SIMSONE

Durch das Tdh Projekt SIMSONE (SIM wie Simulation, SONE wie Sichere Obhut durch Fachpersonal und Neugeborenen Erstversorgung), schulen wir Hebammen und Gesundheitspersonal in ländlichen Gebieten von Afrika und Asien, um nachhaltige Verbesserungen bei der Qualität der Geburtshilfe zu erreichen.

 

In isolierten Regionen mit chronischer Armut ist der Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung, vor allem bei der Geburtshilfe, äusserst beunruhigend. Aufgrund eines Mangels an gut ausgebildetem Gesundheitspersonal können viele schwangere PatientInnen vor und bei der Geburt nicht angemessen betreut werden. Müttersterblichkeit ist hauptsächlich auf nachgeburtliches Verbluten und Hypertonie zurückzuführen, während Säuglingssterblichkeit meistens durch Geburtsstillstand, Unterversorgung mit Sauerstoff (Asphyxie) und Komplikationen bei Frühgeburten verursacht wird. Das Ziel des Projekts ist es, solche Zustände entsprechend zu verbessern.

In den erwähnten Gebieten ist der Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung schwierig und Mütter und deren Babys sind während der Geburt besonders gefährdet. Tdh setzt sich für das Überleben und Wohl von Mutter und Kind ein. Aufgrund dieser Tatsachen haben wir ein perinatales Gesundheitsprogramm in Mali entwickelt, um Totgeburten und die Sterberate von Neugeborenen und Müttern zu reduzieren.

 

Ein erfolgreiches Pilotprojekt

Unser SIMSONE-Pilotprojekt wurde im Macina Gesundheitsdistrikt von Mali zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017 getestet und wird heute weitergeführt. «Mali ist eines der Länder, in denen es am gefährlichsten ist, zu gebären. Es gibt nur drei Gesundheitsfachkräfte auf 10’000 Einwohner. Die Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen und Müttern gehört zu den höchsten der Welt. Fast 60% der Geburten werden nicht ordnungsgemäss betreut, in einigen abgelegenen Gebieten sind es 99%», erklärt Riccardo Lampariello, Leiter des Gesundheitsprogramms von Tdh. Während dieser Testphase waren die Resultate mehr als überzeugend. Während eines Jahres hat eine mobile Einheit von SIMSONE mit zwei Hebammen 68 Gesundheitsarbeiter in den 21 Gesundheitszentren des Distrikts geschult.

Die externe Evaluierung des Projekts von dem Swiss Tropical and Public Health Institute zeigt aus, dass das Leistungsniveau im praktischen Bereich des Gesundheitspersonals der Gesundheitszentren von 37.4% auf ermutigende 82.8% massiv gesteigert werden konnte. SIMSONE hat zu erstaunlichen Verbesserungen bei der Erkennung und der Handhabung von nachgeburtlicher Blutung, Unterversorgung mit Sauerstoff von Neugeborenen und der Gewichtsüberwachung bei Säuglingen geführt. Diese Ergebnisse führten dazu, dass Tdh 2018 mit dem Balzan-Preis ausgezeichnet wurde. Mit dieser renommierten Auszeichnung, die mit einem Budget von einer Million Schweizer Franken dotiert ist, konnte das SIMSONE-Ausbildungsmodell auf die gesamte Region Segou in Mali ausgedehnt werden.

 

Ausbildung von Gesundheitspersonal zur Verbesserung der Situation

Da die Qualität der Geburtshilfe von den Fähigkeiten des Gesundheitspersonal abhängt, ist es wichtig, dass Kompetenzen durch regelmässige Weiterbildung weiterentwickelt und erhalten werden. Die praktische Schulung kann an Modellen geübt werden, um Abläufe zu erlernen und zu verbessern, damit Mütter ihre Kinder sicher zur Welt bringen und Neugeborene sich nahtlos an ihr neues Leben anpassen können. Diese medizinischen Simulationstechniken ermöglichen Belastungssituationen zu wiederholen und zu kontrollieren, ohne das Leben der Patienten zu gefährden. Diese Methode wird bereits oft in grossen Zentren angewendet und jetzt den Tdh Geburtshelfern in Aussenregionen weitergegeben: mindestens einmal im Monat besuchen unsere Mitarbeiter jedes Gesundheitszentrum eines ganzen Gesundheitsdistrikts, um praktische und individuelle Schulungen durchzuführen.

Ausblick

Wir weiten das Projekt auf die ganze Ségou Gesundheitsregion aus und das Massnahmenpaket von wichtigen lebensrettenden Behandlungsschritten während und nach der Geburt zu vergrössern. Neue Module werden dazukommen, die auf andere wichtige Ursachen der Müttersterblichkeit, wie zum Beispiel Eklampsie, zielen.

SIMSONE ist nun auch im Bezirk Kurigram in Bangladesch präsent, wo es darum geht, die Zahl der unbegleiteten Geburten durch qualifiziertes Personal von derzeit 42% auf 98% bis 2030 zu erhöhen. Nicht weniger als 20’000 Frauen und so viele Kinder können dank Tdh von diesem Projekt in Bangladesch profitieren. Terre des hommes möchte SIMSONE auch in Nepal entwickeln.

Das Projekt wurde geschaffen, um auf weltweite Herausforderungen bei der Geburtshilfe zu reagieren und auch in anderen Ländern und in anderen Zusammenhängen anzuwenden. Das Projekt wird in einem SIMSONE Training Manual standardisiert werden, welches auch Techniken, Schulungen, Administrations-, Überwachungs- und Beurteilungsrichtlinien erklären und festlegen soll.

 

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