09.07.2018 - Nachrichten

J4C2018: «Der Kongress ist der Beginn einer soliden Bewegung»

Der diesjährige Weltkongress zum Jugendstrafrecht fand vom 28. bis 30. Mai in Paris statt. Thema waren die Herausforderungen bei der Stärkung von Justizsystemen für Kinder, wie beim Ausstieg aus dem gewalttätigen Extremismus. Terre des hommes war Mitorganisatorin der Veranstaltung. Kristen Hope, Forschungs- und Advocacy-Beraterin des Programms Zugang zur Justiz von Tdh, beantwortete unsere Fragen.

Welche Wirkung hatte der Kongress?

Der Weltkongress zum Jugendstrafrecht 2018 in Paris war ein Erfolg. Nahezu 1000 Teilnehmende aus über 95 Ländern besuchten die dreitägige Veranstaltung. Wir hatten einige der besten internationalen Verfechter eines kinderrechtlichen Ansatzes bei gewalttätigem Extremismus, die aus den verschiedensten Bereichen kamen wie juristischen Berufen, internationalen Menschenrechtsorganisationen und der UNO, aber auch Regierungsvertreter und Jugendliche selbst. Diese Vielseitigkeit und das hohe Niveau führten zu einem reichen Austausch.

Oft denkt man nicht als Erstes an die Justiz, wenn man über Kinderrechte spricht. Doch schon zum dritten Mal gelang es einem Weltkongress dieser Art, so viele verschiedene Menschen zusammenzubringen, damit sie sich für das Jugendstrafrecht engagieren. Das diesjährige Thema – gewalttätiger Extremismus ­– war äusserst relevant, aber auch umstritten. Das grundlegende Bekenntnis zu den Kinderrechten als übergeordnete Priorität bei allen Aktionen zur Bekämpfung oder Vorbeugung von gewalttätigem Extremismus ist sehr wichtig.

Wir schufen eine Plattform, auf der solche Ideen geäussert werden können. Der Kongress ist kein Selbstzweck, er ist ein Mittel, um einen nachhaltigen Wandel im Leben von Kindern herbeizuführen, die mit den Justizsystemen in Kontakt kommen. Es ist dies der Beginn einer soliden Bewegung, um gegen einige weitverbreitete Vorurteile anzugehen, die hinsichtlich junger Leute bestehen, die in den gewalttätigen Extremismus involviert sind.

Was war ein Highlight für Sie?

Es war die Art und Weise, wie wir teilnehmen konnten. In Paris war auch eine Gruppe Jugendlicher aus verschiedenen europäischen Ländern anwesend, die mit Justizsystemen in Kontakt gekommen waren. Sie nahmen an einer Veranstaltung zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Justizverfahren teil, zusammen mit Erwachsenen, die in formellen und informellen Justizsystemen arbeiten. Es kam zu einer sehr aufrichtigen und offenen Diskussion darüber, was sie gerne ändern möchten und wie diese Akteure Kinder besser anhören und deren Ansichten in den Justizsystemen berücksichtigen könnten.

Die Gruppe Jugendlicher machte dann eine Präsentation im Plenum. Sie versuchten die Idee zu festigen, dass es nicht ausreicht, jungen Menschen Ausdrucksmöglichkeiten zu geben, man sollte sie auch anhören und ihren Bedürfnissen Rechnung tragen. Sie bekamen dafür Standig Ovations von den 1000 Anwesenden im Saal. Um weiter voranzukommen, müssen wir Kinder soweit möglich in die Entwicklungsphase von Advocacy-Initiativen und in deren Implementierung einbeziehen.

Welche Schritte wird Tdh als nächstes unternehmen?

Wir haben eine Schlusserklärung von Paris der Mitglieder des Konsortiums erarbeitet. Sie soll ein Advocay-Tool für all diejenigen werden, die weltweit in Justizsystemen für die Rechte von Kindern kämpfen, die des gewalttätigen Extremismus beschuldigt werden. Die Erklärung nimmt Kernbotschaften auf in Bezug auf die Notwendigkeit, den Kinderrechten Vorrang einzuräumen gegenüber dem Interesse an einem sicherheitsbasierten Ansatz. Kinder haben ein Recht darauf, nicht der Freiheit beraubt zu werden. Eine Freiheitsstrafe sollte immer nur als letztes Mittel zur Anwendung kommen und von kurzer Dauer sein. Es ist dies ein wesentliches Element der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und wir tragen alle gemeinsam die Verantwortung dafür, dass kein Kind übersehen wird. In den kommenden Monaten und Jahren wird Tdh weiterhin Plädoyer-Arbeit leisten, um Praktiken in einzelnen Ländern, aber auch die Verhaltensweisen von Berufsleuten zu ändern, die täglich mit Kindern zu tun haben.

 

Bildnachweis: © Tdh/Amanda Keillor 

Was ist Jugendstrafrecht?