05.10.2017 - Nachrichten

Moldawien: Die Schule, der Schlüssel zur Integration der Roma-Kinder

Terre des hommes (Tdh) hat sich in Moldawien zum Ziel gesetzt, die Schule zu einem einladenden Ort für Kinder aller ethnischen Gruppen zu machen. Durch die Einrichtung von Ludotheken, das Organisieren von Aktivitäten und die Ausbildung von etwa hundert Lehrpersonen konnten wir die schulische Integration von mehr als tausend Roma-Kindern verbessern.

Mihai, Vater einer Roma-Familie, misstraute der Schule. Als Kind hat er sie bereits sehr früh verlassen und sah keinen Vorteil darin, seine Tochter Marcela dort hinzuschicken. Ausserdem befürchtete er, dass sie von ihren Klassenkameraden und Kameradinnen und Lehrpersonen wegen ihrer Roma-Identität diskriminiert werden würde.

Soziale Ausgrenzung ist tief verwurzelt

Die Befürchtungen von Mihai sind berechtigt: Eine Studie von UNICEF veröffentlichte Studie zeigt auf, dass 16% der Roma-Schülerinnen und Schüler Opfer von Gewalt und Beschimpfungen in den Schulen sind, im Gegensatz zu 7% bei den anderen Schülerinnen und Schülern. Trotz grosser Anstrengungen der Regierung und nationaler Organisationen, gegen die Diskriminierung von Roma vorzugehen, leiden diese immer noch unter einer sehr starken sozialen Ausgrenzung.

Die Schule als Ort der Integration

Die Bildung ist nicht nur ein Kinderrecht, sondern auch der Schlüssel zu einer gleichberechtigten Zukunft. Unser Team in Moldawien setzt sich deshalb für den Aufbau von Orten ein, wo man spielen und zusammenkommen kann, damit sich Kinder und Eltern, Roma und Nicht-Roma treffen und die Schule für sie attraktiver wird. Innerhalb von zwei Jahren konnten wir in etwa 30 Schulen Ludotheken, die mit pädagogischen und Freizeitsmaterialen ausgestattet sind, einrichten. Durch den Austausch mit anderen Eltern und den Lehrpersonen stellte Mihai fest, dass die Schule auch ein einladender Ort für seine Tochter sein könnte: «Ich hatte als Kind nicht die Möglichkeit, zu lernen. Ich möchte, dass meine Tochter zur Schule geht und ihre Chancen nutzen kann.»

Lehrer begleiten

Für Lehrpersonen und Sozialarbeitende führten wir Schulungen durch, damit sie Kinder und Eltern,  insbesondere diejenigen aus der Roma-Gemeinschaft, besser begleiten können. «Wir arbeiten zusammen, um die Schule attraktiver zu machen und für die Roma-Kinder eine positive Umgebung zu schaffen», erklärt eine Lehrerin der Schule Falesti.

In einem der ärmsten Länder Europas, wo Hunderte Personen jeden Tag das Land verlassen, um im Ausland Arbeit zu suchen, wird die Schule wird häufig zu einem wichtigen Ort der Geborgenheit und die Lehrpersonen zu Vorbildern für die auf sich allein gestellten Kinder. Deshalb ist unser Einsatz unerlässlich, und wir arbeiten weiterhin daran, das Schulsystem zu unterstützen, sowohl für die Roma-, als auch für alle anderen Kinder in Moldawien.

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Bildernachweis: ©Tdh