26.05.2016 - Pressespiegel

Das erwartet die Flüchtlinge nach Idomeni

Seit Dienstag hatte die griechische Polizei das wilde Flüchtlingslager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien geräumt. Am Donnerstag beendeten die Beamten die Aktionen – früher als erwartet. Die rund 8500 Menschen sollen in offiziellen Auffanglagern unterkommen, die zum Teil neu errichtet wurden, zum Teil schon länger bestehen. Die Zustände in Idomeni waren unhaltbar – doch was erwartet die Flüchtlinge in den anderen Camps? Rund 54'000 Migranten leben derzeit in griechischen Auffanglagern, denen es teilweise am Nötigsten mangelt.

Wohin genau die Flüchtlinge aus Idomeni gebracht würden, sei unklar, sagt Martin Morand von Terre des Hommes. Flüchtlinge und Hilfsorganisationen würden nicht ausreichend informiert, beklagt er. Die griechischen Behörden hätten vier neue Lager im Industriegebiet von Thessaloniki errichtet, aber niemand wisse genau, wo sich diese Camps befänden. Es sei beunruhigend, dass Hilfsorganisationen keinen Zugang hätten.

Auch Katy Athersuch von Ärzte ohne Grenzen bemängelt, dass die Flüchtlinge nicht einmal über ihren Zielort informiert worden seien, als sie in die Busse stiegen. Einige Patienten hätten in den vergangenen Tagen medizinische Behandlungen verweigert, aus Angst, von ihrer Familie getrennt zu werden.

Unterschiedliche Standards

Gemäss Terres des Hommes gibt es rund 40 Camps in ganz Griechenland, in denen die Bedingungen sehr unterschiedlich sind. Das Camp Petra Olimpou etwa, in dem die Organisation vor Ort ist, sei in einem guten Zustand – es liege allerdings abgeschieden in den Bergen, berichtet Morand. Das Lager wurde vor wenigen Wochen eröffnet und beherbergt 1000 Menschen. Am Dienstag kamen hier zwei Busse aus Idomeni an.

Im Hafen von Thessaloniki dagegen, wo Terre des Hommes ebenfalls hilft, sind die Lebensbedingungen laut Sprecherin Lisa Flückiger schlecht. Die Flüchtlinge schlafen in einem grossen Lagerhaus ohne Privatsphäre, es ist schmutzig und unhygienisch. «Wir können nicht sagen, dass generell die Qualitätsstandards eingehalten werden, die wir erwarten würden», sagt Flückiger. Wie lange die griechischen Behörden benötigen, um die Asylanträge zu bearbeiten, sei unmöglich vorauszusehen.

Behörden preisen die Vorteile

Regierungssprecher Giorgos Kyritsis beteuerte am Dienstag, die neuen Camps hätten immerhin Strom, Telefone und sanitäre Anlagen. «Sieben der Lager befinden sich in Industriegebäuden, zwei sind Zeltlager unter freiem Himmel. Zelte und büroähnliche Kabinen sollen die Privatsphäre von Familien sichern», wird er vom «Guardian» zitiert. Asylanträge sollen in den neuen Lagern schneller bearbeitet werden, betonte Kyritsis.

Verschiedene Medien berichten allerdings, dass die Situation in den Ausweichlagern zum Teil schlechter sei als in Idomeni. Im Lager Elliniko auf einem verlassenen Olympiagelände bei Athen beklagen sich die Menschen laut Jetzt.de über überfüllte Katakomben und verdorbenes Essen.

In einer früheren Lederfabrik, 20 Kilometer südwestlich von Thessaloniki, wohnen die Menschen in Zelten auf schmutzigem Boden, schreibt «Spiegel online». Anders als in Idomeni gebe es hier kaum Platz. Zudem sei Thessaloniki für die Flüchtlinge kaum zu erreichen.

 

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