ROAD: Adoption und die Frage nach der Herkunft

ROAD (für Recherche d’Origine/Adoption) ist ein Service von Terre des hommes, der Adoptierten bei Nachforschungen zu ihrer Herkunft Hilfe und Unterstützung bietet.

Adoption ist ein Thema, das zahlreiche Fragen aufwirft. Viele Adoptierte werden mit emotionalen Entscheidungen konfrontiert. Einige möchte ihre Vergangenheit kennen, andere konzentrieren sich auf die Gegenwart. ROAD (für Recherche d’Origine/Adoption) ist ein Service von Terre des hommes, der Adoptierten bei Nachforschungen zu ihrer Herkunft Hilfe und Unterstützung bietet.

Terre des hommes (Tdh) lancierte gleich nach der Gründung der Stiftung im Jahr 1960 ein Adoptionsprogramm, nachdem der Algerienkrieg viele Kinder zu Waisen gemacht hatte. Die Adoption, die immer als letzter Ausweg galt, wenn eine Familienzusammenführung nicht möglich war, erlaubte ihnen, ein neues Zuhause zu finden. Während über 50 Jahren begleitete unser Adoptionsdienst Kinder aus aller Welt, von denen viele aus Südkorea, Indien, Vietnam und Kolumbien stammten.

Heute ist die Anzahl der Adoptionen stark rückläufig. Während in den 1980er-Jahren in der Schweiz jedes Jahr rund 1600 Kinder adoptiert wurden, waren es 2016 nur noch 343. Bei zwei Dritteln davon handelte es sich zudem um Kinder der Partnerin oder des Partners. Tdh stellte das Adoptionsprogramm 2013 ein und bietet nun den 2905 Personen, die von der Stiftung einst zur Adoption vermittelt wurden, Unterstützung bei Nachforschungen zu ihrer Herkunft.

Das Recht, seine Herkunft zu kennen

In der Überzeugung, dass jeder das Recht hat, seine Herkunft zu kennen, bewahrt Tdh sämtliche Archivakten in Zusammenhang mit Adoptionen während 100 Jahren auf. Adoptierten, die dies wünschen, überreichen wir ihr persönliches Dossier. Sie erhalten zudem psychologische Unterstützung bei der Akteneinsicht und bei Nachforschungen im Herkunftsland. 2016 nahmen 19 Personen unseren Dienst in Anspruch.

Sich der Schwierigkeiten bewusst sein

Es ist jedoch wichtig, sich der Herausforderungen und Schwierigkeiten bewusst zu sein, die sich stellen können. «Einige setzen Himmel und Hölle in Bewegung, ohne Resultat, und finden ihre Herkunftsfamilie nicht. Andere finden jemanden, der sie nicht sehen möchte», erklärt Mischa Steiner, ein in der Schweiz adoptierter Koreaner, der heute wieder in seinem Herkunftsland lebt. Es gibt Menschen, die sich in ihrem Geburtsland heimisch fühlen, andere fühlen sich als Schweizer wie Alfonso, ein junger Kolumbianer, der in der Schweiz adoptiert wurde. In einigen Fällen sehen Adoptierte keinerlei Veranlassung, die eigenen Wurzeln zu finden. Manchmal verspüren sie ein Grundbedürfnis, das Geheimnis dieses unbekannten Teils ihres Lebens zu lüften, ein Vorgehen, das ihnen zu innerer Ruhe verhelfen kann.

«Wir bieten psychosoziale Begleitung, denn es handelt sich um heikle Situationen und die Entdeckung bestimmter Informationen kann schwierig sein. Wir haben es mit dem Verlassenwerden zu tun, das jeder Adoption zugrunde liegt, einem grossen Trauma im Leben eines Menschen, der so etwas erlebt hat. Damit konfrontiert zu werden, kann verschiedenste emotionale Reaktionen hervorrufen, die unbedingt professionelle Hilfe und Begleitung brauchen», erklärt Caroline Durgnat, Koordinatorin von ROAD bei Tdh.

Jeder hat das Recht, seine Herkunft zu kennen. Eine Verpflichtung, die Terre des hommes erfüllt.

Wenn Sie selbst von Terre des hommes zur Adoption vermittelt wurden und uns kontaktieren möchten, schreiben Sie bitte an: adoption@tdh.ch

 

«Mein Leben begann, als ich sieben war.»

Alfonso Hänni, im Alter von 7 Jahren adoptiert, sucht heute seine Herkunft

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