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07.04.2022 - Nachrichten

Nepal: Kinder kämpfen gegen den Klimawandel

In Nepal leidet die Bevölkerung bereits unter den Folgen des Klimawandels. Die Häufigkeit von Überschwemmungen, Erdrutschen und Dürren steigt rapide an. Was kann man angesichts dessen tun? Diese Frage stellen sich die Kinder und Jugendlichen in den von Terre des hommes und einem lokalen Partner eingerichteten Blue Schools.

Die Folgen des Klimawandels

In den letzten Jahren wurde die Bevölkerung dieser Region hart vom Klimawandel getroffen. Überschwemmungen und Monsunregen nehmen jedes Jahr zu und zerstören die Kulturen. Den Landwirtinnen und Landwirten gelingt es nicht mehr, die gewohnte Menge Nahrungsmittel zu erzeugen. Das andere Extrem sind durch Abholzungen verursachte Dürren, die auch immer häufiger auftreten.

Blue Schools als Projektschmieden

Terre des hommes (Tdh) war zusammen mit dem Swiss Water and Sanitation Consortium an der Schaffung des Prinzips der Blue Schools beteiligt. Dies ist ein einzigartiger Ansatz, der Schulkinder für den Wasserkreislauf und für die Wichtigkeit sensibilisiert, dem Ökosystem Sorge zu tragen. Dank einer in den Lehrplan integrierten Ausbildung lernen die Schülerinnen und Schüler, nachhaltige Lösungen zu suchen, die es erlauben, die Ressourcen besser zu nutzen und die Umwelt zu schützen. In Nepal sind bereits sechs Schulen zweier Gemeinden im Distrikt Bardiya zu Blue Schools geworden.

In Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner, der Geruwa Rural Awareness Association, arbeitet Tdh mit den Lehrpersonen der Blue Schools zusammen, um ihre Schule umweltfreundlich, grün und sauber zu gestalten. Diese klären die Bedürfnisse ab, indem sie ihre SchülerInnen und die Lokalbehörden befragen. Die Schulen werden zunächst an die Wasserversorgung angeschlossen. Dann werden sanitäre Anlagen und Lavabos installiert und ein System zur Abfalltrennung eingeführt.

Die Kinder und Jugendlichen nehmen an theoretischen und praktischen Kursen zum Umweltschutz teil. Sie werden sich so dieser Thematik bewusst und lernen gleichzeitig, Obst und Gemüse anzubauen, Abfälle zu recyceln und den Wasserkreislauf zu verstehen. «Dank den Kursen und der praktischen Umsetzung verstehen Kinder und Jugendliche, wie die Gefahren von Naturkatastrophen gemindert werden können und der Lebensstandard ihrer Familien verbessert werden kann», erklärt Gopal Prasad Kandel, Projektkoordinator der Blue Schools bei der Geruwa Association.

Mit den Lokalbehörden Bäume pflanzen

In einer dieser Blue Schools haben die Lehrpersonen einen Workshop zum Thema Entwaldung durchgeführt. Als die Kinder über die Umwelt in ihrer Umgebung diskutierten, erkannten sie, dass einige Probleme wie Erdrutsche und Wasserknappheit mit den Abholzungen in Zusammenhang standen. «Die Bäume stabilisieren den Boden. Wenn es also Bäume gibt, tragen Überschwemmungen die Erde weniger ab und die Wasserquellen versiegen nicht», erläutert Ashoraj, ein 18-jähriger Schüler. Nach dieser Diskussion und mit Unterstützung der Lehrpersonen haben die Schüler auf dem Schulgelände Bäume gepflanzt.

