Nothilfe Rohingya
Mehr als 360'000 Kinder, die Opfer von Gewalttaten wurden, sind nach Bangladesch geflüchtet. Sie brauchen dringend Nothilfe

Restauratives Jugendstrafrecht in Lateinamerika

Wir setzen uns für eine Reform der Justizsysteme ein, damit Kinder eine erzieherische Massnahme erhalten, anstatt einer Gefängnisstrafe, und helfen ihnen, mit professioneller Unterstützung einen Neustart in ihren Gemeinschaften zu wagen.

Einführung von kindergerechten Justizsystemen in Lateinamerika

Brasilien, Ecuador, Haiti, Kolumbien, Nicaragua, Panama, Peru

Lateinamerika ist eine der am stärksten von Gewalt betroffenen Regionen weltweit, 41 der 50 gewalttätigsten Städten liegen auf dem Kontinent. Drogenhandel, Bandengewalt und Menschenhandel gehören zu den Hauptursachen und wirken sich überdurchschnittlich schlecht auf arme Gemeinschaften und insbesondere deren Kinder aus. Mehr als 50 Prozent aller Mordopfer in Brasilien sind Kinder.

Zerrüttete Familien, ein Mangel an Schulbildung und Möglichkeiten, Ungleichheit und Ausbeutung tragen ebenso dazu bei, dass Kinder Opfer oder Urheber von Gewalt werden. Zusammen mit einem harten Vorgehen gegen Kriminalität, das bereits leichte Vergehen mit langen Haftstrafen ahnden kann, entsteht ein Teufelskreis – denn im Gefängnis werden die Kinder häufig noch stärker in die Kriminalität hineingezogen.

Terre des hommes ist treibende Kraft hinter der Einführung von Justizsystemen in Lateinamerika, die auf dem besten Interesse der Kinder und ihrer Gemeinschaften gründen. Wir plädieren für alternative Strafmassnahmen, bei denen die Verursacher ihren Opfern und ihren Gemeinschaften eine Wiedergutmachung leisten müssen, anstatt im Gefängnis inhaftiert zu werden. Dies ermöglicht ihnen – zusammen mit einer Schul- oder Berufsausbildung –, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden und sich eine Zukunft abseits der Gewalt aufzubauen. So wurden zum Beispiel in Peru nur 6.4 Prozent der 2'500 jungen Peruaner, die in den vergangenen zehn Jahren im Jugendjustiz-Projekt involviert waren, rückfällig.

Wir unterstützen Kinder, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, durch Mediation und Rechtsbeistand.

Zudem schult Tdh die Hauptakteure des Justizsystems, wie Richter, Polizisten, Staatsanwälte und das Gefängnispersonal, damit das System den Bedürfnissen von Kindern angepasst und eine angemessene Behandlung von straffällig gewordenen Kindern sichergestellt wird. Gemeinsam mit diesen Akteuren sowie mit Schulen, Familien und Kindern arbeiten wir an der Prävention von gewalttätigem Verhalten. So schulten wir 2015 allein in Ecuador 1400 Akteure des dortigen Justizsystems.

Von unserem Regionalbüro in Panama aus setzen wir uns für die Einführung von restaurativen Jugendjustizsystemen in der ganzen Region ein.

Ein kindliches Gesicht, doch die Arme bereits voller Narben: Als Minderjähriger wurde Paolo wegen schwerer Gewalttätigkeit zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Paolo, junger Häftling im Gefängnis von Tipitapa

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