Nothilfe Afghanistan
Kinder in Afghanistan brauchen Ihre Hilfe!  
06.11.2013 - Nachrichten

Kindermigranten haben ein ganz besonderes Schutzbedürfnis

2013 zählt man weltweit 232 Millionen Migrierende. Würden sie sich zu einem Land zusammenschliessen, wäre dieses in Bezug auf die Bevölkerung das fünftgrösste der Welt. 33 Millionen von ihnen sind jünger als 20 Jahre. Einigen gelingt es, zu reisen, Arbeit zu finden und in aller Sicherheit und in Würde zu leben. Doch ist der Weg der Migration manchmal lang und gefährlich, und Kinder, vor allem unbegleitete Kinder sind besonders gefährdet, verlieren ihre Anhaltspunkte und werden eine leichte Beute für Übeltäter. Ohne besonderen und geeigneten Schutz können sie ihre Rechte nicht geltend machen und sind den zahlreichen Risiken und Folgen der Migration ausgesetzt: Handel, Ausbeutung durch Arbeit, sexuelle Ausbeutung, fehlende Rechtssicherheit, Bruch mit dem sozialen und familiären Umfeld, fehlende Erziehung usw.

Gemischte Migrationsströme

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Kinder migrieren. Die Fälle liegen je nach Kind und Herkunftsland sehr unterschiedlich: Einige haben ihren Wohnort verlassen, um eine lukrativere Arbeit zu finden, andere sind vor dem Krieg oder den verheerenden Folgen einer Naturkatastrophe geflohen. Manche entfliehen auch einem politischen Regime, in dem sie diskriminiert und unter Umständen von der Justiz im eigenen Land verurteilt werden. Eines ist sicher: «Die Migration eines Kindes ist nie selbst gewählt», ruft Generalsekretär der Terre des Hommes International Federation (TDHIF) Ignacio Packer in Erinnerung.

Kinder, eine Einzelgruppe, die besondere Aufmerksamkeit verlangt

Jedes Jahr gelangen 200 bis 500 unbegleitete Minderjährige in der Hoffnung auf Asyl in die Schweiz. Gemäss dem internationalen Übereinkommen über die Rechte des Kindes ist die Schweiz verpflichtet, Asyl suchenden Kindern besonderen Schutz zu gewähren. Dennoch «werden mehrere Grundrechte, die ihnen als Kind zustehen, nicht respektiert», stellt Tdh fest und erinnert daran, dass «sie vor allem Kinder und erst in zweiter Linie Migranten sind».

Diese Kinder bedürfen eines besonderen Schutzes, doch sind die Gesetze der Aufnahmeländer nicht immer der Situation angepasst. Die rechtliche Kategorisierung erfolgt oft zu starr, und je nachdem in welche «Schublade» man ein Kinderschicksal steckt, sind mehrere Stellen zuständig und bei den Fachleuten für Migration herrscht Verwirrung.

Lösungen im besten Interesse des Kindes

Um besser auf die spezifischen Bedürfnisse von migrierenden Kindern einzugehen, müssen bestimmte Verfahren verbessert und geeignete Massnahmen eingeführt werden. Die Niederlande beispielsweise haben die Betreuung des Kindes durch einen Vormund eingeführt und damit die Chancen einer gelungenen Migration erhöht. Belgien verfügt seinerseits über ein System für den Wissensaustausch mit den Herkunftsländern. Dies erlaubt, die Migrationsgründe eines Kindes besser zu verstehen und objektive Informationen zu seiner Situation zu sammeln. Darüber hinaus gilt es die Kompetenzen von Fachleuten und Akteuren der Migration zu stärken und die Aufnahmebedingungen zu verbessern: Sie müssen würdig, geeignet und mit den Kinderrechten konform sein. Pierre Cazenave, Tdh-Regionalverantwortlicher für Kinderrechte in Mitteleuropa, betont schliesslich, wie wichtig es ist, «die zuständigen Behörden zu bestimmen». Das nationale Recht muss sich anpassen und auf die Komplexität von Migrationsfällen eingehen, anstatt seine Zuständigkeit in Frage zu stellen.

Die Erfahrung eines minderjährigen Asylsuchenden in der Schweiz

Ein Teil der Tagung war dem Lebensbericht eines migrierenden Kindes gewidmet, geboren 1997 in Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Am Pult stehend und etwas durch die auf ihn gerichteten Blicke eingeschüchtert, hat der junge Mann seine Geschichte erzählt. Im April 2012 floh er allein aus seinem von politischen Spannungen zerrissenen Land, um in der Schweiz Asyl zu suchen. Nach einem Aufenthalt im Empfangs- und Verfahrenszentrum von Vallorbe (Waadt) verbrachte er rund drei Monate im Berner Asylzentrum für unbegleitete Minderjährige. Dort hat er Deutsch gelernt, und auf die Frage aus dem Publikum zu seiner aktuellen Situation antwortete er: «Ich gehe zur Schule, alles ist gut.» Es braucht also manchmal nicht viel, um die einfachen, aber wesentlichen Bedürfnisse migrierender Kinder zu erfüllen.

Terre des hommes lanciert eine nationale Kampagne zur Bekämpfung von Kinderausbeutung. Erfahren Sie mehr über unsere Aktion und schliessen Sie sich unserem Kampf an, indem Sie jetzt eine Spende machen.