Abdoul, 15 Jahre alt,
ein Beispiel für die Reintegration in Mali

Abdoul, ein 15-jähriger Junge, kann sich mit der Unterstützung von Tdh gegen eine riskante Auswanderung nach Europa entscheiden

Terre des hommes (Tdh), seit 2012 in Mali vertreten, schützt Kinder vor den Risiken einer Migration. Wir machen auf die Risiken, die eine Migration mit sich bringen kann aufmerksam und zeigen andere mögliche Alternativen. Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder den Zugang zu ihrem Recht behalten und schlagen wo immer möglich alternative Lösungen vor. Dadurch können wir die Risiken reduzieren, denen diese Kinder ausgesetzt sind und helfen ihnen, wenn sie sich in Schwierigkeiten befinden.

Der junge Abdoul wollte nach Europa auswandern. Er lebte in Armut in einem Dorf im Norden Malis. Von Gao, einer Stadt in einem Transit- und Kerndistrikt, wollte er seine Reise nach Libyen fortsetzen. Terre des hommes und ihre Partnerorganisation haben ihn aufgehalten und sicherere und vielversprechendere Alternativen aufgezeigt.

In Gao hielt er sich zunächst bei einem Koran-Lehrer auf, der ihn aber als Bettler ausbeutete. Er lief vor diesem Mann weg und suchte bei seinem Onkel in derselben Stadt Zuflucht. Danach arbeitete er auf dem Markt und als Metzgerlehrling, um etwas Geld zu verdienen, damit er die Reise nach Libyen bezahlen konnte. „In meinem Dorf sah ich viele junge Menschen, die nach Europa ausgewandert waren und mit viel Geld zurückkamen. Sie konnten großartige Dinge für ihre Familien tun und haben ihren Eltern wirklich sehr geholfen“, erklärt er.

Lesen und Schreiben lernen und eine Ausbildung absolvieren als Alternative zu einer riskanten Migration

Abdoul hat in erster Linie Lesen und Schreiben und einfache Lebenskunde gelernt. Später konnte er eine Berufsausbildung absolvieren und hat das Schneiderhandwerk erlernt. Nach Abschluss dieser Ausbildung rüstete ihn das Projekt von Tdh mit einem Starter-Kit und einem Betriebskapital aus, damit er das neu erlernte Gewerbe aufbauen und ausüben konnte.

Diese Unterstützung hat es dem jungen Mann schlussendlich ermöglicht, seine Idee einer riskanten Migration nach Europa aufzugeben und sich auf eine einträgliche Tätigkeit vor Ort zu konzentrieren. Heute verdient Abdoul pro Tag rund 1’500 CFA, das sind 15’000 CFA pro Monat (das entspricht etwa 26 CHF pro Monat). „Dank diesem Job kann ich meinen Eltern Geld ins Dorf schicken und kann sogar immer noch etwas auf die Seite legen!“ erzählt er dankbar.

Seit dem Start des Projekts in Mali im November 2016 haben mehr als 230 junge Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft in Gao individuelle soziale Unterstützung erhalten. 103 Personen wurden ausgebildet und konnten sozioökonomisch wieder integriert werden.

Der "Hope Point"

Einmal pro Woche besuchen junge Menschen, die in der Vergangenheit vom Projekt profitiert haben und andere Kinder aus der Stadt den sogenannten Hope Point, einen geschützten Gemeinschaftsraum, der von Tdh in Zusammenarbeit mit den Gemeinden eingerichtet worden ist. Dort erfahren sie mehr über die Rechte der Kinder, über Risiken und Chancen der Migration sowie über Gefahren in ihrer Umgebung. Abdoul besucht den Hope Point in seinem Distrikt nach wie vor. „Durch die Teilnahme an den Aktivitäten lerne ich, wie ich mich und meine Freunde schützen kann“, erzählt er verantwortungsvoll.

Dieser Junge träumt nicht mehr davon, Mali zu verlassen um auszuwandern. Er hat sich in der Stadt Gao niedergelassen. „Heute bin ich ein angesehener Schneider und kann gleichzeitig meine Eltern unterstützen“, sagt er stolz.