06.03.2013 - Nachrichten

Terre des hommes wird keine Adoptionen mehr durchführen

Seit einigen Jahren schon beobachten wir einen regelmässigen Rückgang internationaler Adoptionen. Davon betroffen sind alle Aufnahmeländer, sowohl in Nordamerika als auch Europa. Der Verbleib des Kindes in seiner leiblichen Familie, Alternativen zur Institutionalisierung der Kinder und die Zunahme nationaler Adoptionen sind teilweise für diese Abnahme verantwortlich. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel wurden 2004 rund 24’000 Kinder aus anderen Ländern adoptiert. 2011 zählte man nur noch 9300 internationale Adoptionen.

Dieser Rückgang wirkt sich auch auf das Profil der zur Adoption freigegebenen Kinder aus: Es handelt sich um ältere Kinder manchmal mit einer schweren Vergangenheit, Geschwistergruppen oder Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Behinderungen oder Krankheiten. Die Kluft zwischen dem Wunsch der Eltern, ein gesundes Kleinkind zu adoptieren und den reell für eine Adoption verfügbaren Kindern wird immer grösser. Angesichts dieser Realität der internationalen Adoption geben zahlreiche Paare ihr Vorhaben auf. Andere wenden sich in schlecht organisierten und ungenügend kontrollierten Ländern zweifelhaften oder gar betrügerischen Kanälen zu. Dank dem starken Lobbying von internationalen Organisationen wie Terre des hommes und einem Erkenntnisprozess in den Herkunftsländern der Kinder sind solche Praktiken, die deren Interesse nicht wahren, heute ebenfalls rückläufig. Es werden nun aber auch andere Wege beschritten wie die Leihmutterschaft, wo die Gefahr einer neuen Form der «Vermarktung» von Kindern droht.

Die Einstellung der Adoptionsvermittlung von Terre des hommes bedeutet nicht, dass sämtliche Aktivitäten im Bereich der Adoption aufgegeben werden. Terre des hommes wird auch weiterhin Erwachsenen, die als Kinder adoptiert wurden, auf Wunsch helfen, Nachforschungen zu ihrer Herkunft in den jeweiligen Ländern durchzuführen. Des Weiteren wird das Lobbying in der Schweiz und im Ausland für ethische, transparente, das höhere Interesse des Kindes wahrende Adoptionen fortgeführt und Terre des hommes behält auch den Beratungsdienst für Regierungen bei, um Gesetze und Verfahren im Bereich der internationalen Adoption im jeweiligen Land zu verbessern oder zu überarbeiten.

Sehen Sie sich das Interview mit Marlène Hofstetter an, Leiterin des Adoptionsdienstes von Terre des hommes, in der Sendung Mise au Point des Westschweizer Fernsehens. (Französisch)

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