COVID-19
Die Pandemie bedroht gefährdete Familien.

BRIDGE: Bewusstseinsförderung für geschlechtsspezifische Gewalt in Europa

Migrierende Kinder und Jugendliche sind den Gefahren von geschlechtsspezifischer Gewalt und Missbrauch ausgesetzt, und zwar im Herkunftsland, während der Reise und in der Zieldestination. Mit dem BRIDGE-Projekt (engl. für “Building Relationships through Innovative Development of Gender Based Violence Awareness in Europe”) stärken Tdh und ihre Partner ihren Einsatz in den EU-Ländern zu diesem Thema und sensibilisieren Kinder und Jugendliche zum besseren Selbstschutz.

 

Studien weisen auf besorgniserregende Berichte von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen flüchtende und migrierende Kinder und Jugendliche in der Europäischen Union hin. Neben Datenmangel, Wissens- und Koordinationslücken der Fachpersonen erschwert auch das geringe Bewusstsein unter migrierenden Kindern und Jugendlichen die Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt. Das BRIDGE-Projekt zielt darauf ab, den Einsatz für betroffene Kinder und Jugendliche auf der Durchreise in Belgien, Griechenland, Ungarn, Malta, Rumänien und anderen EU-Ländern zu verstärken.

Migration kann ein traumatisches Erlebnis für Kinder und Jugendliche sein. Manchmal reisen sie tausende von Kilometern unter gefährlichen und ungesunden Umständen mit begrenztem Zugang zu Essen, Unterkunft oder medizinischer Versorgung. Folglich erhöht sich das Risiko, von geschlechterspezifischer Gewalt betroffen zu sein. Sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt bezieht sich auf jede Handlung, die gegen den Willen einer Person verübt wird und auf Geschlechternormen und ungleichen Machtverhältnissen beruht. Dazu gehören Gewalt und Ausbeutung durch MenschenhändlerInnen, StaatsbeamtInnen, Angestellte von öffentlichen Einrichtungen, andere MigrantInnen oder sogar durch die eigene Familie. Obwohl jeder während der Durchreise oder in der Zieldestination betroffen sein kann, sind es besonders junge Frauen und Mädchen, die wegen sozialen Normen – welche die Rollen von Frauen und Männern vorschreiben - und geschlechtsspezifischen Machtungleichgewichten gefährdet sind. Hinzu kommt, dass die Opfer meist zu verängstigt sind, geschlechtsspezifische Gewalt zu melden. Nicht selten wird ihnen kein Glaube geschenkt; sie erleben Ignoranz, Anschuldigungen und Beschämung durch ihre Familien und Gemeinschaften, wenn sie einen Fall melden. «Die meisten Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt werden von Kindern nicht gemeldet. Es liegt daher an den Erwachsenen, diese zu erkennen, sodass angemessene und schnelle Massnahmen ergriffen werden können.» erklärt Nenad Matejic, unsere Projektleiterin. Dieses Projekt zielt vor allem auf die nicht gemeldeten Fälle ab.

Innovative Datenerhebungsinstrumente

Um das Problem des Datenmangels anzugehen, haben wir ein mobiles Datenerhebungsinstrument für Betreuungsfachpersonen sowie für migrierende Kinder und Jugendliche entwickelt. Der Fragebogen ermöglicht uns, verschiedene Daten zu sammeln: Daten über geschlechtsspezifische Gewalt; Daten über aktuelle Wissenslücken unter Fachleuten, um diese zu erkennen und darauf zu reagieren; Daten über den Bewusstseinsgrad von Kindern und Jugendlichen über geschlechtsspezifische Gewalt sowie über Anlaufstellen für Betroffene. Auf der Grundlage dieser Daten können wir unsere Aktivitäten entwerfen, wie zum Beispiel Schulungsprogramme für Betreuungsfachpersonen oder Sensibilisierungskampagnen.

Kapazitäten der Betreuungsfachpersonen verbessern

Mehr als 1000 Betreuungsfachpersonen in ganz Europa profitieren von unserem Lernprogramm. Sie lernen, bestimmte Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt an Kindern und Jugendlichen auf der Durchreise zu erkennen und diese anzugehen. Ausserdem können sie den Betroffenen dabei helfen, Gefahren selbst zu erkennen und abzuwenden. Das Training wird auf unserer Austauschplattform ChildHub angeboten.  

Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen

Migrierende Kinder und Jugendliche werden bei der Entwicklung von Material für Sensibilisierungskampagnen in jedem Land beteiligt. Dieses wird in verschiedenen Formaten entwickelt und hat das Ziel, Kinder und Jugendliche, die migrieren, weiter über geschlechtsspezifische Gewalt zu informieren und zu sensibilisieren.