Kinderehen zerstören die Kindheit.

Terre des hommes arbeitet in Jordanien und Libanon, um Flüchtlingsmädchen vor Frühehe und Schwangerschaft zu schützen.

Zu viele Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Meistens zwingt man sie, eine Ehe einzugehen, die sie nicht gewählt haben. Schulabbruch oder häusliche Gewalt gehören zu den negativen Folgen und Schwierigkeiten, denen sie begegnen. Terre des hommes arbeitet mit syrischen Flüchtlingen und Gastgemeinschaften in Jordanien und Libanon, um Frühehen vorzubeugen und verheirateten Mädchen zu helfen.

 

Um das Problem der frühen Verheiratung von Flüchtlingsmädchen anzugehen, haben wir die Sozialarbeiterin Dr. Aisha Hutchinson der Universität Bedfordshire in England beauftragt, eine dreijährige Studie zu jungen Frauen durchzuführen, die bei der Heirat jünger als achtzehn waren. Ziel der Studie ist es, den Hergang und die Erfahrungen dieser in Flüchtlingsgemeinschaften lebenden Mädchen besser zu verstehen. Dr. Aisha Hutchinson führt dazu in Jordanien und Libanon Fokusgruppen-Interviews mit Mädchen, Jungen, Eltern und Religionsführern. Sie spricht die Problematik der Frühehe an und untersucht Schutzfaktoren, die die Risiken für Mädchen in solchen Situationen mindern könnten.

 

Warum verheiraten Eltern ihre Töchter so jung?

Studien zufolge gibt es unterschiedliche Faktoren wie Armut, Geschlechterungleichheit und fehlende Bildung, die Eltern dazu bringen, ihre Töchter in jungen Jahren zu verheiraten. Zahlreiche Berichte zeigen, dass die Zahl der Kinderheiraten infolge der Syrienkrise stark gestiegen ist. Für Flüchtlingsfamilien, insbesondere Grossfamilien, bedeutet die Verheiratung der Töchter eine finanzielle Entlastung und wird als Schutzmassnahme betrachtet. Eltern glauben nämlich, dass für die Mädchen gesorgt sein wird und sie von den Ehemännern und Schwiegereltern Schutz erhalten. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus.

 

Kinderheirat bedeutet gestohlene Kindheit

Mädchen, die früh heiraten, brechen gewöhnlich die Schule ab. Die 15-jährige Maya akzeptierte einen Heiratsantrag, weil sie mit ihrer Mutter und drei Geschwistern ohne Vater in Armut lebte und die Familie ihres künftigen Mannes ihr erlauben wollte, zur Schule zu gehen. Doch die Schule lehnte sie wegen ihres Zivilstandes ab.

Viele früh verheiratete Paare leben mit der Familie des Mannes in beengten Verhältnissen. Zu den Problemen der Mädchen gehören häusliche Gewalt, frühe Risikoschwangerschaften und Depressionen. Zusätzliche Unsicherheit entsteht bei der Säuglingspflege. Ein Mädchen erzählte uns, sie liebe ihr Baby nicht, weil es aus einer Zwangsheirat stamme. Wir halfen ihr, ihre Tochter zu akzeptieren und für sie zu sorgen. Ein Jugendlicher schlug seine junge Frau, wenn das Baby schrie.

 

Was tun wir zur Unterstützung dieser Mädchen?

Um diese gravierenden Probleme zu bekämpfen und Frühehen vorzubeugen, arbeiten wir mit Scheichs zusammen – Religionsführern mit einer einflussreichen Stellung in der Gemeinschaft –, die sich dazu verpflichtet haben, Informationen zum Kinderschutz zu vermitteln. Mit ihren Gemeinden besprechen sie Themen wie Gewalt gegen Kinder sowie die Risiken von Kinderehen. Auf diese Weise haben sie bereits mehr als 13‘000 Menschen erreicht.

Wir klären die Mädchen über ihre Rechte und die Empfängnisverhütung auf, verbessern ihre Fähigkeiten (auch in der Kinderbetreuung, wenn sie bereits Kinder haben) und unterstützen Netzwerke, die Frühehen bekämpfen. Zudem helfen wir Familien beim Aufbau von Einkommen schaffenden Aktivitäten, um einer frühen Verheiratung von Töchtern aus wirtschaftlichen Gründen entgegenzuwirken.

 

Entdecken Sie unsere Webdoku über Frühehen im Libanon

 

Frühehe und Krieg überleben: Die 18 Jahre alte Lely stellt sich als «Frühehe-Überlebende» vor. Sie schon viele jung verheiratete Mädchen an Tdh verwiesen.

Lely, früh verheiratet und vom Krieg in Syrien geflüchtet

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