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12.03.2021 - Nachrichten

Zehn Jahre Krieg in Syrien: Zwischen Leid und Hoffnung

Am 15. März 2011 brach eine der schlimmsten humanitären Krisen der jüngeren Geschichte aus. Der Syrien-Konflikt hat Millionen Familien in die Flucht getrieben, in der Hoffnung auf mehr Sicherheit. In den Aufnahmeländern arbeiten die Teams von Terre des hommes Hand in Hand mit den Eltern und den Gemeinschaften, damit Kinder unter den bestmöglichen Bedingungen aufwachsen können.

«Ich war vier Jahre alt, als ich Syrien verlassen habe. Ich erinnere mich an meine Strasse und an einen kleinen Markt, wo wir oft einkaufen gingen. Es gab auch einen Panzer, der in der Nähe unseres Hauses stationiert war und vor dem wir uns versteckten.» Mit seinen gerade mal zwölf Jahren ruft sich Bakr ein paar Erinnerungen ins Gedächtnis, die ihm von seinem Geburtsland – Syrien – bleiben. Seine strahlend grünen Augen und sein breites Lachen stehen im Gegensatz zu seiner tragischen Geschichte. Vor acht Jahren hat seine Familie alles zurückgelassen, um vor dem Bürgerkrieg zu fliehen, der das Land verwüstete. «Wir wohnten in Homs, fürchteten aber um unser Überleben. Wir flüchteten, während die Region bombardiert wurde», erzählt seine Mutter Asmaa.

2021 jährt sich der Krieg in Syrien zum zehnten Mal. Der Konflikt, der 2011 ausbrach, ist laut der UNO zur «schlimmsten von Menschen verursachten Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg» geworden. Die Zahlen lassen einen erschauern: Hunderttausende Opfer, 6,2 Millionen Binnenvertriebene und 5,6 Millionen Flüchtlinge. 99,4 Prozent dieser Flüchtlinge wurden von folgenden fünf Ländern aufgenommen: Türkei, Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten. Auch Bakrs Familie ist nach Ägypten geflohen. Mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern Talal, 11 Jahre alt, und Adam, 4 Jahre alt, wohnt er jetzt in einer winzigen Wohnung in einem Viertel, das eine Autostunde vom Stadtzentrum von Kairo entfernt ist.

Bakr und seine Brüder, Talal und Adam, syrische Flüchtlinge.

Neben der Dankbarkeit, dem Schlimmsten entkommen zu sein, empfinden sie Nostalgie und Traurigkeit, da sie weit weg von zu Hause und ihren Angehörigen sind. «In Ägypten ist man in Sicherheit und kann ein stabiles Leben führen. Als wir aus Syrien hier angekommen sind, waren die Leute nett und haben uns gut aufgenommen. Aber ich möchte, dass meine Grosseltern, meine Cousins, meine Onkel und Tanten bei uns sind», meint Bakr. Und seine Mutter ergänzt: «Am Anfang war es sehr hart. Wir kannten niemanden, hatten finanzielle Schwierigkeiten und fanden keine Wohnung. Die Kinder waren sehr klein und stellten viele Fragen.» Zusätzlich zur Gewalt und zur Zerstörung, die er verursacht, trennt der Krieg ganze Familien und macht alle Anhaltspunkte zunichte.

«Wenn man in einem neuen Land ankommt, ist es schwierig, sich zu integrieren, auch wenn die Kultur und die Traditionen den unseren ähneln», erklärt Inas Bashar Mardini, Sozialarbeiterin in Ägypten und selbst aus Syrien geflohen. «Auch als Erwachsene haben wir Anpassungsschwierigkeiten, denn wir sind notgedrungen und nicht freiwillig hierhergekommen. Die Eltern geben dies unbewusst an die Kinder weiter.» Für Kinder ist diese Situation besonders verhängnisvoll, da sie psychisches Leid verursachen und ihr Verhalten dauerhaft beeinflussen kann.

