13.08.2016 - Pressespiegel

«Das ist schrecklich» - Lauriane Sallin schildert ihre Erlebnisse in Brasilien

Die Miss Schweiz ist während den Olympischen Spielen auf einer Mission. «Es geht mir um die Gleichberechtigung, das gibt es hier in Brasilien nicht», sagt Lauriane Sallin. Über zwei Wochen verbrachte die 23-jährige Studentin während ihrer Tour durch das fünfgrösste Land der Erde und entdeckte dabei Freud und Leid gleichermassen.

Stark in Erinnerung geblieben ist ihr dabei der Besuch einer Haftanstalt für Jugendliche in Fortaleza. «Das war sehr emotional. Diese Mädchen und Buben haben schon so viel erlebt, das ist einfach schrecklich», beschreibt Sallin die Situation der Teenager, die oft unfreiwillig mit der Kriminalität konfrontiert werden. «Das ist wie ein System. Die Favelas leben von der Gewalt.»

Für das Schweizer Kinderhilfswerk Terre des Hommes leistet die amtierende Miss Schweiz mit ihrer Präsenz mediale Aufmerksamkeit. «Die Kinder sind trotz der Gewalt nicht schockiert, dabei wollen die Familien ja auch mehr Sicherheit für ihre Kinder», so Sallin. «Für mich ist die Schule und die Bildung das wichtigste Mittel, um diesen Jugendlichen zu helfen.»

Die kleine Schweiz in Brasilien

Eine Begegnung in eigener Sache erlebte Lauriane Sallin am Ende ihrer Route mit einem Trip nach Nova Friburgo, drei Autostunden von Rio de Janeiro entfernt – eine Stadt, die wie der Name schon sagt, die zweite Heimat der Kunststudentin aus dem Kanton Fribourg sein könnte.

Aeby, Jaccoud, Hildebrand - die Namen der Auswanderer von Nova Friburgo sind auf einer schwarzen Tafel im Museum in der Casa Suíça aufgelistet. Rund 2000 Frauen, Männer und Kinder haben vor bald 200 Jahren ihre Heimat in der Schweiz verlassen und in Brasilien ein neues Leben begonnen. Die meisten stammten aus dem Kanton Freiburg.

Weshalb sie aus der Schweiz flüchteten, ist ungeschönt dargestellt. «Suíça, terra de miséria», ist zu lesen – «Schweiz, Land des Elends.» Daneben der Tod als Sensenmann, der die Freiburger dahinrafft, und eine in blassen Farben gehaltene Zeichnung mit der Bildlegende: «Gross war die Noth. Es zeigt sich hier eine Familie, von Hunger und Elend entkräftet, unter einem Baum, klagend und weinend.»

Die grosse Hungersnot

Die Casa Suíça, das Schweizer Haus, ist ein Chalet – mit Schweizer Fahnen und überdimensionierter, schwarz-weiss gefleckter Kuh-Attrappe in der Einfahrt. Wenig zeugt von den Nöten, welche die ersten Schweizer hierher trieben. «In meinem Dorf gibt sogar eine Strasse, die heisst Brasilien-Weg. Es ist interessant zu erfahren, dass die Schweizer auch einmal Flüchtlinge waren», Lauriane Sallin, «das dürfen wir in der heutige Zeit nicht vergessen.» Das Unheil hatte sich 1816 angebahnt, dem Jahr ohne Sommer.

In Indonesien war der Vulkan Tambora ausgebrochen, der eine riesige Aschewolke in die Atmosphäre schleuderte und die Temperaturen sinken liess. Durch Kälte und Dauerregen fielen in Europa und Amerika die Ernten aus. Es herrschten Hunger, Armut und Tod. «Menschen grasten nun mit dem Vieh», schrieb der Schweizer Geistliche Ruprecht Zollikofer über das folgende Hungerjahr 1817.

400 Schweizer ertranken

In der Schweiz packten exakt 2006 Menschen ihr Hab und Gut zusammen, verliessen Haus und Hof, um in der Ferne ein besseres Leben zu finden. Die meisten stammen aus ärmlichen Verhältnissen: Gemäss Angaben des Kantons Freiburg waren es 830 Freiburger, 500 Berner, 160 Walliser 143 Aargauer, 140 Luzerner, 118 Solothurner, 90 Waadtländer, 17 Schwyzer, 5 Neuenburger und 3 Genfer.

Ihre Reise führte sie zunächst über Aare und Rhein nach Holland, bevor sie endlich in See stachen: zusammengepfercht auf sieben Schiffen. Bis zu 146 Tage dauerte die beschwerliche Überfahrt über den Atlantik. Rund 400 Auswanderer starben. Das erste Schiff, die Daphnée, kam am 4. November 1819 in Rio de Janeiro an.

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Den vollständigen Artikel im Tagesanzeiger inklusive Video mit Lauriane Sallin finden Sie hier.

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