Samjhana wollte dieses Projekt weiterführen. Mit ihrer Jugendgruppe kontaktierte sie das Forstamt und es gelang ihnen, dieses davon zu überzeugen, ihnen Baumschösslinge zur Verfügung zu stellen. Indem sie befolgten, was sie in den Blue Schools gelernt hatten, pflanzten Samjhana und ihre Freundinnen und Freunde Bäume an Flussufern und in der Nähe von Häusern, um sie vor Erdrutschen zu schützen. «Diese Aktion hat eine direkte Wirkung, denn die Bäume befestigen den Boden, machen unsere Umgebung grün und geben uns Sauerstoff, damit wir gesund bleiben», erklärt sie, stolz auf ihren Erfolg.

Überschwemmungssichere Hochbeete

In der Regenzeit stellen sich andere Herausforderungen: «Wir haben zu Hause einen Garten. Ich baue Obst und Blumen an. Das Gemüse ist aber nicht gut gediehen, weil die Erde wegen der starken Monsunregen zu feucht war», erzählt Samjhana. Ashoraj hat ein Mittel gefunden, das Problem zu umgehen und ganzjährig Gemüse zu haben. «Ein Lehrer fragte uns, wer interessiert wäre, zu lernen, wie man ein Hochbeet anlegt, und ich war der Einzige, der die Hand hob.» Seine Blue School half ihm, bei sich zu Hause ein solches Beet zu bauen.

Dieses Beet wird 50 cm über dem Erdboden angelegt und ist somit vor Überschwemmungen sicher. «Vorher hatten wir während der Regenzeit keine Ernte. Aber jetzt, seit ich weiss, wie man ein Hochbeet anlegt, haben wir das ganze Jahr über Gemüse!», erklärt er. Er teilt sein Wissen mit den anderen Dorfbewohnenden, die ihn besuchen. Das ist aber nicht das Einzige, was ihn motiviert: Die Landwirtschaft ist seine wahre Leidenschaft. Er möchte sie zu seinem Beruf machen. «Alle studieren, um Arzt oder Ingenieur zu werden. Doch wer wird sich um die Landwirtschaft kümmern? Wie werden wir Nahrungsmittel erzeugen? Egal, was wir tun, wir brauchen was zu essen. Keine Arbeit ist besser oder schlechter als die andere.»

Eine Gemeinschaft im Wachstum

Wenn die Schulkinder in die Aktivitäten einbezogen werden, verstehen sie, wie wichtig es ist, der Umwelt Sorge zu tragen. Sie teilen diese Botschaften dann ihrerseits mit ihren Angehörigen. Die Jugendlichen spielen somit eine sehr wichtige Rolle bei der Förderung des Umweltschutzes in ihrer Gemeinschaft, auf der nationalen und der globalen Ebene.

Samjhana sagt: «Dank diesem Projekt habe ich Selbstvertrauen gewonnen. Ich beobachte auch Veränderungen in meinem Quartier. Früher wurde Plastik überall weggeworfen. Jetzt trennen meine Nachbarn ihren Abfall und verwerten ihn korrekt, so, wie ich es ihnen gezeigt habe.» Vor kurzem wurde die Jugendliche eingeladen, sich in der Lokalzeitung zu äussern, und vom Radio interviewt. Gopal, der Projektkoordinator, ist von ihren Aufklärungsbemühungen und vom bisher von ihr Erreichten begeistert: «Samjhana ist zu einer wunderbaren Inspirationsquelle geworden! Ihre Entschlossenheit, die Umwelt zu schützen, ist aussergewöhnlich. Es macht so viel Freude, das zu sehen.»

Die Familien sind stark vom Klimawandel betroffen. Aber dank den Kindern und Jugendlichen besteht weiterhin Hoffnung! Die von den Blue Schools lancierten Projekte ermöglichen es den Menschen, besser vorbereitet zu sein und sich besser klimabedingten Herausforderungen stellen zu können. Für eine Familie, die auf ihre eigenen Erzeugnisse angewiesen ist, kann ein Hochbeet in der Regenzeit der Mangelernährung vorbeugen.

Crédits photos: ©Tdh/Sajana Shrestha

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