COVID-19
Die Pandemie bedroht gefährdete Familien.
closed

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die bedürftigsten Kinder und helfen uns, ihre Zukunft zu verändern.

Dank Ihrer Spende können unsere Spezialisten den bedürftigsten Kindern unverzüglich helfen.

Als Gönnerin oder Gönner unterstützen Sie uns bei unserem Einsatz für die Einhaltung der Kinderrechte.

Werden Sie Schicksalswender und helfen Sie uns, die Zukunft der am stärksten benachteiligten Kinder zu verändern.

Stellen Sie Ihre Kompetenzen und ein bisschen von Ihrer freien Zeit in den Dienst von Kindern.

Helfen Sie ausgebeuteten Kindern durch Gesang, Spiel oder Tanz.

Unterstützen Sie die Strassenaktionen am 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte.

Marsch, Langlauf, Orientierungslauf: Unsere Freiwilligen organisieren das ganze Jahr über sportliche Aktivitäten.

Schliessen Sie sich dieser solidarischen Bewegung an und kaufen Sie eine oder mehrere Orangenkisten.

Werden Sie Partner von Tdh und helfen Sie uns, jedes Jahr über zwei Millionen Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Wie können wir Ihnen helfen?

Ich spende Ich engagiere mich Ich engagiere mich Ich spende Ich engagiere mich Ich engagiere mich Ich engagiere mich Kontakt aufnehmen Ich engagiere mich Reihenfolge
08.10.2020 - Nachrichten

Kinderheirat - Mädchen dazu befähigen, Nein zu sagen!

Im Nahen Osten und Nordafrika heiraten 17 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren. Terre des hommes (Tdh) hat eine Forschung veröffentlicht, um die Praxis der Kinderheirat zu verstehen. Über vier Jahre hinweg wurden Mädchen und ihren Familien befragt – die Resultate vertiefen die derzeit verfügbaren quantitativen Daten. In unseren Projekten im Libanon und in Jordanien kämpfen wir an der Seite der Mädchen für ihr Recht, Kind zu sein und um ihre Zukunft unabhängig wählen zu können.

«Ich wollte es nicht, aber ich konnte nicht argumentieren, um meine Position vor meiner Mutter und meiner Familie zu verteidigen», sagt die 19-jährige Noor*, die im Flüchtlingslager Emirati Jordanian Camp in Jordanien lebt. Mit 16 Jahren, kurz bevor sie anfing, an den Aktivitäten von Tdh teilzunehmen, wollte ihre Mutter sie mit einem Verwandten verheiraten.

In unserer Forschungsarbeit Understanding child marriage among Syrian refugee communities in Jordan and Lebanon - Kinderheirat in den syrischen Flüchtlingsgemeinschaften in Jordanien und im Libanon verstehen - mit der Forscherin Dr. Aisha Hutchinson von der Universität Bedfordshire wurde in Fokusgruppendiskussionen unter Flüchtlingsmädchen des Emirati Jordanian Camp ermittelt, was jemand in einer solchen Situation tun würde. Einige argumentierten: «Sie wird sich weigern, weil sie in der Schule ist»; andere sagten das Gegenteil: «Sie könnte wegen des Drucks zustimmen oder sie würde denken, dass der Mann, der um Hand anhält, die finanziellen Bedingungen ihrer Familie verbessern wird.» Auch einige sagten: «Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich denken, dass er mich glücklich machen wird.» In Jordanien stellten wir fest, dass das Durchschnittsalter, in dem syrische Flüchtlingsmädchen ihren ersten Antrag erhalten, bei 14,5 Jahren liegt. Praktisch alle Mädchen bis zum Alter von 16 Jahren haben mindestens einen Antrag erhalten.

Viele junge Mädchen der syrischen Flüchtlingsgemeinschaft haben keinerlei Kenntnisse über Ehe, sexuelle Beziehungen, Kinderkriegen und die damit verbundenen Risiken für sie selbst. Tdh will dies ändern: In sicheren Räumen, in denen die Mädchen frei reden können, vermitteln wir ihnen Lebenskompetenzen und Rechtsbewusstsein, um in schwierigen Situationen selbstbewusster zu werden und ihre Rechte zu kennen. Mit unserer Unterstützung können sie ihr Recht nutzen, Nein zu sagen und ihre Zukunft selbst zu bestimmen.

Obwohl schon geschätzte 18 Prozent der Mädchen in Syrien vor ihrem 18. Geburtstag vor dem Konflikt verheiratet waren, beschrieben die meisten Forschungsteilnehmenden die Herausforderungen der Vertreibung und des Flüchtlingsdaseins als Faktoren, die zum Anstieg der Kinderheirat beitragen. Die Eltern wissen nicht, was das Leben für sie bereithält, und die Ehe vermittelt die Illusion, ihren Töchtern eine Zukunft sichern zu können. 

Noor verlobte sich im Alter von 16 Jahren mit ihrem Verwandten und die Familien begannen mit der Organisation der Hochzeit. Gleichzeitig nahm sie weiterhin an den Aktivitäten von Tdh teil. Sie wurde selbstbewusster und sprach mit ihrer Mutter. Schritt für Schritt gelang es ihr, sie von den schädlichen Auswirkungen der Kinderheirat zu überzeugen. Ihre Mutter verstand. Noor gelang es, die Hochzeit zu verschieben.

Die Forschung versucht durch Gruppendiskussionen mit Kindern und ihren Familien die sozialen Prozesse zu verstehen und untersucht die Rolle, die Glaubensakteure spielen können, um die Kinderheirat zu verhindern. Marta Gil, unsere Regionalkoordinatorin für den Zugang zur Justiz im Mittleren Osten, erklärt: «Die Erfahrungen und Haltungen, die in der Forschung beschrieben werden, vertiefen die aktuell verfügbaren Daten und helfen, die Stimme der syrischen Flüchtlingsgemeinschaft mehr als neun Jahre nach der Flucht vom Krieg zu hören. Die Studie untersucht komplexe soziale und familiäre Prozesse, Faktoren und Akteure, die bei der Kinderheirat eine entscheidende Rolle spielen, mit dem Ziel, spezifische und wirksame Programm- und Politikmassnahmen zu entwerfen.» Wenn wir die sozialen Faktoren verstehen, unsere Antwort anpassen und mit relevanten lokalen Partnern zusammenarbeiten, können wir einen positiven Einfluss auf die Zukunft dieser Mädchen ausüben.

Zwei Jahre später organisierte Noor ein Familientreffen, um mit ihrem Verlobten über die Situation zu sprechen, der versuchte, ihre Bewegungen im Lager zu kontrollieren und ihr den Besuch der Aktivitäten von Tdh und der Schule verbieten wollte. «Er war so hart und wollte mein Leben kontrollieren. Ich konnte es nicht akzeptieren, mit einem solchen Mann verheiratet zu werden», sagt Noor. Dann war ihre Mutter mutig genug, die Hochzeit abzusagen, obwohl sie den Druck der Familie ertragen musste. «Ich bringe jetzt Mädchen, die geschlechtsspezifischer Gewalt und Kinderheirat ausgesetzt sind, mit dem Team von Tdh in Kontakt. Viele Eltern im Lager kennen meine Geschichte und vertrauen mir. Es ist eine erfolgreiche Geschichte und sie wollen für ihre Mädchen die gleiche Zukunft», sagt Noor lächelnd.

Lesen Sie unsere Forschung

 

*Der Name und das Foto wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

©Tdh/Ollivier Girard/Diego Ibarra