Anais Guérin,
Spezialistin für Ernährungssicherheit von Tdh

« Die Vorräte reichen für weniger als eine Woche. »

Die Stadt Yei in Südsudan ist zum Gefängnis unter freiem Himmel geworden. Fast 50'000 Menschen sitzen dort in der Falle, seit in der Region Bürgerkrieg herrscht. Terre des hommes beugt mit einem Projekt für städtische Landwirtschaft der Mangelernährung vor.

„Das Hauptproblem hier ist der Zugang zu Böden. Die Bewohner versuchen den kleinsten freien Fleck in der Stadt zu bepflanzen, selbst auf Grundstücken öffentlicher Gebäude. Obwohl sich die Sicherheitslage in den Dörfern rund um die Stadt verbessert, bleibt das Risiko für gewalttätige Ausschreitungen sehr hoch.

In Yei reichen die Nahrungsmittelvorräte oft für weniger als eine Woche, solange die erste Ernte nicht begonnen hat. Die Verfügbarkeit von Saatgut und der Zugang zu landwirtschaftlichem Gerät sind vor allem für besonders bedürftige Haushalte nicht gewährleistet. Wir unterstützen deshalb 4500 gefährdete Familien, die Zugang zu Böden innerhalb der Sicherheitszone der Stadt haben, indem wir Saatgut und Werkzeug verteilen und sie in Landwirtschaftstechniken schulen.

Wir werden zudem ein Programm in Schulkantinen starten. Lebensmittelverteilungen ergänzen die urbane Landwirtschaft, denn es braucht unbedingt beides. So wird Tdh in Ergänzung zu den Rationen Trockennahrung, die täglich vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen verteilt werden, Lebensmittelgutscheine an mehr als 11’200 Kinder abgeben. Diese können auf den lokalen Märkten gegen Früchte und Gemüse und auch tierische Produkte eingetauscht werden. Das Ziel dabei ist, den Nährstoffgehalt der Lebensmittelrationen von Kindern zu erhöhen. Um den Zugang zu Obst und Gemüse zu verbessern, helfen wir auch 36 Schulen mit Gemüsegärten. Wir führen dort Ausbildungen durch und verteilen Saatgut und geeignetes Werkzeug.“