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06.08.2018 - Nachrichten

Hinter den Kulissen des Genfer Flughafens

Es ist 13 Uhr und wir befinden uns am Flughafen Genf. Während der Ferienzeit kreuzen zum Abflug bereite Passagiere ankommende Reisende und mischen sich unter die mehreren tausend Mitarbeitenden des Flughafens. Hinter den Kulissen dieses geschäftigen Treibens verbirgt sich unweit der Check-in-Schalter 49 und 50 die Krankenstation. Hier werden Kinder in Empfang genommen, die von Terre des hommes (Tdh) für eine Herzoperation in die Schweiz überwiesen werden. Die Tür öffnet sich und wir werden von der Stationsleiterin Alexandrine Roten begrüsst.

Wie funktioniert die Krankenstation am Flughafen Genf?

Wir sind ein zehnköpfiges Team, das sieben Tage die Woche von 6 bis 21 Uhr abwechselnd im Einsatz steht. Wir stellen die Gesundheitsbedürfnisse der Passagiere und der 10’000 Angestellten des Flughafens sicher. Mehrmals pro Woche kümmern wir uns auch um Kinder, die von Terre des hommes in Schweizer Spitäler überwiesen werden. Sie erhalten dort spezialisierte Behandlungen, die in ihren Heimatländern nicht erhältlich sind.

Wie verläuft die Betreuung dieser Kinder?

Auf dem Flug werden die Kinder von Freiwilligen von „Aviation sans frontières“ begleitet, die sie zu uns in die Krankenstation bringen. Hier führen wir dann eine Reihe von Kontrollen durch. Wir überprüfen ihren allgemeinen Gesundheits- und Erschöpfungszustand, die Körpertemperatur, den Puls, den Blutdruck und den Sauerstoffanteil im Blut. Sobald die Tests abgeschlossen sind, wird das Kind von einem Mitarbeitenden von Tdh in Empfang genommen, der es während der ersten 24 Stunden in einem Spital der Genferseeregion betreut. Ist der klinische Zustand der Kinder gravierender, weil sie den Flug nicht gut vertragen haben, stellen wir ihre Erstversorgung sicher, bevor sie mit der Ambulanz ins Spital gefahren werden.

Unterscheidet sich diese Arbeit von Ihren täglichen Aufgaben?

Wenn es dem Kind gut geht, versuche ich, meine Arbeit schnell zu erledigen und es in der Nähe seiner Begleitperson zu lassen, damit es nicht einer neuen Person und zusätzlichem Stress ausgesetzt wird. Das geschieht alles ziemlich schnell. Vom Tdh-Team erhalten wir regelmässig Nachrichten von den Kindern, die bei uns auf der Krankenstation waren. Wir werden über ihren Gesundheitszustand und den Fortschritt der Behandlung informiert. Dies unterscheidet sich insofern von unserem Alltag, als dass wir im Allgemeinen nach der Versorgung der Passagiere nichts mehr von ihnen hören. Es ist eine Wertschätzung unserer Arbeit.

Was halten Sie von diesem Projekt?

In Europa, vor allem in der Schweiz sind wir es nicht gewohnt, Kinder zu sehen, denen es nicht gut geht. Wir werden mit einer Realität konfrontiert, die man nicht kennt, ausser man arbeitet im humanitären Bereich. Für mich ist es unabdingbar, auch über unsere Grenzen hinaus Hilfe zu leisten. Es ist unsere Pflicht, Menschen in prekären Situationen nicht sich selbst zu überlassen. Dieser Wille ist auf der Unternehmensebene (Flughafen Genf), aber auch beim involvierten Personal spürbar. Es ist ein Projekt, das unseren Mitarbeitenden am Herzen liegt.

Ein Moment, der Sie ganz besonders berührt hat?

Wenn Kinder nach ein paar Jahren für einen zweiten oder dritten Eingriff wiederkommen, lebhaft und bei guter Gesundheit, da wird man sich des Resultats der ganzen Arbeit bewusst.

2017 erhielten 240 schwerkranken Kinder medizinische Spezialbehandlungen

Erfahren Sie mehr über das Programm der medizinischen Spezialbehandlungen von Terre des hommes unter www.tdh.ch/de/spezialbehandlungen.

 

Dies ist ein Auszug aus unserem Magazin Courage.