John Orlando,
Delegationsleiter in Panama

«Zentralamerika ist eine der Regionen mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate. Junge Menschen werden Opfer von Zwangsrekrutierungen durch kriminelle Banden und das organisierte Verbrechen. »

«Allzu oft ist Freiheitsentzug die einzige Antwort, die auf Straftaten gegeben wird, doch vor allem die Gefängnisse sind regelrechte ‚Verbrecherschulen‘. Hier zeigt sich, weshalb das restaurative Jugendstrafrecht unbedingt vonnöten ist.»

Neues Regionalprogramm zum Jugendstrafrecht

John Orlando erläutert die Bedeutung des neuen Regionalprogramms zum Jugendstrafrecht und zur Prävention von Gewalt und Straftaten in Zentralamerika.

«Zentralamerika wird von Experten als gefährlichste Region weltweit eingestuft. Das berüchtigte ‚nördliche Dreieck‘, das Honduras, El Salvador und Guatemala bilden, verzeichnet den alarmierenden Durchschnitt von einem Totschlag alle 43 Minuten. Damit liegt die Mordrate höher als diejenige von Ländern im Krieg. Zudem besteht eine enorme Ungleichheit zwischen Arm und Reich, die Familienstrukturen zerfallen und Kinder, die in den ärmsten Vierteln aufwachsen, werden nur unzureichend betreut. In diesem Kontext werden Kinder und Jugendliche Opfer der Zwangsrekrutierung durch kriminelle Banden und, schlimmer noch, durch das organisierte Verbrechen. Die Justizsysteme neigen dazu, sehr strenge Strafmassnahmen anzuwenden, die der Resozialisierung wenig dienen. Kinder, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, erhalten allzu oft Freiheitsstrafen, doch in den Gefängnissen erwarten sie regelrechte ‚Verbrecherschulen‘. Da es keine eigentlichen Wiedereingliederungsprogramme gibt, laufen die Kinder schliesslich grosse Gefahr, als Erwachsene rückfällig zu werden.

Der von Tdh befürwortete Ansatz des restaurativen Jugendstrafrechts kommt hier zur Bedeutung. Die Idee dahinter ist, öffentliche Institutionen darin zu unterstützen, die Rechtsprechung, die Prävention von Jugendgewalt und die Betreuungsprogramme für Kinder zu verbessern –  all das unter Berücksichtigung eines Grundprinzips von Tdh, das darauf beruht, nicht die Verantwortung von Staaten zu übernehmen. Tdh begleitet die Reform der Justizsysteme, bis Letztere mit der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen und den zahlreichen damit in Zusammenhang stehenden internationalen Normen und Richtlinien in Einklang stehen.»