Gastfamilien für schutzbedürfige Kinder

Im Rahmen des Projekts „Gastfamilien” werden schutzbedürftige Kinder vorübergehend in einer Familie aufgenommen. Die Kinder profitieren von einem Umfeld, das sie willkommen heisst und ihnen Stabilität bietet, was sich positiv auf ihr Wohlergehen und ihre Entwicklung auswirkt. Sie erhalten ausserdem psychosoziale Unterstützung von Sozialarbeitern.

Erfahrungen zeigen weltweit, dass Anstaltsfürsorge im Normalfall dem Aufwachsen und der Entwicklung der Kinder nicht dienlich ist, und Kinder unter fünf Jahren leiden besonders darunter. Ausserdem ist Kinderfürsorge in Anstalten teurer und die Kinder profitieren weniger verglichen mit einem umfassenderen Ansatz, bei dem die Kinder innerhalb einer Familie Unterstützung erhalten. Das hat in einer steigenden Anzahl Entwicklungsländern zu einer grösseren Bereitschaft geführt, Alternativen zu den Anstalten zu finden.

 

Seit 2009 bemüht sich Terre des hommes, Angebote für die Betreuung in Familien als Alternative zu fördern. Der Schwerpunkt liegt besonders auf der Gründung von offiziellen Pflegefamilien in sechs Ländern: Nepal, Haiti, Togo, Benin, Nigeria und Myanmar. Als Terre des hommes anfing, formelle Pflegefamilien in Entwicklungsländern als mögliche Lösung anzubieten, waren in diesem Bereich keine anderen Akteure tätig.

 

Ein familiäres Umfeld anbieten

Als Mitglied einer Gastfamilie haben die Kindern die Möglichkeit, in einem geschützten Umfeld aufzuwachsen. Wir verbessern so ihre Situation im Allgemeinen und helfen den schutzbedürftigen Kindern, die von Ausbeutung, Menschenhandel und Misshandlung betroffen sind. Dadurch, dass die Kinder in einem geschützten Umfeld integriert werden, können Sozialarbeiter ihre psychosoziale Rehabilitation durch persönliche soziale Betreuung ermöglichen. Da uns bei allen Aktionen die Teilnahme der Kinder am Herzen liegt, werden Familien und Sozialarbeiter speziell so ausgewählt, dass die Kinder bei allen Entscheidungen miteinbezogen werden.

Verstärkung der Schutzsysteme

 

Unser Projekt stützt sich auf die Verstärkung der Schutzsysteme in ihrer Gesamtheit. Wir schaffen Synergien zwischen den Akteuren der Schutzeinrichtungen des Gemeindewesens und der Institutionen, indem wir sie ausbilden und sie in Bezug auf die Problematik bei schutzbedürftigen Kinder sensibilisieren. In Benin beispielsweise wurden Departementsangestellte betreffend dem Code de l’Enfant et la Politique Nationale de Protection von 2017 (nationales Gesetz betreffend Schutz der Kinder) ausgebildet. Im selben Jahr wurde in Nigeria die Kapazität der Akteure für die Führung von vier psychosozialen Räumen für Kinder in schwierigen Verhältnissen verstärkt.

 

Ein langfristiges Konzept, das verschiedenen Situationen angepasst werden kann

Das Projekt „Gastfamilien” ist eine langfristige Initiative. In Benin und Myanmar beispielsweise wird das Projekt auf nationaler Ebene eingeführt. Dieses erfreuliche Resultat bestätigt unsere Aktion, indem es das Projekt „Gastfamilien” als eine effiziente Alternative zur Betreuung von schutzbedürftigen Kindern in Anstalten anerkennt. Mit diesem innovativen und dynamischen Projekt gibt es verschiedene Möglichkeiten: Es kann entsprechend Kontext angepasst werden und richtet sich an Kinder in verschiedensten schwierigen Situationen, wie Notsituationen oder Krieg, oder an Kinder, die den Kontakt mit ihrer Familie verlieren und allein sind. Gastfamilien können so vorübergehend ihren Bedürfnissen gerecht werden und ihnen ein sicheres Umfeld bieten, bis eine langfristige Lösung gefunden wird.