30.07.2018 - Nachrichten

Migrierende Kinder für Menschenhandel gefährdet: Tdh setzt sich für sie ein!

Die Zahl der unbegleiteten und von ihren Eltern getrennten migrierenden Kindern nimmt auf der Balkanroute ständig zu. Sie sind in höchstem Masse gefährdet, Opfer von z. B. Kinderhandel und Ausbeutung zu werden.  Das Migrationsprogramm von Terre des hommes (Tdh) hat die Lage von Kindern untersucht, die entlang der Migrationsroute von Menschenhandel bedroht sind, um Schutzlösungen für sie zu finden.

Obwohl nur wenige Menschen auf der Balkanroute offiziell als Opfer von Menschenhandel ermittelt wurden, hat das Forschungsprojekt Trafficking along Migration Route to Europe, das wir gemeinsam mit dem International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) durchgeführt haben, konkrete Informationen und Hinweise zu Menschenhandel und Ausbeutung erhalten. Diese Informationen lassen uns aktuelle Entwicklungen entlang der Balkanroute  besser verstehen, wodurch Fachleute vor Ort besser darauf vorbereitet werden können, Kinder vor dieser Gefahr zu schützen.

Arten des Menschenhandels

Gemäss der Untersuchung gibt es folgende Hauptformen des Menschenhandels, denen migrierende Kinder und Erwachsene ausgesetzt sind:  

- sexuelle Ausbeutung, von der hauptsächlich Mädchen und Frauen aus Subsahara-Afrika betroffen sind, aber auch Jungen und Männer, insbesondere afghanische Jungen durch bacha bazi (eine Art der Kinderprostitution);

- ausbeuterische Arbeit, wodurch Menschen, die häufig keine Arbeitserlaubnis besitzen, in ausweglose Lagen geraten;

- Zwangskriminalität, die eine Art des Menschenhandels darstellt, die in den offiziellen Statistiken nicht auftaucht. Dazu zählen Kleinkriminalität, Drogenhandel und Menschenschmuggel.

Fehlende Betreuung als Hauptrisiko für Kinder

Migrierende Menschen werden auf der Balkanroute oder an ihrem Zielort mit verschiedenen Problemen konfrontiert: Probleme mit ihrem Aufenthaltsstatus bei negativem Asylentscheid oder Ablehnung des Familiennachzugs sowie lange Wartezeiten und damit verbundene Schwierigkeiten des Geldverdienens. Insbesondere bei unbegleiteten und von ihren Eltern getrennten Kinder können Verzögerungen bei der Ernennung eines Beistands schädliche Auswirkungen haben.

Antitrafficking Terre des hommes, Tdh

Viele unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte Kinder erhalten keine angemessene Betreuung und Unterbringung. Grund dafür sind mangelhafte Verfahren zur Altersbestimmung und beschränkte Unterbringungsmöglichkeiten für Jugendliche in Empfangszentren. Eine erhebliche Zahl von ihnen werden als verschwunden gemeldet und fallen somit aus dem Kinderschutzsystem heraus. Wenn sie alleine unterwegs sind, sind sie Gewalt und traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt. Sie kennen ihre Rechte nicht , sprechen die Sprache nicht und haben keine Länderkenntnisse.

Kinder, egal ob sie Opfer von Menschenhandel sind, legal oder illegal migrieren, asylsuchend oder nicht, begleitet, getrennt oder unbegleitet sind, sollten immer und zuallererst als Kinder behandelt werden und die gleichen Rechte wie staatsangehörige Kinder haben,” erklärt Pierre Cazenave, Plädoyerbeauftragter für das Tdh-Migrationsprogramm. Dank dieser Untersuchung kann sich Tdh nun aktiv für dieses Versprechen einsetzen. Wir arbeiten mit Fachleuten vor Ort zusammen, die wir mit den notwendigen Fähigkeiten und Kenntnissen ausrüsten, um migrierende Kinder, die von Menschenhandel  betroffen oder dafür gefährdet sind, zu identifizieren und angemessen zu schützen.

Bildernachweis: © Tdh/Grace Medina