03.04.2019 - Nachrichten

Vier Fragen zur Mangelernährung

Die weltweite landwirtschaftliche Produktion würde genügen, um die ganze Bevölkerung der Welt zu ernähren. Weshalb gibt es also heutzutage Mangelernährung? Während die Ungleichheiten in der Verteilung der Ressourcen und der Einfluss des Klimawandels umstritten sind, gelten die bewaffneten Konflikte und die politische Instabilität als hauptsächliche Verantwortliche der grössten Ernährungskrisen der letzten Jahre. Zum Beispiel hat der Konflikt im Südsudan die Landwirtschaftszonen in Kriegsgebiete verwandelt und einen Anstieg der Lebensmittelpreise verursacht. Mehr als die Hälfte der Einwohner des Landes leidet an Mangelernährung. Die Kinder gehören zu den verletzlichsten in den Krisen.

  1. Was ist Mangelernährung?

Entgegen der allgemeinen Überzeugung betrifft Mangelernährung nicht nur die Völker, die von Lebensmittelknappheit betroffen sind. Sie verschont auch die industrialisierten Länder nicht und betrifft Regionen, in denen eine Fülle an Nahrungsmitteln herrscht. Sie kann auch aufgrund von einem Mangel an nahrhaften Lebensmitteln sowie unangemessenen Essgewohnheiten entstehen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann Mangelernährung von einer Unterernährung kommen, gepaart mit Mangelerscheinung oder Untergewicht, oder von Übergewicht, durch das Krankheiten wie Herzleiden oder Diabetes entstehen.

  1. Welches sind die unterschiedlichen Formen von Mangelernährung?

Es gibt zwei Formen von Mangelernährung: die akute und die chronische Mangelernährung. Die erste verläuft häufiger tödlich und entwickelt sich aufgrund eines beträchtlichen Entzugs an qualitativer Nahrung, Durchfall oder Malaria. Sie kann schwer oder moderat verlaufen, auch mit körperlichen Folgeerscheinungen wie Ödemen und abgemagertem Allgemeinzustand. Die chronische Mangelernährung betrifft, wie ihr Name sagt, eine Person über eine längere Zeit, zum Beispiel aufgrund einer anhaltenden Armutssituation.

  1. Welche Folgen hat Mangelernährung für die Kinder?

Laut Unicef ist fast die Hälfte an Todesfällen von Kindern unter fünf Jahren auf der Welt auf Mangelernährung zurückzuführen. «Man spricht von einer kritischen Zeit in den ersten 1000 Tagen des Kindes, von der Geburt bis zum Alter von zwei Jahren. Eine stark mangelernährte Mutter wird dies ihrem Baby weitergeben und sich weniger gut um das Kind kümmern können», erklärt Martin Morand, Experte in Nothilfe bei Tdh. «Man stirbt selten vor Hunger, aber bei Säuglingen kann das schnell passieren. Das sind die Folgen der Mangelernährung, die am häufigsten verhängnisvoll sind. Sie setzt das Immunsystem hinunter und macht die Kinder extrem anfällig für Krankheiten wie Cholera oder Masern.» Die Mangelernährung kann auch irreversible Schäden beim Kind verursachen, wie Wachstumsverzögerungen, Abnahme der kognitiven Fähigkeiten oder Erblindung.

  1. Wie kann man Mangelernährung bekämpfen?

Vorsorge ist besser als Heilung. Eine Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit, zum Beispiel durch urbane Landwirtschaft, erlaubt es den Familien ohne Zugang zu ihrem Land aufgrund des Bürgerkriegs, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn plötzlich eine Nahrungsmittelkrise auftritt, schwächt die Verteilung von Trockenrationen die Auswirkungen für die von der Nahrungskrise betroffenen Familien ab. Aber manchmal sind Notfallmassnahmen nötig, um Kinder vor Mangelernährung zu retten. Zum Beispiel als Tausende von Rohingya-Kindern stark mangelernährt aus Myanmar in die Lager von Bangladesch geflüchtet sind, waren die medizinische Versorgung der Mütter und Kinder und die Rationen von plumpy’nut, einer Nahrungsmittelpaste mit hohem Nährwert, Teil der humanitären Hilfe für die Familien. Gleichzeitig tragen Massnahmen zu Wasser- und Sanitärversorgung, sowie die Sensibilisierung für Hygiene zum Schutz der Kinder vor Krankheiten und zur Prävention von Epidemien bei.

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Bildnachweis: ©Joergelman