COVID-19
Die Pandemie bedroht gefährdete Familien.
28.01.2020 - Pressemitteilungen

IS Kinder nach Hause bringen

4640 Kinder reisten allein oder mit ihren Familien in den Irak oder nach Syrien, um sich dem Islamischen Staat anzuschliessen. Seit dem Niedergang der Terrormiliz leben viele von ihnen unter erbärmlichen Bedingungen in Vertriebenenlagern. Diese Kinder wurden nicht nur Opfer von Rekrutierung oder Menschenhandel, sie erlebten auch extreme Gewalt und Indoktrination. Die Kinderhilfsorganisation Terre des hommes ruft die betroffenen Staaten dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die Rechte dieser Kinder dringend zu gewährleisten.

Seit der Ausrufung des Kalifats des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Jahr 2014 sind Staatsangehörige aus über 80 Ländern in den Irak und nach Syrien gereist, um sich der Terrorgruppe anzuschliessen. Kinder wurden gegen ihren Willen mitgenommen oder rekrutiert und dazu benutzt, Waffen zu tragen, strategische Orte zu bewachen oder gar Zivilisten zu verhaften. Sie wurden auch Opfer von sexueller Gewalt und Zwangsheiraten oder für Selbstmordattentate missbraucht.

Trotz der Niederlage des IS ist der Alptraum dieser Kinder noch nicht zu Ende: 2019 starben im Lager Al-Hol in Nordsyrien, in dem die meisten Vertriebenen aus vom IS besetzten Gebieten und Angehörige von Dschihad-Kämpfern untergebracht sind, 371 Kinder infolge der erbärmlichen Lebensbedingungen.

Das Recht auf Rückkehr

Ungeachtet ihrer Rolle, ob sie rekrutiert wurden oder ihre Eltern beim IS mitwirkten, haben diese Kinder Rechte, die in der Kinderrechtskonvention festgehalten sind. Staaten wie die Schweiz, die das Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten ratifiziert haben, sind verpflichtet, von diesen Gruppen rekrutierte Kinder zu demobilisieren und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu gewährleisten.

Terre des hommes (Tdh) ermahnt die zuständigen Behörden, die internationale Verantwortung ihren Bürgerinnen und Bürgern gegenüber wahrzunehmen und diese in ihre Heimatländer zurückzuführen, insbesondere auch Kinder. Die Staaten müssen ihre Rehabilitation erleichtern. Sie müssen sicherstellen, dass Kinder nicht von ihren Eltern getrennt werden, es sei denn, dies liegt in ihrem Interesse, und sie niemals allein aufgrund ihrer Verbindung oder Zugehörigkeit zu einer terroristischen Gruppe als Kriminelle behandelt werden.

Um mehr über die Situation von Kindern in bewaffneten Gruppen und über ihre Rechte zu erfahren sowie die Empfehlungen von Tdh und ihren Partnern kennen zu lernen, lesen Sie unser Positionspapier: «Die Kinderrechte als Ausgangspunkt für die Rückführung von IS-Kindern».

 

Bildnachweis: ©Tdh/François Struzik