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Venezolanische Migrationskrise in Kolumbien

Familien flüchten, um zu überleben

Hyperinflation und Versorgungsengpässe aufgrund einer politischen Krise trieben in den letzten Jahren mehr als vier Millionen VenezolanerInnen dazu, ihr Land zu verlassen. 1,3 Millionen von ihnen befinden sich in Kolumbien. Seit die venezolanischen Behörden die Grenzen Anfang Juni wieder geöffnet haben, migrieren jeden Tag Tausende Menschen nach Kolumbien. Es ist der weltweit zweitgrösste Migrationsstrom nach demjenigen von Syrien.

Einige überqueren die Grenze, um die wichtigsten Lebensmittel und Medikamente zu kaufen und wieder zurückzugehen, andere möchten sich in der Grenzregion in Kolumbien niederlassen. Viele andere Familien begeben sich auf den Weg, um Kolumbien zu überqueren und in ein anderes Land oder eine andere Stadt zu gelangen.

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«Ich habe nur zwei T-Shirts, zwei Hosen und die Kleider, die mein Baby anhat. Alle anderen Sachen, die ich über die Grenze mitnahm, wurden mir gestohlen.» 

Nachdem sie die Grenze überquerten, haben Maria Alejandra* und ihr einjähriges Mädchen noch 50 Stunden Fussweg vor sich, bevor sie Bucaramanga erreichen. Das ist ihr nächstes Ziel, bevor sie nach Peru gehen. Die kleine Fiora* lehnt ihren Kopf erschöpft gegen die Schulter ihrer Mutter.

«Als meine Schwester, die vier Kinder hat, bei mir klopfte, um nach etwas Reis zu fragen und ich nicht einmal genug für mein Kind hatte, beschloss ich, das Land zu verlassen», sagt Maria Alejandra. 

Eine der wenigen Organisationen, die auf der Route helfen

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Es fehlt den migrierenden Familien an Grundlegendem wie Essen und warmen Kleidern. Ihr Lachen ist von der Kälte eingefroren, die sie in den Anden auf halbem Weg nach Bucaramanga erwartet. Ihre Kraft ist von den Schwierigkeiten, eine Unterkunft und wenigstens einmal pro Tag etwas zum Essen zu finden, gebrochen.

Terre des hommes (Tdh) engagierte sich als erste Organisation auf der Route, die die Grenzstadt Cúcuta mit der Transitstadt Bucaramanga verbindet, und ist immer noch eine der wenigen NGOs vor Ort.

12 Personen 

werden pro Tag individuell unterstützt

 

149 Menschen 

nehmen pro Tag an unseren Informations-verstaltungen teil

886 Produkte

wurden an die stärksten gefährdeten Familien verteilt

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Ungefähr 40 Menschen sind gerade in dieser Notunterkunft angekommen. Dort wird ihnen Essen und ein Schlafplatz für die Nacht angeboten.

Unsere Sozialarbeitenden machen die schutzbedürftigsten Menschen unter ihnen ausfindig, um ihnen lebenswichtige Hilfe bereitzustellen:
Informationsveranstaltungen über Gefahren und Bedingungen auf der Strasse und legale Unterstützung werden organisiert; Essensgutscheine, warme Kleider und Decken, Hygieneartikel und Baby-Produkte werden verteilt. Auch koordinieren wir uns mit Notunterkünften, damit die Familien einen Platz zum Schlafen finden. 

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Viele Familien besitzen keine offiziellen Dokumente, können also keine öffentlichen Transportmittel nutzen. Die einzige Möglichkeit, die sie haben, um andere Städte oder Länder zu erreichen, ist, zu Fuss zu gehen.

Auf der 206 km langen Route von der Grenzstadt Cúcuta zur Transitstadt Bucaramanga kann man jeden Tag ungefähr 500 Menschen entlang der engen, kurvigen Strassen durch die Berge gehen sehen. Bei sogenannten ‘caminantes’ – Wanderern, sprechen wir von Familien, die auf der Strasse leben, mit all den damit einhergehenden Gefahren.

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«Es kamen immer mehr Menschen aus Venezuela in unsere Stadt. Es wurde langsam richtig kalt und ich konnte nicht glauben, dass Frauen mit Kindern auf der Strasse schliefen. Ich habe die Möbel aus meinem Haus entfernt, um Schlafplätze zu schaffen. Hier können wir Kinderleben retten!» 

Martha Duque, eine Kolumbianerin mit grossem Herz, nimmt Hunderte migrierende Frauen mit Kindern auf und verteilt etwa 500 Mahlzeiten pro Tag.

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Viele Menschen lassen sich nahe der Grenze nieder. Dort ist der Fokus von Tdh, ihnen zu helfen, offizielle Papiere zu organisieren, damit die Familien Zugang zu ihren Grundrechten haben.

Alles ist eine Frage der Papiere: diejenigen, die einen Pass oder eine Aufenthaltsgenehmigung haben, bekommen Zugang zu Grundrechten wie Zugang zur Arbeit, einem Dach über dem Kopf, Bildung und Gesundheitsversorgung.

Neulich hat Kolumbien 24'000 Pässe an venezolanische Kinder, die in Kolumbien geboren wurden, herausgegeben. Dies gibt ihnen Zugang zu Gesundheitsleistungen und zu Bildung und verhindert, dass diese staatenlos werden.

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«Jedes Mal, wenn ich mit meiner kranken Tochter zum Arzt ging, liessen die Sicherheitsleute uns nicht vorbei, da sie keine kolumbianische Nationalität hatte. Die Anwälte von Tdh haben uns sehr geholfen. Jetzt haben wir ein Zimmer, eine Versicherung und können zum Arzt gehen. Und mein Mädchen kann weiter zur Schule gehen.» 

Rocio lächelt dankbar. Mit der Hilfe von Tdh konnten ihre Kinder Pässe bekommen.

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*Die Namen wurden zum Schutz der Privatshäre geändert.
Bildernachweis : ©Tdh/Sebastian Delgado
Video-Credits : ©Tdh/Jonatan Bermúdez Pascuas