24.05.2018 - Nachrichten

Panama: Kindergerechte Justiz fördern

Terre des hommes (Tdh), weltweit führende Organisation, wenn es um die Förderung des restaurativen Jugendstrafrechts geht, ko-organisiert den Weltkongress 2018 für Jugendstrafrecht. Eines der Ziele: Verschiedene Berufspersonen auf die Wichtigkeit der Wahrung des Statuses des Kindes in Gerichtsverfahren aufmerksam zu machen. In Panama setzt sich Tdh ein, diesen wichtigen Aspekt für Kinder und Jugendliche in der „indigenen“ Gesetzgebung verankern zu lassen, indem Gemeinschaftsakteure dafür sensibilisiert werden.

Vor dem Gesetz wie Kinder behandelt werden

In den meisten Ländern Lateinamerikas bestehen nebeneinander zwei Justizsysteme: das staatliche System und das traditionelle indigene System. Die sieben indigenen Gemeinschaften Panamas kennen keinerlei spezifische Verfahren für Kinder: Das Gewohnheitsrecht sieht vor, dass Minderjährige wie Erwachsene zu behandeln sind. Wir sprachen mit allen Oberhäuptern der indigenen Gemeinschaften Panamas, die sich an der Einführung eines kindgerechten, auf dem Recht basierten Justizsystems interessiert zeigten.

Ein innovatives Projekt, welches alle involvierten Akteure vereint

Die Grundlage des restaurativen Jugendstrafrechts bildet die Wiederherstellung der gebrochenen Beziehungen zwischen Täter und Opfer beziehungsweise der Gemeinschaft. Um Mittel zu identifizieren, die dies erlauben, organisierten wir 20 Workshops mit 640 traditionellen Richtern und Behördenvertretern der sieben indigenen Gemeinschaften sowie 110 indigenen Studierenden von Universitäten in Panama im Jahr 2017. Die Teilnehmenden erfuhren mehr über die beiden Justizsysteme, diskutierten über gute Praktiken im Jugendstrafrecht und dachten darüber nach, wie ihr System weiterentwickelt werden könnte, um die Einhaltung der Kinderrechte zu garantieren.

Dieses Projekt ist innovativ, da nur sehr wenige Veranstaltungen die Beteiligung indigener Jugendlicher verschiedener Gemeinschaften fördern, erzählt Yanisbeth Daira González, Studentin an der juristischen Fakultät der Universität Panama.

Das Projekt auf die Region erweitern

In Zusammenarbeit mit der Fundación para la Promoción del Conocimiento Indígena (FPCI) organisierten wir ein nationales Seminar zum indigenen Jugendstrafrecht, das mehr als 130 Teilnehmende anzog: Behördenvertreter der sieben indigenen Gemeinschaften, Studierende und internationale Spezialisten des Jugendstrafrechts. Die Teilnehmenden tauschten sich über gute Praktiken aus, um in Übereinstimmung mit der Kinderrechtskonvention den Schutz von indigenen Kindern und Jugendlichen zu verbessern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Dieses in Panama durchgeführt Pilotprojekt gab den Anstoss zu weiteren Initiativen für eine Umsetzung auf der regionalen Ebene in Lateinamerika.

Bildernachweis: ©Tdh