06.09.2013 - Nachrichten

Syrien: Ein Bericht zur Lage

Der Syrien-Konflikt begann 2011 als Volksaufstand, schlug aber schnell in einen Bürgerkrieg um, der bereits über 100’000 Todesopfer gefordert hat. Die humanitäre Lage im Land ist kritisch und verschärft sich zusehends. Die Grundbedürfnisse der Bevölkerung wie Nahrungsmittel und Gesundheitsversorgung sind in den Konfliktgebieten immer schwieriger sicherzustellen. Bedeutende Mängel sind vor allem bei der Trinkwasserversorgung, bei medizinischem Material, Treibstoff und Elektrizität festzustellen, was die humanitäre Lage weiter verschlimmern dürfte.

Notunterkünfte

Nach zwei Jahren Krieg haben mehr als zwei Millionen Menschen, darunter fast eine Million Kinder, das Land verlassen, um in einem Nachbarland Zuflucht zu suchen.

Flüchtlingszahlen¹:

Libanon: 720’000
Jordanien: 519’700
Türkei: 463’900
Irak: 172’000
Ägypten: 111’100

Die meisten Aufnahmeländer stossen an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Die Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern sind prekär. Es wird für Flüchtlinge immer schwieriger, eine Wohnung oder auch nur eine Notunterkunft zu finden, Güter des täglichen Bedarfs sind bisweilen schwer erhältlich und die Gesundheitsdienste mit der Nachfrage überfordert. Kinder, manchmal von ihren Eltern getrennt, sind besonders für Ausbeutung namentlich durch Arbeit gefährdet. Hilfswerke müssen ihre Anstrengungen verstärken, um diesen Kindern den notwendigen Schutz und psychologische Unterstützung zu bieten.

Sowohl im Libanon als auch in Jordanien, wo Terre des hommes aktiv ist, machen sich in zahlreichen Dörfern Spannungen zwischen den Gastgemeinschaften und den Flüchtlingen spürbar. Die Zahl der Flüchtlinge belastet die lokale Infrastruktur (Schulen, Gesundheitszentren, Spitäler, Sozialzentren) und den Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Wasser. Diese Situation führt auch zu einem verstärkten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt. Um Spannungen abzubauen, ist es folglich wichtig, auch die Bedürfnisse der schwächsten Glieder der Lokalbevölkerung zu berücksichtigen.

Intervention von Tdh für Flüchtlinge

Libanon hat im Zeitraum von zwei Jahren 720’000 syrische Staatsbürger und 85’000 palästinensische Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Unsere Stiftung war bereits in der Flüchtlingshilfe für Palästinenser aktiv, als sie 2012 ein Hilfsprogramm für diese Vertriebenen lancierte. Sie führte Projekte zur Verteilung von Hilfsgütern wie Matratzen, Decken, Hygiene- und Küchen-Sets für Neuankömmlinge durch und hat Geld und Hygieneartikel an besonders benachteiligte Familien verteilt. Um noch spezifischer auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen, hat Tdh ausserdem ein Freizeitprogramm aufgebaut, damit die vertriebenen Jungen und Mädchen sich ablenken und die tägliche Angst und die erlittenen Traumata einen Moment lang vergessen können. Dieses Projekt schliesst auch Kinder der Gastgemeinschaften ein, um die Integration zu verbessern. Es umfasst zudem individuelle Hilfe für besonders gefährdete Kinder und die Verteilung von Hygiene-Sets für Babys und spezielle Sets für Frauen. In den vergangenen fünf Monaten haben 6000 Kinder von diesem Projekt profitiert.

Die Unterstützung syrischer Flüchtlinge steht auch im Zentrum der Projekte von Terre des hommes in Jordanien, wo fast 520’000 beim UNHCR registriert sind, mehr als die Hälfte davon Kinder. Unsere Stiftung ist im Norden des Landes, an der Grenze zu Syrien, vertreten. Sie führt hier Schutzprojekte, bietet psychosoziale Hilfe und gezielte materielle Unterstützung für syrische Flüchtlingskinder und ihre Familien, aber auch die Lokalbevölkerung, und erreicht so fast 3700 besonders bedürftige Personen. Tdh ist im Flüchtlingslager Emirates Jordan Camp (EJC) in der Nähe der Stadt Zarqa präsent. Mehr als 800 bei Tdh registrierte Kinder nehmen an psychosozialen Aktivitäten teil, bei denen sie spielen, miteinander interagieren und ausdrücken können, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Tdh in Bereitschaft

Obwohl seit der Ankündigung eines möglichen Militärschlags noch kein massiver Flüchtlingsstrom verzeichnet wurde, ist Terre des hommes für unterschiedliche Szenarien vorbereitet. «Mit bereits über 500’000 syrischen Flüchtlingen in Jordanien gelangt das Land an die Grenzen seiner Kapazitäten, um adäquat auf ihre Bedürfnisse einzugehen», analysiert der Verantwortliche unseres Programms vor Ort. «Sollte sich die Situation in Syrien verschlimmern, wird die humanitäre Lage noch komplizierter werden. Auf nationaler Ebene werden derzeit Kontingentpläne und Interventionsmöglichkeiten diskutiert.»

¹Quelle: UNHCR (2.9.2013)