Geistig gesund bleiben

In Ägypten konzentriert sich ein Teil der Arbeit von Terre des hommes auf die psychologische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Wie in anderen Ländern des Nahen Ostens und Europas entwickeln unsere SpezialistInnen für Kinderschutz Aktivitäten, um Flüchtlingskinder bedürfnis- und altersgerecht zu betreuen. Um ihre Integration zu erleichtern und Kontakte zu schaffen, stehen diese Aktivitäten allen offen: Flüchtlingen aus Syrien und anderen Ländern, aber auch den Kindern der lokalen ägyptischen Gemeinschaften.

Durch Spiel und Bewegung entwickeln die Kinder den Geist der gegenseitigen Hilfe und drücken ihre Gefühle aus.

«Zu Beginn zauderte Bakr, an den Aktivitäten teilzunehmen, und verstand sich nicht mit den Kindern anderer Nationalitäten. Um dagegen anzugehen, wählte ich Übungen, die das Zusammenarbeiten mit anderen erforderten. Mit der Zeit veränderte sich sein Verhalten komplett. Er begann, mit ägyptischen Kindern zusammen zu sein. Heute macht er sich Sorgen, wenn seine Kameraden fehlen, und ist sehr hilfsbereit. Er ist ein lebenslustiger Junge geworden», fährt Inas fort.

«Hier lernt man viel, dank sehr einfachen Übungen. Am besten gefällt mir, dass die organisierten Aktivitäten alle beschäftigen. Sie machen die Kinder glücklich, denn einige haben niemanden, der sie glücklich macht», meint Bakr.

Die von Inas angebotenen Aktivitäten sind eine Mischung aus Bewegungsübungen, Spielen und psychologischer Unterstützung in einem speziellen Raum eines Gesundheitszentrums im Quartier. Sie werden von einer Zeit zum Nachdenken und Diskussionen begleitet und ermöglichen den Kindern und Jugendlichen, ihre Ausdrucksfähigkeiten zu entwickeln, ihre Gefühle zu erkennen und die der anderen zu verstehen. «Das hilft den Kindern bei der Charakterbildung. Denn es gibt Eltern, die mit ihren Kindern nie über Gefühle sprechen», erklärt Inas.

Im Familienzimmer zeigt Bakr stolz eine seiner Zeichnungen.

«Diese Aktivitäten sind besonders wichtig für Kinder, die sich in einem ihnen fremden Land befinden. Sie haben meinen Kindern wirklich geholfen, für ihre Erziehung und ihre Psyche. Sie lernen, ihre Energie freizusetzen und zu bündeln», ergänzt Asmaa, die Mutter von Bakr.

Mit den Eltern zusammenarbeiten

Die Einbeziehung des Umfelds der Kinder ist einer der Schlüssel, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen. «Wir können Kindern nicht helfen, ohne ihren Eltern zu helfen. Sie müssen zur Schule gehen und in Sicherheit aufwachsen können. Doch all das ist nicht möglich, wenn die Eltern in prekären Verhältnissen leben», erklärt Meilaa Khateeb, Spezialistin für Kinderschutz in Jordanien.

«In Irbid habe ich eine fünfköpfige Familie begleitet: die Eltern und drei Töchter im Alter von sieben, drei und einem Jahr. Sie hatten keine Einkünfte und lebten in einer winzigen, kalten Wohnung. Der Vater hatte psychische Probleme und verhielt sich seiner Frau gegenüber gewalttätig. Die Mutter litt an einer Depression. Die Älteste war nicht eingeschult und hatte keine andere Wahl, als zu arbeiten, um zu überleben. Die Mädchen trugen im Winter leichte Kleidung.» Bei Meilaas erstem Besuch haben die Mutter und die älteste Tochter sich ihr anvertraut und viel geweint. Das Mädchen konnte an unseren psychosozialen Aktivitäten teilnehmen. «Wir haben den Vater an psychiatrische Dienste verwiesen, die Mutter an eine Selbsthilfegruppe. Dort entdeckten wir, dass sie wusste, wie man Käse und andere Milchprodukte herstellt. Wir gaben ihr eine Finanzhilfe, damit sie ihr Kleinunternehmen starten und ein Einkommen erzielen konnte. Heute ist die Situation der Familie stabil. Sie konnten in eine andere Wohnung ziehen, der Mann erhält die notwendige Behandlung und die älteste Tochter muss nicht mehr arbeiten und geht wieder zur Schule.»

