07.03.2019 - Nachrichten

„Der Wissensaustausch ist Teil des Ärzteberufs“

Im Senegal werden um die tausend Kinder jährlich mit einem Herzfehler geboren. Da komplexe Operationen vor Ort noch eine Herausforderung darstellen, organisiert Terre des hommes (Tdh) Reisen eines Expertenteams vom Universitätsspital Waadt (CHUV), um Kindern das Leben zu retten. Das langfristige Ziel ist, durch die praktische Ausbildung des Gesundheitspersonals eine lokale Betreuung zu ermöglichen. Nicole Sekarski, Kardiologin vom CHUV, und ihre senegalesische Kollegin Arame Diagne Diallo von der pädiatrischen Herzklinik Cuomo erklären die zehnjährige Zusammenarbeit zum professionellen Austausch.

Wie spielt sich die Zusammenarbeit zwischen dem Personal des Spitals Fann und demjenigen des CHUVs während einer Wissensvermittlungsreise ab?

N. Sekarski: Die Betreuung von Patientinnen und Patienten und der Wissensaustausch sind Teil des Ärzteberufs. Ich erkläre meinen senegalesischen Kolleginnen und Kollegen, wie man eine detailliertere Diagnose stellt, während sie einen Herzultraschall machen. Ziel ist es, den Teams vor Ort das fehlende Wissen zu vermitteln, damit sie sowohl in der Kardiologie, der Behandlung als auch in der Nachsorge autonom werden, um Kinder mit angeborenen Herzfehlern vollumfänglich betreuen zu können.

Was haben Sie während dieser Reisen zur Wissensvermittlung gelernt?

A. Diagne Diallo: Durch die Arbeit mit dem CHUV konnte ich mich in der Pädiatrie weiterbilden, da wir im Senegal zuvor nur für Erwachsene tätig waren. Nicole Sekarski ermöglicht uns, Wissen zu erwerben sowie die Diagnosen und die vollumfängliche Behandlung der Patienten zu verbessern. Wir sind nun praktisch autonom geworden.

N. Sekarski: In der Schweiz werden 90 Prozent der Kinder zwischen der Geburt und ihrem ersten Geburtstag betreut. Im Senegal kommt es zu einem späteren Zeitpunkt zur Operation. Dies veranschaulicht uns, wie sich Herzerkrankungen entwickeln können, wenn sie nicht im ersten Lebensjahr operiert werden. Ausserdem lernen wir, ohne all die Technologie, die wir in der Schweiz haben, zurechtzukommen.

Was wurde durch die Zusammenarbeit mit Tdh erreicht?

A. Diagne Diallo: Dank den Ausbildungen des lokalen Personals haben sich die Fähigkeiten des gesamten Teams verbessert. Wir können nun komplexere Fälle wie die Fallot-Tetralogie operieren.

N. Sekarski: Tdh leistet viel und gut durchdachte Arbeit. Für die komplexe Herzchirurgie müssen wir einige Kinder nach wie vor in die Schweiz kommen lassen. Die Organisation erkannte jedoch schnell, dass es wichtig ist, auch vor Ort zu operieren, medizinisches Personal zu schulen und die lokale Herzchirurgie zu entwickeln. Mein Wunsch ist, dass das Gesundheitspersonal hier unabhängig wird.

Was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

A. Diagne Diallo: Eine schwere Herzerkrankung zu behandeln. Vorher, wenn ein Kind mit einem Herzfehler geboren wurde, bedeutete das früher oder später den Tod. Wir können nun mehr Kinder retten!

N. Sekarski: Was uns antreibt, uns zu engagieren, sind unsere Patienten. Jedes Kind, das wir hier mit einem Lächeln gehen sehen, ist ein Erfolg.

Die Diagnose – ein entscheidender Faktor: Anhand von Ultraschallbildern wird eine Diagnose der herzkranken Kinder gestellt. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt, von dem der Erfolg der Operation abhängt. Das OP-Team kann durchaus mit unerwarteten Situationen im Operationssaal konfrontiert werden, wenn die Diagnose des Kindes nicht korrekt gestellt wurde.

Entdecken Sie unsere Reportage zu den Wissensvermittlungsreisen des CHUVs in Senegal