Islamischen Staates, bevor sie ohne Hab und Gut nach Mosul flohen.

Schulabbruch und Trauma

Zwei Jahre nach der Befreiung von Tal Afar konnte fast die Hälfte der 200’000 Einwohner der Stadt heimkehren. Die Jahre ohne Schule und das Trauma der Kinder gehören derzeit zu den grössten Herausforderungen für die Familien. Während der jihadistischen Besatzung wurden die Schulen der Region geschlossen, als Waffenlager genutzt und manchmal bombardiert.

Bei der Wiederaufnahme des Unterrichts stehen die Kinder und das Lehrpersonal vor grossen Herausforderungen. «Wir haben Fälle von gewalttätigem Verhalten unter Schülern beobachtet», erklärt Afrah Hamzeh, die für die psychosozialen Aktivitäten von Terre des hommes zuständig ist. Viele Kinder sind von dieser Zeit traumatisiert. Die meisten haben eine nahestehende Person oder ein Familienmitglied verloren.

«Wir hatten zum Beispiel den Fall eines sehr aggressiven 11-Jährigen. Er schlug seine Kameraden. Sein Verhalten war auf die Gewalttätigkeiten zurückzuführen, denen er ausgesetzt war. Er hat während des Konflikts Explosionen gesehen», erklärt Afrah. «Wir haben uns um diesen Jungen gekümmert, ihm psychosoziale Unterstützung und Dialogmöglichkeiten geboten. Sein Verhalten hat sich seither wirklich gebessert. Seine Eltern haben uns sogar besucht, um uns zu sagen, dass er ein friedliches und liebes Kind geworden ist.»

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Eine den Kindern angepasste Betreuung

Da die Teams von Tdh seit 2014 an der Frontlinie im Irak präsent waren, konnten sie ihre Arbeit in Tal Afar nach der Befreiung der Stadt sehr schnell aufnehmen. Seit Ende 2017 engagieren wir uns in der Region, um die Rückkehr der Kinder in die Schule zu begleiten – es waren fast 1600 im Jahr 2019. Die Arbeit erfolgt mit den Kindern selbst, denen wir eine psychologische Betreuung individuell oder in Gruppen bieten, je nach ihren Bedürfnissen. Für Kinder mit Schulschwierigkeiten organisieren wir Nachhilfestunden in vier Fächern: Arabisch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften.


Nachhilfestunden helfen Schulkindern, sich leichter wieder ins offizielle Schulsystem zu integrieren.

Die 15-jährige Amal* hält mit Reife fest: «Die Spiele geben uns Gelegenheit, uns auszudrücken und über Probleme zu sprechen, die wir zu Hause oder im Quartier haben. Früher war ich sehr scheu, aber mit der Zeit habe ich gelernt, meinen Kopf hochzuhalten und lauter zu sprechen.»

 Auf dem Schulhof von Abu Maria erreicht die Aufregung ihren Höhepunkt. Zwei Teams versuchen, einen Stab möglichst schnell über einen von Reifen und Kegel gebildeten Parcours zu bewegen. Jedes Team feuert seinen Spieler an, indem es lauthals schreit und dabei auf und ab hüpft. «Diese Aktivitäten helfen den Kindern, schwierige Zeiten zu vergessen», erklärt Abdel Aziz, unser Spezialist für Kinderschutz. Abgesehen davon, dass sie ihnen eine Abwechslung bieten, ermöglichen diese Momente vor allem, den Kindern wichtige Kompetenzen wie Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung, Kommunikation und Verhandlung zu vermitteln.


Afrah Hamzeh, die für psychosoziale Aktivitäten bei Tdh zuständig ist, leitet ein Spiel in einer Schule von Tal Afar.

Bildung, der Schlüssel zur Zukunft

In Tal Afar fällt der Kontrast auf zwischen allgegenwärtiger Zerstörung und Hoffnung. In einer für die Entwicklung des Iraks entscheidenden Zeit spielt Bildung mehr denn je eine Schlüsselrolle, um der jungen Generation eine Perspektive zu geben und damit die Zukunft ihres Landes zu konsolidieren. Zum Beispiel Amal, deren dringlichster Wunsch es während des Konfliktes war, eines Tages wieder zur Schule zu gehen: «Ich möchte als erste Frau in meinem Dorf Lehrerin werden und Kinder unterrichten, die noch nie in der Schule waren.»

 

Lesen Sie den vollständigen Bericht in unserem Magazin Courage.

 

 

Bildernachweis: © Tdh/Vincent Haiges
*Die Namen wurden zur Achtung der Privatsphäre geändert.

 

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