«Die Reise von Syrien nach Griechenland war für uns nicht einfach»

Marwa, lebt mit ihren Kindern in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Athen, Griechenland

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Eine zusätzliche Herausforderung

Die Covid-19-Pandemie hat die bereits schwierige Lage der Flüchtlingsfamilien und der Organisationen wie Terre des hommes noch komplexer gemacht. «Viele Flüchtlinge sind erkrankt, vor allem in den Camps. Ihre Wohncontainer stehen sehr dicht nebeneinander und es ist praktisch unmöglich, die Abstandsregeln einzuhalten. Das erhöht ihre Ängste und Sorgen noch», fügt Meilaa an. Unsere Teams zeigen sich innovativ, um die Aktivitäten kontinuierlich anzupassen und weiterhin Unterstützung zu bieten, wobei sie die Gesundheitsrisiken für die Kinder und das Personal möglichst klein halten.

Die Aktivitäten von Tdh werden unter Anpassung an die aktuelle Gesundheitssituation fortgesetzt.

Auch für die Familie von Bakr gefährdet Covid-19 das fragile Gleichgewicht, das sie erreicht hat. Seine Mutter Asmaa erklärt: «Mein Mann hat Mühe, Arbeit zu finden, und wir haben erneut finanzielle Schwierigkeiten. Ich muss die Kinder zu Hause behalten.» Unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter müssen Lösungen finden, damit Bakr und seine Brüder aus der Distanz weiterhin die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Da die Familie keinen Computer hat, entwickeln wir Aktivitäten, die per Video erklärt werden können und dann als Nachrichten aufs Mobiltelefon übermittelt werden.

Seit dem 15. März 2011 untergräbt der Krieg in Syrien die Rechte und die Existenz einer ganzen Generation Kinder. In zehn Jahren wurden fast eine Million Kinder als Flüchtlinge geboren und kennen ihr Heimatland nur aus Erzählungen ihrer Familie. «Selbst wenn Krieg ist, haben Menschen aus Syrien Rechte. Aber ich glaube, dass er bald zu Ende geht, dass dann alles besser wird und wir heimkehren können», meint Bakr zum Schluss. Bis es so weit ist, erzählt ihm seine Mutter von Syrien, von Homs, von ihrem Viertel und ihrer Familie. «Was mir Hoffnung macht, ist, dass ich meine Kinder im Krieg nicht verloren habe und dass ich sie aufwachsen sehen kann», seufzt Asmaa mit einem liebevollen Blick auf ihren Sohn.

Spenden Sie, um Kinder und ihre Familien zu unterstützen, die vom Krieg in Syrien betroffen sind.

 


VON DER NOTHILFE BIS HEUTE

Nach dem Kriegsausbruch im Jahr 2011 engagierten wir uns, um Familien humanitäre Hilfe zu leisten, die in Ägypten, Jordanien, Libanon, Griechenland, im Irak und auf dem Balkan neu angekommen waren. Wir begannen, in Flüchtlingslagern, in den Aufnahmegemeinschaften und auf den Migrationsrouten zu arbeiten, wobei wir insbesondere Güter des täglichen Bedarfs und psychologische Soforthilfe bereitstellten und spezielle Räume für Kinder schufen.

Im Laufe der Zeit und der Entwicklung des Konflikts verändern sich die Bedürfnisse von Kindern und Familien und es tauchen neue Probleme auf. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern arbeiten unsere Teams mit den Kindern, den Flüchtlingsfamilien und den Aufnahmegemeinschaften, um zu gewährleisten, dass die Kinderrechte eingehalten werden. Zusammen mit ihnen bekämpfen wir die negativen Auswirkungen dieser humanitären Krise: Armut, Gewalt, Ausbeutung von Kindern, Kinderehen, Schulabbruch. Tdh entwickelt zudem die Kompetenzen von lokalen Organisationen, von Angehörigen der Gemeinschaften und Behörden, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. 


«Was junge Menschen aus Syrien wie mich am meisten beschäftigt, sind die Schwierigkeiten, unsere Ausbildung fortzuführen, und fehlende Zukunftsperspektiven.»

Rama, Syrerin, die sich als Flüchtling in Ägypten freiwillig für die Projekte von Terre des hommes engagiert

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