08.11.2016 - Pressespiegel

Wertvoller Zeitgewinn für herzkranke Kinder

Terre des hommes verhilft Kindern aus Afrika zu lebensrettenden Operationen in der Schweiz. Dank der neuen Software CASEnet hat sich nicht nur die Arbeit für das Hilfswerk vereinfacht. Vom beschleunigten Verfahren profitieren insbesondere die bedürftigen Kinder.

«Schauen Sie, alles leer!» Alexandre Favini öffnet eine der Schubladen, die bis vor wenigen Monaten noch bis obenhin gefüllt war mit Dossiers, Papieren und Akten. Seine Begeisterung ist spürbar. Er deutet mit einer kreisenden Handbewegung durchs Büro und legt nach: «Endlich haben wir wieder Platz.» Dass die Aktenberge in den Büros der Sozialarbeiter von Terre des hommes kleiner geworden sind, haben sie der Software CASEnet zu verdanken. Dies ist aber der weniger bedeutende Vorteil der Neueinführung im Oktober 2015. Der viel wichtigere ist, dass jährlich Hunderte von Kindern schneller zu lebensrettenden Operationen in der Schweiz kommen.

RETTENDE REISE ZURÜCK INS LEBEN
Terre des hommes unterstützt als führendes Schweizer Hilfswerk mit seinen Projekten in über 30 Ländern jährlich mehr als zwei Millionen Kinder und Familien in den Bereichen Gesundheit und Kinderschutz. Unter dem Begriff «Spezialbehandlungen» macht Terre des hommes eine Ausnahme und lässt hilfsbedürftige Kinder, die an Herzfehlern leiden, nach Europa reisen. Hier werden sie operiert und behandelt. In der Schweiz werden die Kinder vor und nach ihrem Spitalaufenthalt in das von Terre des hommes Valais geführte Pflegeheim «La Maison» in Massongex (VS) gebracht. Professionelle Pflegeteams und Erzieherinnen umsorgen und pflegen die kleinen Patienten, bis diese ihre Rückreise zu ihren Familien antreten können. Dort sorgen lokale Mitarbeitende und Partner des Hilfswerks dafür, dass sich die Kinder gut entwickeln. Jedes Jahr wohnen über 200 Kinder aus westafrikanischen Ländern vorübergehend in Massongex.

EINE BÜROKRATISCHE MEISTERLEISTUNG
Alexandre Favini ist einer der Koordinatoren dieses Programms. Vom Sitz in Lausanne aus unternimmt er alles, damit die Kinder ihre Reise nach Europa antreten können und alle Voraussetzungen für die Behandlungen erfüllt sind. Welch administrativer Aufwand hinter den Spezialbehandlungen steckt, können Unbeteiligte nur erahnen. Der Sozialarbeiter zählt auf: «Wir brauchen von jedem Kind alle wichtigen Informationen – von der Krankengeschichte über die Diagnose bis hin zu medizinischen Berichten, Informationen über die Herkunft ihrer Familien sowie die Dokumentation über alle Ereignisse während ihres Behandlungsaufenthalts und auch nachher.» Seit Oktober unterstützt ihn die Software CASEnet dabei. Ein Quantensprung im Vergleich zur alten Praxis. Favini dazu: «Früher arbeiteten wir mit Excel-Tabellen und einer alten Buchhaltungssoftware. Wichtige Akten hatten wir oft nur in Papierform.» Das führte manchmal so weit, dass Kinder auf der Reise nach Europa wichtige Dokumentationen wie medizinische Berichte oder Röntgenbilder von anderen potenziellen Patientenkindern im Reisegepäck mitführten.

EIN INSTRUMENT FÜR ALLE BETEILIGTEN
Ein System, das nicht länger tragbar war. Und so entschied Terre des hommes 2014, ein speziell auf die Bedürfnisse des Hilfswerks zugeschnittenes Arbeitsinstrument erarbeiten zu lassen. Den Ausschlag für CASEnet von Diartis gab die jahrelange Erfahrung des Unternehmens bei IT-Lösungen im sozialen Bereich. Die Software führt in jeweils sechs Schritten durch jeden Fall: Von der Eingabe persönlicher Daten des Kindes über medizinische Daten, die Reisedokumentation, Informationen zur Behandlung bis hin zur Rückreise und die Nachbetreuung im Heimatland. Als Projektleiter kennt Alexandre Favini das Programm in und auswendig: «Der grosse Vorteil ist, dass alle Beteiligten mit derselben Software arbeiten und somit auf alle Informationen Zugriff haben. Alles ist digitalisiert und schnell auffindbar, das spart wichtige Zeit zugunsten der Kinder.»

SCHNELL, ÜBERSICHTLICH, GRENZÜBERGREIFEND
Mit CASEnet arbeiten derzeit rund 40 Mitarbeitende von Terre des hommes: Ärzte in Afrika und Europa, das Pflegepersonal in Massongex sowie Mitarbeitende im In- und Ausland haben jederzeit Einsicht in die Dossiers. Die Software schlägt Alarm, etwa wenn ein Visum oder ein Reisepass eines Kindes abläuft. Weitere Funktionen wie ein Tagebuch mit Berichten von freiwilligen Helfern, eine Kalenderfunktion mit den täglichen Ereignissen oder aufschlussreiche Statistiken machen CASEnet nicht nur zu einer umfassenden Datenbank, sondern auch zum interaktiven und grenzüberschreitenden Arbeitsinstrument. Die nächste Herausforderung für das Team rund um Alexandre Favini wird es sein, Fälle aus der Vergangenheit ebenfalls in CASEnet zu erfassen und damit zu digitalisieren. Der Papierberg in den Lausanner Büros wird also in Zukunft noch kleiner werden.

 

Dieser Artikel erschien im Original im DiartisInfo Magazin, Ausgabe November 2016.

Verlinkte Tags
Zurück zur seite "Presse"