18.11.2016 - Pressespiegel

Eine Schulklasse aus Schlieren schrubbt Schuhe für den guten Zweck

Zum Tag der Kinderrechte machte eine Schulklasse Zürcher Passanten auf die Ausbeutung von arbeitenden Kindern aufmerksam. Dafür machen die Schüler und Schülerinnen auch ihre Hände schmutzig.

Ein 12-jähriger Knabe kniet am Boden und schrubbt emsig am linken Schuh eines Herrn herum. Ein Bild, das viele aus Reiseberichten oder eigenen Reiseerfahrungen kennen. Doch auf die Pflastersteine des Zürcher Stauffachers passt die Szene eigentlich nicht.

Vorbeigehende sind entrüstet vom Anblick des Schülers, der sich im strömenden Regen an den Schuhen des Fremden zu schaffen macht. «Der putzt dem die Schuhe», flüstert eine Frau ihrer Kollegin zu. Andere zücken ihr Natel und halten das irritierende Schauspiel digital fest.

Edian, der knieende Jugendliche, hätte heute Vormittag eigentlich im Schlieremer Schulhaus Kaltkarren Unterricht gehabt. Die Schuhputz-Bürste drückten ihm und seinem Kameraden Marco ihre eigenen Lehrer, Kristina Förstel und Roland Linsi, in die Hand. Mit der Aktion wollen die beiden im Vorfeld des internationalen Tags der Kinderrechte auf das Problem Kinderarbeit aufmerksam machen.

Auch Edian und Marcos Klassenkameraden sind am Stauffacher präsent und verkaufen für das Kinderhilfswerk Terre des hommes Erdnuss-Säckli, um den Erlös in Projekte fliessen zu lassen, die Minderjährige auf der Flucht vor Ausbeutung schützen.

Das Kalktarrer Lehrerteam beteiligt sich mit Erstsek-Schülern seit zwölf Jahren an der jährlich von der Hilfsorganisation organisierten Aktion. «Die Schüler wurden durch eine Fachperson von Terre des hommes über die Gründe und Auswirkungen von Kinderarbeit informiert und übten ihren Auftritt auf der Strasse anschliessend mittels Rollenspielen», sagt Linsi.

Putzen als Aufklärungsaktion

Die Strassenaktion mache auf die Thematik der Ausbeutung von Kindern durch Arbeit aufmerksam, sagt Lisa Flückiger, Medienbeauftragte für Terre des hommes. Jugendliche erlebten dabei selbst einmal, was es heisst, auf der Strasse Schuhe putzen zu müssen und würden gleichzeitig die Bevölkerung sensibilisieren. Viele der weltweit arbeitenden Kinder und Jugendlichen würden arbeitsrechtlich oder sexuell ausgebeutet oder müssten gesundheitsschädigenden Arbeiten nachgehen.

Trotz Regens und Kälte bleiben die Leute am Stauffacher stehen und kaufen den Schlieremer Mädchen und Knaben fleissig Erdnüsse ab. «Die Leute gehen uns aus dem Weg, wenn sie uns sehen. Deshalb müssen wir auf sie zugehen und sie ansprechen», sagt João. Von den Schülern die Schuhe putzen lassen sich nur wenige.

Aber Marco und Edian bleiben hartnäckig. «Mitten auf der Strasse einer fremden Person die Schuhe zu putzen, ist komisch», sagt Marco. Da gefalle ihm die Schule besser.

Zum Artikel in der Limmattaler Zeitung.