01.02.2016 - Pressespiegel

"Das Tragische ist, dass nichts getan wurde"

Letztes Jahr sind in Europa mehr als 10.000 Flüchtlingskinder verschwunden. Leider werde im Moment so getan, als ob das ein neues Phänomen sei, beklagt Marc Kempe von Terre des hommes. Dabei bestehe das Problem bereits seit Jahren - und nichts wurde getan.

Bei vielen von ihnen verliert sich die Spur unmittelbar nach ihrer Registrierung - Kinder, die ohne Begleitperson nach Europa geflohen sind und dann dort schwinden. Mehr als 10.000 waren es laut Europol im vergangenen Jahr. Das Problem gibt es allerdings schon länger als die aktuelle Debatte suggeriert, sagt Marc Kempe von Terre des hommes.

"Was uns besonders trifft, ist, dass man jetzt so tut, als wäre das etwas Neues. Die Medien interessieren sich plötzlich", so Kempe im Deutschlandradio Kultur. Dabei habe man bereits 2008 und 2010 in entsprechenden Studien auf das Verschwinden von Flüchtlingskindern aufmerksam gemacht. "Das Tragische ist, dass nichts getan wurde." Viele von ihnen seien Opfer von Menschenhändlern geworden. "Man weiß, dass sie in Kinderarbeit gekommen sind - im schlimmsten Falle auch in die Kinderprostitution."

Häufig kämen die jungen Flüchtlinge bereits vor ihrer Ankunft mit entsprechenden Banden in Kontakt. Diese verlangten von den Kindern Gegenleistungen, um ihre Überfahrt zu bezahlen und lauerten ihnen dann in der Nähe der Registrierungszentren auf. Um dies zu durchbrechen, müsse man vor allem Perspektiven schaffen - "damit das Kind nicht erst Monate später weiß, ob es überhaupt in Europa bleiben kann." Kempe: "Ich renne doch nur weg, wenn ich in dem Aufnahmezentrum gar keine Perspektive sehe - und draußen vor der Tür jemanden habe, der sagt: 'Ich geb Dir Geld, auch wenn das für eine schlimmere Tätigkeit ist'."

Das vollständige Interview finden Sie hier.

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