COVID-19
Die Pandemie bedroht gefährdete Familien.

Gravit’eau: sich mit selbstregeneriertem Wasser die Hände waschen

Mobile Stationen zum Händewaschen, die ein System von Selbstregenerierung des Wassers beinhalten – das ist die Idee, die Tdh und die Gravit'eau Association mit Partnern entwickelt, um dem Wassermangel im Zusammenhang mit Krisen die Stirn zu bieten.

Entwickelt als Pilotprojekt in einem Vertriebenenlager in Nigeria, hat die Innovation Gravit’eau es mehr als 400 Kindern erlaubt, sich jeden Tag die Hände zu waschen. So wird die Ausbreitung von Krankheiten und Epidemien verringert.

 

Was ist Gravit’eau?

 

Gravit’eau, das sind mobile Stationen zum Händewaschen, die dank einem System von Selbstregenerierung eine sehr begrenzte Menge an Wasser verwenden. Das schmutzige Wasser wird in ein Reservoir umgeleitet und dann automatisch durch eine Membrane gefiltert. Das System funktioniert dank der Schwerkraft; die Technologie erlaubt die Wiederverwendung des Wassers ohne Elektrizität, ohne komplexen Unterhalt und ohne dauernde Zugabe von Chemikalien. Die Membranfiltration ist so fein, dass sie weder Bakterien noch Viren durchlässt. Die AnwenderInnen können das Wasser dank einer Fusspumpe fliessen lassen, um sich die Hände zu waschen.

 

«Durch das Händewaschen können 50% der Fälle von Durchfall und von Lungenentzündungen bei Kindern verhindert und die Ausbreitung von infektiösen Krankheiten und Epidemien wie Cholera oder Ebola beträchtlich gebremst werden. Mit Gravit’eau haben wir eine Lösung entwickelt, die einfach anzuwenden ist», erklärt Bruno Pascual, unser Spezialist für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene in der Nothilfe.

 

Pilotphase in einem Vertriebenenlager

 

In Nigeria wurde das Projekt erstmals eingeführt. Im Nordosten des Landes hat der Konflikt der Regierung gegen Boko Haram und andere bewaffnete Gruppen im Jahr 2009 begonnen. Dies hat eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. Aufstände und politische Gewalt haben Grossteile der Bevölkerung in Vertriebenenlager umgesiedelt. Dort sind lebenswichtigen Bedürfnisse nicht gedeckt. Die Wasserressourcen sind stark limitiert und vor allem für die Körperhygiene und die Ernährung bestimmt.

 

Prototypen von Gravit’eau wurden im Vertriebenenlager von Mafa im Bundesstaat Borno in Ausbildungsräumen für Kinder installiert. Bis 100 Kinder können stündlich ihre Hände waschen, indem sie durchschnittlich nur 2 ml Wasser für einmal Händewaschen verwenden. Das Wasser der Station muss nur einmal pro Monat gewechselt werden und die Installation benötigt wenig Unterhalt, was in diesem Kontext sehr wichtig ist.

 

Wirkung und Perspektiven

 

Die ersten Resultate der Pilotphase zeigen die Relevanz des Projekts, das auch in grösserem Umfang mit technischer Perfektionierung funktionieren würde. Um eine verbesserte Verwendung zu gewährleisten, sensibilisieren und informieren wir die AnwenderInnen über die Vorteile und über das Vorgehen. Neben dem Händewaschen werden auch andere Anwendungsmöglichkeiten dieser Filtrationstechnologie für grössere Mengen an Wasser entwickelt, speziell für die Behandlung von Haushaltsabwasser, die in der Küche oder für die Körperhygiene verwendet werden.

 

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